Kabale um Trump: Kushner kämpft gegen Trumps Stabschef Kelly
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Kabale um TrumpKushner kämpft gegen Trumps Stabschef Kelly

Trumps Schwiegersohn sieht sich von Geheimnissen ausgesperrt. Sein Duell mit Stabschef John Kelly wird nur einer überleben.

von
sut
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Hat seine temporäre Sicherheitszulassung verloren: Trump-Schwiegersohn Jared Kushner. (Archivbild)

Hat seine temporäre Sicherheitszulassung verloren: Trump-Schwiegersohn Jared Kushner. (Archivbild)

Keystone/Zach Gibson
Die Herabstufung veranlasste John Kelly, der Stabschef im Weissen Haus. (26. Februar 2018)

Die Herabstufung veranlasste John Kelly, der Stabschef im Weissen Haus. (26. Februar 2018)

epa/Jim Lo Scalzo
Kushners prominente Rolle im Weissen Haus als Berater von US-Präsident Donald Trump ist nun in Frage gestellt.

Kushners prominente Rolle im Weissen Haus als Berater von US-Präsident Donald Trump ist nun in Frage gestellt.

Keystone/Alex Brandon

Im Umfeld von US-Präsident Donald Trump spielt sich ein «Match bis zum Tod» ab, berichtet die gut informierte Website Axios. Auf der einen Seite: Jared Kushner und seine Frau Ivanka, Trumps älteste Tochter. Auf der anderen: Stabschef John Kelly. «Nur eine Seite wird überleben», sagt ein Mitarbeiter des Weissen Hauses.

Die erste Runde scheint Kelly gewonnen zu haben. Der Stabschef hat mit Wirkung auf letzten Freitag die Befugnis Kushners begrenzt, Einsicht in geheime Dokumente zu erhalten. Aufgrund einer nicht abgeschlossenen Sicherheitsprüfung hat der Schwiegersohn nun nicht mehr Zugriff auf «Top Secret»-Material. Er kriegt nur Zugang zu weniger kritischen Geheiminformationen, die bloss den Stempel «Secret» tragen.

Alles wegen Porter

Zusammen mit Kushner stufte Kelly bezüglich Geheimniszugang auch andere Mitarbeiter herab, deren Sicherheitsprüfung durch die Bundespolizei FBI noch nicht beendet ist. Dutzende von Beratern sollen wie Kushner bisher bloss eine vorübergehende Unbedenklichkeitserklärung erhalten haben. Kelly musste die Zügel straffen, weil der inzwischen wegen Gewalt gegen Frauen entlassene Stabssekretär Rob Porter trotz provisorischer Sicherheitsprüfung geheimste Informationen sehen durfte.

Die Herabstufung Kushners wird nach Meinung von Experten den Wirkungsbereich des 37-jährigen Chefberaters und internationalen Vermittlers beschneiden. Kushner ist Direktor für Innovation und leitet die Reform der Strafjustiz. Daneben ist er zuständig für viele internationale Fragen, darunter Frieden in Nahost, Diplomatie mit China, Handelsgespräche mit Mexiko und Kanada sowie Fragen zu Saudi-Arabien und dem Irak.

«Er weiss nicht, was er nicht weiss»

«Seine schwierige Situation wird jetzt noch schwieriger», sagte der Nahostspezialist Aaron David Miller zur «New York Times». Kushner «weiss nicht, was er nicht weiss, und er kann es nicht herausfinden.» Der in Sicherheitspolitik bewanderte Anwalt Bradley Moss sagte zur «Washington Post», im Kontext von Kushners Verhandlungen «untergräbt dies seine Möglichkeit, informiert zu sein.»

Kushner ist verletzlich, weil seine früher von ihm geleitete Immobilienfirma unter hohen Schulden ächzt und ausserhalb Amerikas auf Geldsuche gegangen ist. Die «Washington Post» berichtete, dass mindestens vier Länder versucht haben, den Präsidentensohn zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Genannt werden die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE), China, Israel und Mexiko. UAE-Vertreter sollen Kushner schon im Frühling 2017 als besonders manipulierbar bezeichnet haben.

Streit wird heruntergespielt

Im Zug seiner Vermittlerdienste hat Kushner eigenwillig Kontakte gepflegt, ohne das übrige Sicherheitsteam zu informieren. Damit stiess er Sicherheitsberater H. R. McMaster vor dem Kopf, bei dem alle Fäden zusammenlaufen müssten. «Er dachte: Das ist aber merkwürdig», sagt ein Mitarbeiter laut «Post» über McMaster. «Mir ist nicht bewusst, dass es so etwas in einem anderen Weissen Haus schon gegeben hat.»

Führende Regierungsmitglieder spielen den wachsenden Streit zwischen Kelly und Kushner herunter. McMaster habe «höchste Achtung vor Mr. Kushner», sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats. Auch Kelly sprach Kushner letzte Woche «volles Vertrauen» aus.

Womöglich weiss der Stabschef von der starken Position Kushners, da dessen Frau Ivanka Trumps Lieblingstochter ist. Dass das Duell gegen ihn ausgehen wird, ist schwer vorstellbar. So lange Ivanka im Weissen Haus bleibt, wetten Kenner eher gegen Kelly.

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