Aktualisiert 11.07.2018 14:20

Neues ModellKV-Lehrlinge sollen im ersten Jahr nur zur Schule

Das erste Lehrjahr nur Schule, das zweite und dritte vorwiegend im Betrieb: Bei der KV-Lehre soll so der Übergang ins Berufsleben sanfter werden.

von
som/tam
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Am Versuch beteiligen sich die KV Zürich Business School sowie die beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS.

Am Versuch beteiligen sich die KV Zürich Business School sowie die beiden Grossbanken Credit Suisse und UBS.

Wikipedia / Dietrich Michael Weidmann
Zürcher KV-Lehrlinge können beim Pilotprojekt teilnehmen und zuerst mehr in die Schule, um dann mehr im Betrieb zu sein.

Zürcher KV-Lehrlinge können beim Pilotprojekt teilnehmen und zuerst mehr in die Schule, um dann mehr im Betrieb zu sein.

Keystone/Gaetan Bally

Zwei Tage Berufsschule, die restlichen Tage im Betrieb: So sieht drei Jahre lang der Alltag bei den meisten KV-Lehrlingen aus, die gleichzeitig die Berufsmatura absolvieren. Zum Start des Schuljahres 2019/20 will die KV Zürich Business School mit den Grossbanken Credit Suisse und UBS ein neues Modell testen.

Das erste Lehrjahr werden die Lernenden voll und ganz an der Berufsschule verbringen, das zweite und dritte überwiegend im Betrieb. Laut der Mitteilung wird dieses Modell für die KV-Lehre mit Berufsmaturität in der Schweiz erstmals erprobt.

Erste Lehrabschluss-Prüfungen nach einem Jahr

Die Lernenden können damit bereits nach einem Jahr die ersten Lehrabschlussprüfungen ablegen, unter anderem im Fach «Informatik, Kommunikation, Administration» sowie in den Fremdsprachen. Im zweiten und dritten Lehrjahr reduziert sich der Unterricht an der Berufsfachschule auf einen Tag pro Woche. An den weiteren Tagen stehe dann die betriebliche Ausbildung im Zentrum.

Entspannter Einstieg ins Berufsleben

«Mit dem neuen Modell wollen wir die KV-Lehre mit Berufsmatura attraktiver machen und den Jugendlichen einen enspannteren Einstieg ins Berufsleben ermöglichen», sagt Christian Wölfle, künftiger Rektor der KV Zürich Business School, auf Anfrage. So hätten die Lernenden weniger Schullektionen pro Tag. «Momentan sind es acht bis zehn Schulstunden – damit ist der Tag sehr vollgepackt.»

Mit dem neuen Modell hätten die Lernenden während der drei Jahre gleich viele Lektionen und die gleichen betrieblichen Ziele wie bisher – auch wenn sie insgesamt ein bisschen Zeit weniger im Betrieb verbringen. Doch in vielen Unternehmen fehlen laut Wölfle wegen der Automatisierung sowieso passende Aufgaben für Lehrlinge im ersten Lehrjahr: «Durch das erste Schuljahr wird das abgefangen.»

Sprachaufenthalte statt Ferien

Wie auch beim bisherigen Modell erhalten die Lehrlinge während drei Jahren einen Lohn. Sie haben aber drei Wochen mehr Ferien als reguläre KV-Lernende. In der restlichen unterrichtsfreien Zeit müssen sie spezielle Aufgaben lösen, wie Wölfle sagt. Zudem seien ein Sportcamp und Sprachaufenthalte geplant.

Vorerst ist eine Klasse mit Lernenden der Credit Suisse und der UBS vorgesehen – das Pilotprojekt wird auch vom Zürcher Bankenverband finanziell unterstützt. «Wir sind daran, die Banklehre noch attraktiver zu machen», sagt Credit-Suisse-Sprecher Andreas Kern.

Das Angebot ermögliche, dass sich die Lernenden ab dem zweiten Lehrjahr voll auf die Praxisausbildung in der Bank fokussieren könnten. «Das ist sowohl für die Lernenden als auch das Team ein grosser Vorteil.» Bei der UBS heisst es, man wolle einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Berufsmaturität im KV-Bereich leisten.

«Grundsätzlich ein falscher Weg»

Von einer Steigerung der Attraktivität spricht man beim Verband Berufsbildung Schweiz nicht. «Ich bin mit diesem Modell noch nicht so vertraut, aber ich halte es grundsätzlich für einen falschen Weg», sagt Präsident Christoph Thomann. Jugendliche wählten eine Lehre, weil sie praktisch etwas tun und nicht nochmals nur in die Schule gehen wollen.

Wer lieber in die Schule gehen will, wähle direkt das Gymnasium. «Die Stärke der Berufsbildung liegt in der praktischen Tätigkeit und das Bedürfnis, mehr zu wissen kommt dann bei vielen in den höheren Lehrjahren», so Thomann. Darum sollte die Berufsmaturität eher später angesiedelt werden, wie etwa beim flexibleren Modell, das derzeit getestet wird.

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