Lachbeiz
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Die gute Laune endet auf dem Teller: Im Stadtzürcher Restaurant Cult sind die Ansprüche noch zu hoch.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Zürcher Kreis fünf ein Restaurant mit dazu passendem Namen erhalten würde. Nun ist es da: Es nennt sich Cult, ist seit Anfang April offen und wird nicht etwa von Jung-Gastgewerblern geführt, sondern vom gestandenen Gastro-Ehepaar Jeannette und William Baracchi. «Wir haben den schönsten Garten im Quartier», lässt William Baracchi selbstbewusst verlauten. Eine Spass-Zone soll es werden – was im Quartier wohl für einige rote Köpfe sorgen wird. Davon wollen sich der 58-jährige Deutsche und seine Schweizer Ehefrau jedoch nicht beeindrucken lassen.

Spassig geht es auch im Innern zu und her. In einem gemütlichen Interieur, das mit Art-déco-Lampen, Kronleuchtern und Kerzenständern einen Hauch von Jahrhundertwende-Romantik vermittelt, fühlt sich der Gast gut aufgehoben. Angeboten wird eine regelmässig wechselnde Karte mit Gerichten aus aller Welt, oder in Baracchis Worten: «Internationale Geschmacksmuster, auf den Schweizer Gaumen abgestimmt».

Ein Vergnügen, das freilich einen gemischten Eindruck hinterlässt: Während die Vorspeise – ein Zander-Filet auf Blattsalat mit einem wunderbaren Dressing – hervorragend schmeckt und den Appetit anregt, bleibt einem das Lachen bei der Hauptspeise im Hals stecken. Die Rindsfilet-Medaillons «misteln», werden lauwarm aufgetischt und könnten durchaus etwas zarter sein. Der dazu gereichte, lieblos angerichtete Kartoffelgratin mundet zwar, die daneben auf den Teller geschmissenen Kefen dürften hingegen auch Nouvelle-Cuisine-Fans zu roh sein. Die so zu Grunde gerichtete Stimmung wird zum Glück vom Dessert gerettet: ein erstklassiges Duo aus Schoko-Kokos- und Haselnuss-Likör-Mousse. Dennoch: Ein bisschen weniger Spass würde dem Cult zweifellos gut tun.

CHEFS

Neue Herausforderung

Zehn Jahre lang arbeiteten die gebürtige Schweizerin Jeannette Baracchi und ihr deutscher Ehemann William für eine Gastro-Kette in Deutschland, bevor sie in die Schweiz kamen und sich hier eigentlich zur Ruhe setzen wollten. Daraus wurde nichts: Als der Betrieb des früheren Restaurants La Bordelaise an der Quellenstrasse eingestellt wurde, schlugen die beiden zu, verpassten dem Lokal ein neues Antlitz und tauften es — ganz dem Quartier entsprechend — kurzerhand in Cult um.

Jan Graber

Restaurant Cult, Quellenstrasse 49, 8005 Zürich, 044 272 93 00. Mo–Fr 11–0.30 Uhr, Sa 17–0.30 Uhr, So geschlossen.

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