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Kuvet-Urteil ist definitv

Die Strafe von 20 Jahren Zuchthaus für einen der beiden Haupttäter im Entführungsfall Kuvet bleibt bestehen. Das Bundesgericht hat die Beschwerde des 34-Jährigen gegen das Urteil des Zürcher Geschworenengerichts abgewiesen.

Der Verurteilte hatte unter anderem argumentiert, die Verschleppung des kleinen Kuvet sei zu Unrecht als Geiselnahme gewertet worden. Richtigerweise sei die Tat als Entführung zu qualifizieren. Das trifft nach Ansicht des Bundesgerichts jedoch nicht zu.

Drohungen ernst gemeint

Laut den Lausanner Richtern hat das Zürcher Geschworengericht zudem zu Recht einen qualifizierten Fall von Geiselnahme erkannt: Aufgrund der verbindlichen Feststellungen der Vorinstanz sei nämlich davon auszugehen, dass die ausgesprochene Todesdrohung beim Ausbleiben der Lösegeldzahlung wahr gemacht worden wäre.

Hinzu komme, dass für das Opfer die Gefahr eines Einsatzes von Schusswaffen bei einer möglichen polizeilichen Befreiungsaktion bestanden habe. Erfolglos blieb schliesslich auch der Einwand, neben einer Verurteilung wegen Geiselnahme sei kein Platz für einen zusätzlichen Schuldspruch wegen versuchter Erpressung.

18 und 20 Jahre Zuchthaus

Das Zürcher Geschworenengericht hatte im November 2002 die zwei damals 27 und 32 Jahre alten Haupttäter der Geiselnahme, der versuchten Erpressung, des bandenmässigen Raubs und weiterer Delikte schuldig gesprochen. Der jüngere Täter wurde zu 18 Jahren Zuchthaus verurteilt, sein Komplize erhielt 20 Jahre Zuchthaus.

Drei Gehilfen wurden zu Zuchthausstrafen zwischen zweieinhalb und viereinhalb Jahren verurteilt. Haupttäter wie Gehilfen stammen aus verschiedenen Gegenden des ehemaligen Jugoslawien. Der damals siebenjährige Kuvet, Sohn eines albanischen Reisebüroinhabers, war am 16. Mai 2000 in Zürich von den zwei Haupttätern entführt worden.

Zweiter Haupttäter in Serbien inhaftiert

Die beiden mit Handgranaten und einer Maschinenpistole bewaffneten Männer brachten das Kind mit einem gestohlenen Wagen ins luzernische Hellbühl. Zwei Gehilfen forderten von Kuvets Vater 1,2 Millionen Franken für die Freilassung seines Sohnes. Der Knabe wurde vier Tage nach der Entführung in Emmenbrücke LU freigelassen.

Der jüngere Haupttäter war im Sommer 2002 aus dem Gefängnis geflüchtet und hatte sich in seine Heimat abgesetzt. 2003 wurde er in Serbien-Montenegro verhaftet. «In Belgrad wurde er im Juli 2004 wegen Geiselnahme zu einer 12-jährigen Freiheitsstrafe verurteilt», sagte der Zürcher Staatsanwalt Ulrich Weder auf Anfrage.

Diese Geiselnahme stehe nicht im Zusammenhang mit der Entführung Kuvets. «Das Urteil ist auch noch nicht rechtskräftig.» Der heute 30-Jährige befindet sich gemäss Weder in Serbien in Haft. «Der Mann ist aber nach wie vor international ausgeschrieben», sagte der Staatsanwalt.

Überstellung geprüft

In der Schweiz werde derzeit eine allfällige Überstellung geprüft, damit der Mann seine in der Schweiz verhängte Strafe auch antreten könnte. Ein Zusatzprotokoll des Europarates ermöglicht die Überstellung von verurteilten Personen. «Serbien hat dieses Protokoll ratifiziert», sagte Weder.

Bundesgerichtsurteil: 6S.70/2004 vom 28. Januar 2005

(sda)

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