Nach Tötungsdelikt an der Speicherstrasse: Polizisten stehen in St. Gallen vor Gericht
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Tötungsdelikt an der SpeicherstrasseL. D. starb im Kugelhagel – Polizisten stehen vor Gericht

Im vergangenen September sahen sich zwei Polizisten gezwungen, von ihrer Dienstwaffe Gebrauch zu machen. Nun müssen sich die Beamten vor Gericht verantworten.

von
Leo Butie
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Am 2. September 2020 kam es an der Speicherstrasse in St. Gallen zu einem Tötungsdelikt. 

Am 2. September 2020 kam es an der Speicherstrasse in St. Gallen zu einem Tötungsdelikt.

BRK News
Zwei Polizisten wurden zum Tatort, einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, beordert. Die beiden Beamten fanden die schwerverletzte T.S.*, die in einer Blutlache lag. Auf ihr kniend befand sich der 22-jährige L.D.*

Zwei Polizisten wurden zum Tatort, einer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, beordert. Die beiden Beamten fanden die schwerverletzte T.S.*, die in einer Blutlache lag. Auf ihr kniend befand sich der 22-jährige L.D.*

20Min/Leo Butie
L.D.* war zuvor aus einer psychiatrischen Klinik entlassen worden. Da der Mann trotz mehrfacher Aufforderung nicht aufhörte, auf S. einzuschlagen, eröffneten die Polizisten das Feuer. 

L.D.* war zuvor aus einer psychiatrischen Klinik entlassen worden. Da der Mann trotz mehrfacher Aufforderung nicht aufhörte, auf S. einzuschlagen, eröffneten die Polizisten das Feuer.

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Darum gehts

  • Im September 2020 ereignete sich in St. Gallen ein Tötungsdelikt.

  • Zwei Polizisten eröffneten auf L.D. das Feuer.

  • D. hatte zuvor wiederholt auf eine Frau eingeschlagen.

  • Die Beamten müssen sich wegen der Schussabgabe vor Gericht verantworten.

Vor mehr als einem Jahr, am 2. September 2020, wurden zwei St. Galler Polizisten zur Speicherstrasse beordert, da sich dort eine Auseinandersetzung zwischen einem Mann und einer Frau zutrage. In den nächsten zwei Minuten ereignete sich Folgendes: In einem Mehrfamilienhaus fanden die beiden Beamten die schwerverletzte T. S.*, die in einer Blutlache lag. Auf ihr kniend befand sich der 22-jährige L. D.*, der zuvor in die Wohnung eingedrungen war und die Italienerin, die als Au-Pair arbeitete, attackierte. Der Mann hatte am selben Morgen eine psychiatrische Klinik in Wil SG verlassen.

Während einer der Polizisten einen Funkspruch absetzte, betrat der zweite die Wohnung und forderte D. mit gezogener Waffe auf, von S. abzulassen. D. hatte mehrmals den Kopf von S. hochgehoben und auf den Boden geschlagen. Der 22-Jährige stand auf und ging schnell weiter in die Küche hinein und somit aus dem Blickfeld des Polizisten. Dieser hörte, wie eine Schublade geöffnet wurde, und ging deshalb davon aus, dass D. ein Messer hervorholen wollte.

14 Schüsse abgefeuert

Aufgrund dessen zog sich der Beamte zurück zum Wohnungseingang, wo sich nun beide mit gezogener Waffe positionierten. Immer wieder forderten sie D. laut auf, von der Frau abzulassen. Dieser schlug aber weiter auf die Frau ein, jetzt mit einem massiven Kochtopf. Einer der Polizisten ging davon aus, dass D. mit einem Messer auf S. einstach. Beide Männer eröffneten anschliessend das Feuer. Danach sackte D. tot auf der Frau zusammen.

Insgesamt wurden aus jeder Pistole sieben Kugeln abgefeuert. Zehn davon trafen D., eine davon war für ihn sofort tödlich. Auch S. erlag wenig später ihren schweren Kopfverletzungen.

Freispruch oder bedingte Freiheitsstrafe

Nun müssen sich die Polizisten vor dem Kreisgericht St. Gallen verantworten. Wegen der abgefeuerten Schüsse werden beide Polizisten der versuchten Tötung sowie der mehrfachen schweren Körperverletzung angeklagt. Nach jeder Schussabgabe eines Polizisten wird in der Schweiz ein Strafverfahren eröffnet.

Im Falle einer Verurteilung wird eine bedingte Freiheitsstrafe von 13 Monaten beantragt, mit einer Probezeit von zwei Jahren. Aufgrund des Rechtfertigungsgrundes der Notwehrhilfe wird von der Staatsanwaltschaft alternativ ein Freispruch für beide Polizisten verlangt. Es gilt die Unschuldsvermutung.

*Namen der Redaktion bekannt.

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