Aktualisiert 12.06.2019 13:12

Auto-Ratgeber

Lack ab am Ferrari – wer zahlt?

Walter hat sich einen Ferrari geleistet und dessen Carrosserie mit einem Keramiklack versiegeln lassen. Nun ist ihm aufgefallen, dass der Originallack unter der Versiegelung Mängel aufweist.

von
Olivia Solari, AGVS
In den Garantiebestimmungen der Fahrzeughersteller wird regelmässig festgehalten, dass unbewilligte Manipulationen am Fahrzeug (zum Beispiel Tuning, allenfalls aber auch Massnahmen im Hinblick auf die Lackierung) zum Wegfall der Werksgarantie führen können.

In den Garantiebestimmungen der Fahrzeughersteller wird regelmässig festgehalten, dass unbewilligte Manipulationen am Fahrzeug (zum Beispiel Tuning, allenfalls aber auch Massnahmen im Hinblick auf die Lackierung) zum Wegfall der Werksgarantie führen können.

Ferrari

Frage von Walter ans AGVS-Expertenteam:

Ich weiss, dass ich ein sicher nicht alltägliches Problem habe – trotzdem meine Frage: Vor einigen Wochen habe ich an meinem Ferrari eine Keramik-Lackversiegelung anbringen lassen, um die Haltbarkeit zu erhöhen und weil es gut aussieht. Ein Freund, der in der Carrosseriebranche tätig ist, hat mich wenig später darauf hingewiesen, dass mit dem Lack des Wagens etwas nicht stimme: Und tatsächlich: Unter der Versiegelung ist der Lack sehr weich. So weich, dass ein Fingernagel genügt, um Spuren zu hinterlassen. Der Carrossier meinte, das Problem sei nicht die Versiegelung – der Lack müsse schon vorher mangelhaft gewesen sein. Der Hersteller hingegen stellt sich auf den Standpunkt, die Herstellergarantie sei mit der Keramik-Lackversiegelung erloschen. Muss ich das auf mir sitzen lassen?

Antwort:

Lieber Walter

Vielen Dank für die spannende, wenn auch nicht alltägliche Frage. Ich fürchte, dass sich dieses Problem nicht so ohne weiteres lösen lässt. Entscheidend ist die Frage, wie es um die Garantie- respektive Gewährleistungsregelung im Hinblick auf dein Fahrzeug und insbesondere um dessen Lackierung steht.

Bei Neuwagen wird die gesetzliche Gewährleistung regelmässig ausgeschlossen und durch eine vertragliche Garantie (in der Regel eine Werksgarantie) ersetzt. Der Unterschied: Die Gewährleistung bedeutet, dass der Verkäufer während zwei Jahren für ein mangelfreies Produkt einzustehen hat (Obligationenrecht Art. 197 bis 210). Diese Gewährleistung muss aktiv wegbedungen werden, sonst besteht der Anspruch. Davon zu unterscheiden ist die vertragliche Garantie, von welcher der Käufer unabhängig von der Gewährleistung profitieren kann (immer zu den Bedingungen des Verkäufers).

In den Garantiebestimmungen der Fahrzeughersteller wird regelmässig festgehalten, dass unbewilligte Manipulationen am Fahrzeug (zum Beispiel Tuning, allenfalls aber auch Massnahmen im Hinblick auf die Lackierung) zum Wegfall der Werksgarantie führen können.

Du solltest also im vorliegenden Fall die Garantiebestimmungen (insbesondere allfällige Regelungen betreffend die Lackierung) genaustens prüfen. Selbst wenn eine Garantiepflicht besteht, stellt sich die Frage, auf wen der Mangel zurückzuführen ist: War der Lack bereits vor der Versiegelung mangelhaft oder ist die Versiegelung kausal hierfür? In der Praxis ist das eine unangenehme Beweisproblematik.

Mein Vorschlag:

1. Studiere die Garantiebedingungen. Kläre ab, ob kein Ausschluss der Herstellergarantie vorgesehen ist und allfällige Rügefristen eingehalten wurden.

2. Lass ein Gutachten erstellen, das feststellt, ob die Lackierung von Beginn weg mangelhaft war oder die Versiegelung der Grund für die Mängel ist. Dein Garagist ist dir bei der Suche nach einem anerkannten, unabhängigen Gutachter sicher gerne behilflich.

3. Wenn das Gutachten von der ursprünglichen Mangelhaftigkeit der Lackierung ausgeht, geh auf den Hersteller zu, ansonsten auf den Versiegler.

Wenn keiner der Beteiligten für den Schaden verantwortlich sein will, kommst du ohne Gutachten nicht weiter.

Gute Fahrt!

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