Comparis: Label gegen Telefonterror bei Krankenkassen
Aktualisiert

ComparisLabel gegen Telefonterror bei Krankenkassen

Werbeanrufe für Krankenkassen sind lästig. Die Branche will das Problem per Selbstverpflichtung in den Griff bekommen.

von
Fabian Lindegger
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Bei der Telefonwerbung für Krankenkassen mischen oft dubiose Firmen mit.

Bei der Telefonwerbung für Krankenkassen mischen oft dubiose Firmen mit.

Keystone/Gaetan Bally
Der Vergleichsdienst Comparis will nun mit Labels gegen die nervigen Telefonanrufe vorgehen.

Der Vergleichsdienst Comparis will nun mit Labels gegen die nervigen Telefonanrufe vorgehen.

Keystone/Gaetan Bally
Die Krankenkassenverbände Santésuisse und Curafutura setzen auf Selbstregulierung.

Die Krankenkassenverbände Santésuisse und Curafutura setzen auf Selbstregulierung.

Keystone/Gaetan Bally

Spätestens wenn diesen Herbst der Prämienanstieg bekannt ist, werden sie wieder nerven: Die Anrufer von dubiosen Callcentern, die Beratungstermine für Krankenkassenwechsel und Zusatzversicherungen aufschwatzen wollen. Das Problem ist seit Jahren bekannt – und die bisherigen Versuche, die Situation zu verbessern, waren wenig erfolgreich.

Der Vergleichsdienst Comparis nimmt nun mit den Labels «Saubere Kundenwerbung» und «Keine Telefonwerbung» einen neuen Anlauf. Dabei verpflichten sich die Krankenkassen bei der Werbung per Telefon oder E-Mail einen Verhaltenskodex einzuhalten und von dubiosen Dritten keine Daten zu kaufen. Damit eine Krankenkasse das Label «Saubere Kundenwerbung» erhält, muss sie etwa die Sterneinträge für das Werbeanruf-Verbot beachten und Anrufer müssen zu Beginn des Telefonats den Auftraggeber und Zweck des Anrufs klar darlegen.

Vor allem kleine Krankenkassen sind dabei

Krankenkassen, die das Label «Keine Telefonwerbung» tragen, verzichten gänzlich auf diese Art von Kundengewinnung. Verstösse gegen die Verpflichtungen können bei Comparis gemeldet werden. Werden zehn Beschwerden gegen eine Krankenkasse gutgeheissen, verliert diese laut Comparis das Label.

Bisher haben neun, vor allem kleinere Krankenkassen, einen Label-Vertrag mit Comparis unterzeichnet. Dieser sei sämtlichen Krankenkassen angeboten worden und gratis, wie der Krankenkassen-Experte von Comparis, Felix Schneuwly, 20 Minuten erklärt. «Für kleinere Kassen ist es einfacher zu garantieren, dass ein neuer Vertragsabschluss ohne unsaubere Werbung zustande gekommen ist. Die grossen Kassen sind sich ihrer Sache offensichtlich nicht so sicher», sagt Schneuwly zu 20 Minuten.

Branche versucht es mit Selbstregulierung

Bereits Ende Juli hatte der Branchenverband Santésuisse für das kommende Jahr eine ähnliche Selbstverpflichtung bekannt gegeben. Die Vereinbarung von Santésuisse ist ähnlich wie jene von Comparis. Allerdings richtet sich diese nur an Telefonwerbung für Grundversicherungen, im Gegensatz zu den Labels von Comparis, die auch für die Werbung für Zusatzversicherungen gelten.

Der zweite grosse Branchenverband Curafutura, zu dem die Krankenkassen CSS, Helsana, KPT und Sanitas gehören, unterstützt das Label von Comparis nicht aktiv: «Dieses geht uns zu wenig weit. Die Regeln gegen missbräuchliches Telemarketing müssen entweder wirksam sein oder man verzichtet auf sie», sagt Pius Zängerle, Direktor von Curafutura, zu 20 Minuten. Man sei deshalb daran, weitergehende Qualitätsstandards zu entwickeln. Allerdings ist noch offen, wann diese in Kraft treten sollen.

Konsumentenschutz bleibt skeptisch

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, bleibt jedoch skeptisch, dass sich mit den Labels von Comparis und durch die Selbstregulierung der Branche die Situation verbessern wird: «Bis jetzt hat sich trotz aller Beteuerungen der Versicherer gar nichts geändert. Die Politik muss daher genau hinschauen, ob sich wirklich etwas bessert und die Branche ihre schwarzen Schafe disziplinieren kann.» Sei dies nicht der Fall, müsse man das Problem per Gesetz angehen.

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