Personaloffensive: KV-Absolventen stehen aussen vor
Aktualisiert

PersonaloffensiveKV-Absolventen stehen aussen vor

Die Grossbanken UBS und CS nutzten die Krise fürs grosse Reinemachen. Nun gibt es neue Stellen, allerdings fast ausschliesslich für Fachspezialisten.

von
Othmar Bamert
Terrain für Spezialisten: Zürcher Paradeplatz.

Terrain für Spezialisten: Zürcher Paradeplatz.

Mit der Schweizer Finanzbranche geht es wieder deutlich aufwärts. Die Schweizer Banken locken nach der Krise wieder mit Jobs; laut dem Finanzportal Finews sind derzeit rund 1800 Stellen ausgeschrieben, mehr als zweieinhalb mal soviel wie vor Jahresfrist.

Gewaltig war allerdings auch Stellen-Kahlschlag während der Finanzkrise. In den letzten zwei Jahren gingen die Grossbanken UBS und CS grosszügig mit dem Rotstift um. Die UBS strich ihren Personalbestand um tausende Stellen zusammen. Beschäftigte die grösste Schweizer Bank im März 2008 – kurz vor Ausbruch der Krise - fast 28 000 Mitarbeiter, arbeiteten zwei Jahre und zwei Abbauwellen später noch knapp 23 400 Leute bei der Grossbank. Vom Stellenabbau betroffen war vor allem «administrative und projektbezogene Positionen», sagt UBS-Sprecher Andreas Kern. Über die Klinge springen mussten also vor allem KVler und andere Angestellte auf Sachbearbeiterstufe.

«Wir suchen ausgewählte Spezialisten»

Nun sucht die UBS wieder frisches Personal. Dass die in der Krise Entlassenen wieder eingestellt werden, ist allerdings wenig wahrscheinlich. Die Bank stellt zwar auch wieder Kräfte in «unterstützenden Positionen» an, der Grossteil der neugeschaffenen Stellen ist für Spezialisten bestimmt, «im Bereich Kundenberatung, im Accounting und Controlling sowie im Risikomanagement», so Kern.

Auch Hauptkonkurrentin Credit Suisse sucht Fachkräfte (in der Schweiz rund 350, weltweit rund 800 Personen). Rekrutiert werden laut Unternehmenssprecherin Sally Rubery aber auch hier vor allem erfahrene Leute für verschiedene Geschäftsbereiche, also zum Beispiel im Risikomanagement, im Anlagegeschäft, in Research-Funktionen oder in der IT. Die Wunschkandidaten haben eines gemeinsam: «Weltweit suchen wir ausgewählte Spezialisten in allen Geschäftsdivisionen und Stabsfunktionen», so Rubery. Noch vor anderthalb Jahren gab die CS einen weltweiten Abbau von über 5000 Stellen bekannt.

Ohne Expertenwissen keine Chance

Wer nicht über die nötige Ausbildung verfügt, schaut bei den Banken in die Röhre. Das zeigt auch die Nachfrage bei den Jobvermittlern. José M. San José, Mediensprecher von Branchenleader Adecco Switzerland: «Von der Assistentin im Private Banking über Finanzberater bis hin zu hochspezialisierten Finanz- und Anlageexperten werden wieder vermehrt Fachspezialisten und Branchenexperten gesucht.» Auf den Online-Stellenportalen zeigt sich ein ähnliches Bild. Das grösste Schweizer Stellenportal Jobs.ch vermeldet eine stark gestiegene Nachfrage nach Spezialisten in der Anlageberatung und im Private-Banking. Bei Jobscout24.ch hat sich die Zahl neuer Stelleninserate im Banking-Kerngeschäft im letzten halben Jahr mehr als verdoppelt.

Führungsebene: Weniger Krisen-, dafür Risikomanager gefragt

Auch auf Führungsebene änderte sich das Anforderungsprofil. Clemens Hoegl des auf Executive Seach spezialisierten Vermittlers Egon Zehnder beobachtet: «Nachdem in der Krise vor allem Change Manager und Krisenmanager gesucht waren, sind nun wieder klassische Bankmanager gefragt.» Ebenfalls auf der Jagdliste der Headhunter: Führungskräfte für das Risikomanagement. Denn die nächste Krise lauert möglicherweise schon nach der nächsten Kurve.

Deine Meinung