«Spanien-Fall»: Label soll Käfighaltung von Kindern verhindern
Aktualisiert

«Spanien-Fall»Label soll Käfighaltung von Kindern verhindern

Gut zwei Jahre nach dem Debakel um fremdplatzierte Jugendliche in einem verwahrlosten Heim in Spanien liegt nun ein Qualitätslabel für Familienplatzierungs-Organisationen vor. Im Heim wurden rebellische Jugendliche zur Strafe in einen Käfig gesperrt.

Nie mehr dürfe es zu einem «Spanienfall» kommen, gab der Fachverband Sozial- und Sonderpädagogik (Integras) am Mittwoch in Zürich bekannt.

Das Label soll Klarheit schaffen für Behörden, Herkunftsfamilien, Pflegefamilien und Heime, die so genannte Timeout-Plätze für Jugendliche benötigen oder anbieten. Erarbeitet wurden die Label-Kriterien für die Fremdplatzierung vom Verband Integras zusammen mit Fachleuten der Kinder- und Jugendhilfe. Das Label werde die Qualität der Fremdplatzierungs-Organisationen steigern, zeigten sich Integras-Vertreter überzeugt. Es werde Transparenz und Legitimation für jene Organisationen schaffen, die im Sinne des Kindeswohls handelten und die Jugendlichen professionell und fachlich gut betreuten, hiess es. Das Label erleichtere es den Fremdplatzierungs-Organisationen, die gut arbeiteten, anerkannt zu werden.

Eingeführt wird das Label nur in der deutschsprachigen Schweiz. Da in der Westschweiz die Kantone alle Platzierungen selber durchführten und nicht wie in der Deutschschweiz an private Firmen delegieren würden, bestehe in der Westschweiz kein Bedürfnis nach einem Qualitätslabel, hiess es bei Integras. In der Deutschschweiz delegiere der Staat die Vermittlung von Kindern und Jugendlichen aus schwierigen familiären Verhältnissen oder anderen Krisensituationen oft an private Firmen. Diese erfüllten somit einen öffentlichen Auftrag. Das Ziel müsse sein, dass die eingesetzten Mittel zum Kindswohl eingesetzt würden. Dies jedoch habe bisher niemand einheitlich geprüft. Dank dem Label solle sich dies nun ändern.

Der so genannte «Spanienfall» war im Frühling 2006 aufgeflogen, nachdem Schweizer Jugendliche aus einem illegalen spanischen Heim geflüchtet waren, wo sie laut eigenen Angaben misshandelt worden waren. Laut der spanischen Polizei wurden die Jugendlichen im Heim teils in Käfigen gehalten und lebten in dreckigen Bungalows. Unter ihnen waren drei Jugendliche aus Zürich, die von der Vermittlungsfirma «Time Out AG» nach Spanien vermittelt worden waren. Finanziert wurde der Aufenthalt vom Sozialdepartement der Stadt Zürich. Wie sich herausstellte, bezog der Heimleiter, ein Schweizer, zudem Sozialhilfe in Zürich.

(sda)

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