Aktualisiert 25.09.2014 09:00

Angst vor Besetzern

Labitzke-Areal wird für viel Geld überwacht

Das Zürcher Labitzke-Areal hat die Polizei zwar im August geräumt, trotzdem muss es die Eigentümerin rund um die Uhr bewachen. Es kam bereits zu Scharmützeln mit den Aktivisten.

von
som

Sicherheitsleute stehen auf dem Labitzke-Areal in Zürich-Altstetten. Sie sind rund um die Uhr im Einsatz. Denn es gilt zu verhindern, dass die Aktivisten das Gelände erneut besetzen. Anfang August haben diese die ehemalige Farbfabrik nach einem nervenaufreibenden Katz-und-Maus-Spiel mit der Polizei verlassen. Zuvor blockierten sie die Strasse und verschanzten sich im Gelände.

Im Vergleich dazu muten die Attacken fast als Bagatellen an, die die ehemaligen Besetzer seit der Räumung auf das Labitzke-Areal verübt haben. Laut der NZZ haben die Eigentümerin des Geländes, die Immobilienfirma Mobimo AG, und das Bauunternehmen Implenia nach Scharmützeln mit den Aktivisten zweimal Strafanzeige eingereicht. Es handelt sich um Vandalismus, unter anderem wurden Bauwände angezündet.

Überwachung und Räumung kosten 275'000 Franken

Für die 24-Stunden-Überwachung und die Entsorgungsarbeiten nach der Räumung muss die Mobimo aber viel Geld ausgeben. Derzeit rechne man mit einem Mehraufwand von insgesamt rund 275'000 Franken, sagt die Sprecherin Christine Hug. Darin eingerechnet sind auch die rund 150'000 Franken, welche die Firma für die Abfallentsorgung aufwenden musste.

Die Aktivisten hinterliessen nämlich auf dem 10'000 Quadratmeter grossen Areal Barrikaden, volle Abfallcontainer und anderen Schrott. Trotzdem verzichtet Mobimo auf eine Strafanzeige. «Wir müssten den namentlich bekannten Besetzern nachweisen, dass sie persönlich für den Abfallberg verantwortlich sind», sagt Hug. Das sei praktisch unmöglich.

Müssen Besetzer für Polizeieinsatz aufkommen?

Noch unklar ist, ob die Kosten für den Polizeieinsatz den namentlich bekannten Besetzern verrechnet werden können, was insbesondere die SVP fordert. Reto Casanova, Sprecher des Polizeidepartements, sagte zur NZZ, das Thema sei derzeit bei der Stadtpolizei in Diskussion. Ein definitiver Entscheid sei aber noch nicht gefallen.

Derweil ist Mobimo mit den Abbrucharbeiten des Areals beschäftigt. Laut Hug liege man im Zeitplan und sei nun an der Schadstoffsanierung. Im Oktober will man mit dem Rückbau der verbliebenen Gebäudeteilen beginnen. Mit der Erteilung der Baubewilligung rechnet das Unternehmen im Herbst. Auf dem Areal entstehen 280 Wohnungen.

Farbanschlag auf das Rathaus

Nach der Räumung des Labitzke-Areals kam es auch zu einem Farbanschlag auf das Zürcher Rathaus. Es handelte sich dabei wohl um eine solidarische Aktion für die Besetzer. Dabei entstand laut der «NZZ» ein Sachschaden von mehreren zehntausend Franken. Die zwei Schweizer im Alter von 22 und 26 Jahren, die nach der Attacke festgenommen worden waren, sind mittlerweile wieder aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Sie haben bisher jedoch jede Aussage verweigert. Das Strafverfahren gegen die beiden Verdächtigen läuft laut dem zuständigen Staatsanwalt aber weiter.

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