Kriminalität: Ladendiebstahl-Banden gehen organisierter vor

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KriminalitätLadendiebstahl-Banden gehen organisierter vor

Weniger Gelegenheitsdiebstähle, immer mehr Professionalität: Banden gehen mit gezielter Aufgabenteilung vor.

von
Stefan Ehrbar
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Ladendiebstähle werden gemäss dem deutschen Forschungsinstitut EHI immer häufiger durch Banden begangen. Die stehlen teurere Ware – und werden seltener erwischt.

Ladendiebstähle werden gemäss dem deutschen Forschungsinstitut EHI immer häufiger durch Banden begangen. Die stehlen teurere Ware – und werden seltener erwischt.

Keystone
Den Trend bestätigt etwa auch die Berner Warenhausgruppe Loeb. Die Gesamtzahl der registrierten Ladendiebstähle ist hingegen gesamtschweizerisch rückläufig.

Den Trend bestätigt etwa auch die Berner Warenhausgruppe Loeb. Die Gesamtzahl der registrierten Ladendiebstähle ist hingegen gesamtschweizerisch rückläufig.

Keystone/Christian Beutler
Nur wenige Ladendiebe werden der Justiz zugeführt. Geringfügige Diebstähle bis 300 Franken enden in der Regel ohne grössere Konsequenzen.

Nur wenige Ladendiebe werden der Justiz zugeführt. Geringfügige Diebstähle bis 300 Franken enden in der Regel ohne grössere Konsequenzen.

Keystone/Christian Beutler

Mit 12'261 polizeilich registrierten Ladendiebstählen wurden letztes Jahr so wenige Langfinger angezeigt und ermittelt wie kaum je zuvor. Gleichzeitig nimmt der professionelle Diebstahl durch Banden zu. Sie gehen geschickter vor, lassen sich seltener erwischen und stehlen wertvollere Dinge.

Das deutsche Institut EHI hat in seiner aktuellen Studie zu «Inventurdifferenzen» die Situation in den deutschsprachigen Ländern analysiert. Obwohl nur zwei Händler aus der Schweiz mitmachten, seien die Befunde im Wesentlichen auch hierzulande gültig, sagt Studienautor Frank Horst zu 20 Minuten.

«Dramatische Zunahme»

Während die Zahl der einfachen Ladendiebstähle zurückgehe, hätten schwere Ladendiebstähle in den letzten Jahren «dramatisch zugenommen». Die Erfahrungen der Händler zeigten, dass Diebstähle immer häufiger in organisierter Form durchgeführt würden.

«Die Täter gehen oft in Gruppen mit gezielter Aufgabenverteilung vor. Das zu dokumentieren und Täter zu überführen, ist äusserst schwierig», heisst es im Bericht. In Deutschland falle wertmässig ein Viertel aller Ladendiebstähle auf Bandendiebstähle.

Läden ohne Überwachung

Diese Beobachtung macht auch Bruno Strebel, Geschäftsführer der Schweizer Akademie für Privatdetektive. Insbesondere Gruppen aus Rumänien und Bulgarien seien vermehrt unterwegs. Sie lenkten in Läden mit wenig Personal die Verkäufer ab und entwendeten etwa Parfum und Schmuck. Auch Glasvitrinen würden immer häufiger aufgebrochen. Kleider würden geklaut, indem bis zu zehn Stück in die Umkleidekabinen mitgenommen würden.

Strebel gibt den Geschäften eine Mitschuld. «Selbst an der Zürcher Bahnhofstrasse gibt es Läden, die sich weder Detektiv noch Videoüberwachung leisten», sagt er. Das spreche sich herum. Zwar sei festzustellen, dass Geschäfte etwas häufiger Detektive einsetzten als früher. Es brauche aber mehr Personal, als heute im Einsatz sei.

«Diebstahl nimmt zu»

Die Berner Warenhausgruppe Loeb bestätigt den Trend. «Auf dem Feld der Ladendiebe hält der bandenmässige Diebstahl durch professionelle Täter immer mehr Einzug», sagt Sprecherin Sara Reinke. «Wir denken, dass die Aktivitäten im Bereich des Ladendiebstahls allgemein zunehmen.»

Wie viel geklaut wird und wie hoch die Schadenssumme ist, kann nicht verlässlich festgestellt werden. Einerseits ist die Dunkelziffer hoch. Nur ein verschwindend geringer Teil der Ladendiebstähle wird festgestellt und angezeigt. Zudem fliessen nicht alle Anzeigen in die Statistik ein, da viele Kantone bei geringfügigen Delikten ein abgekürztes Verfahren kennen.

Lebensmittel, Körperpflege, Alkohol

Die Händler halten sich bedeckt. Bei Coop heisst es, die Lage sei «grundsätzlich unverändert». Gute Schulung des Personals, Videoüberwachung und Detektive seien wichtig. Ähnlich tönt es bei Manor. Die Migros äussert sich nicht zum Thema.

Rahel Egli von der Stadtpolizei Winterthur sagt, gesamtschweizerisch könne festgestellt werden, dass auf Alkoholika und Multimediageräte fokussierte Banden unterwegs seien. «Sie arbeiten effizient und schnell.» Ähnliches sei auch in Winterthur zu beobachten.

Marco Cortesi, Sprecher der Stadtpolizei Zürich, sagt, bandenmässiger Diebstahl existiere zwar. Einen eigentlichen Trend gebe es aber nicht. Am häufigsten würden Lebensmittel entwendet, danach folgten Körperpflege-Artikel, Alkohol, Kleider und Elektronik. Jeden Tag werden in Zürich durchschnittlich vier bis fünf Ladendiebstähle registriert.

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