Notorischer Spekulant: Kweku Adoboli war auch privat ein Zocker
Aktualisiert

Notorischer SpekulantKweku Adoboli war auch privat ein Zocker

Der Händler, der der UBS zwei Milliarden Franken Verlust beschert hat, ist laut Anklage auch privat ein Hasardeur: Ein Jahr vor dem Crash wurde er wegen illegaler Wetten intern ermahnt.

von
Lukas Hässig
War UBS-Crash-Trader Adoboli pleite?

War UBS-Crash-Trader Adoboli pleite?

Am Montagabend sass Ex-UBS-CEO Oswald Grübel bei Roger Schawinski am Schweizer Fernsehen Red und Antwort. Zum Fall von Kweku Adoboli, wegen dem Grübel vor knapp einem Jahr seinen Hut nehmen musste, meinte Grübel, er habe sich über die Leute im Controlling geärgert: «Die Leute, die in der gleichen Gruppe waren, hätten das besser untersuchen sollen. Sie hätten feststellen sollen, dass da falsche Positionen waren.»

Darauf deuten auch die Ausführungen der Anklagebehörde im laufenden Prozess in London hin. Der Investment-Banker, welcher der UBS 2 Milliarden Franken Verlust beschert hat, ist bereits ein Jahr vor dem Crash von internen Kontrollleuten ermahnt worden. Er hatte unerlaubte Wetten auf Preisdifferenzen von Finanzprodukten getätigt.

Konti im Minus

Auf einem entsprechenden Konto summierten sich 2011 in den Monaten vor seiner Verhaftung die Verluste auf 123 000 Pfund oder gegen 200 000 Franken. Die Ermahnung scheint im Rückblick die zu harmlose Sanktionsform gewesen zu sein: Adoboli liess sich jedenfalls nicht von seinen Wetten abhalten. Manchmal erzielte er dabei auch Gewinne.

Als sein Konstrukt im September 2011 zusammenbrach, waren seine Kassen aber leer – dies trotz eines Lohns inklusive Bonus von 360 000 Pfund im Jahr 2010 (mehr als 500 000 Franken). Sein Privatkonto verzeichnete Plus- und Minusbewegungen von über 200 000 Pfund in den 12 Monaten vor dem September-Crash. Zuletzt lag der Saldo bei 3594 Pfund im Minus, wie die «Financial Times» ausführt. Zwei weitere Konti waren überzogen, ein viertes wies ein Plus von lediglich 3.28 Pfund aus. Eine seiner zwei Kreditkarten war ebenfalls überzogen.

Im freien Fall

So entsteht das Bild eines Traders, der sich verspekuliert hat und immer tiefer gesunken ist. Laut Anklage zahlte Adoboli Zinsen an Kleinkreditfirmen. Der Umstand, dass er dort sehr hohe Zinssätze bezahlen musste, weist darauf hin, dass ihm sonst niemand mehr Geld geben wollte.

Noch ist nicht klar, wie sich Kweku Adoboli verteidigen wird. Seine Anwälte plädieren auf nicht schuldig. Angeklagt ist er wegen mehrfachen Betrugs und Fälschung. Nimmt man Grübels Aussage zum Nennwert, wonach weitere UBS-Leute ihren Job nicht gemacht haben, liegt die Vermutung nahe, dass Adoboli dem System die Schuld geben wird.

Gute, aber nicht zu gute Gewinne

Der heute 32-jährige Ghanaer könnte behaupten, dass Wetten und Spekulieren zum täglichen Geschäft einer Investmentbank wie der UBS gehörten – dass er lediglich seine Arbeit gemacht habe.

In einer SMS-Botschaft an einen Bekannten schrieb Adoboli im Juni 2011: «Man erwartet von uns gute Gewinne, aber nicht zu gute. 5 Millionen Dollar an einem Tag gleicht einem grossen Tag.»

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