Männer witzeln über EU-Baronin: «Lady Who?»

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Männer witzeln über EU-Baronin«Lady Who?»

Córdoba Blass, uncharismatisch, unkoordiniert: Nach hundert Tagen im Amt hagelt es Kritik an der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton. Die EU-Aussenminister stärkten der Britin bei ihrem informellen Treffen im südspanischen Córdoba bis Samstag aber - vor der Presse - demonstrativ den Rücken. Hinter dem Rücken wird aber gewitzelt und gemobbt, was das Zeug hält.

«Das Rampenlicht interessiert mich nicht», sagte die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton.

«Das Rampenlicht interessiert mich nicht», sagte die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton.

Hinter den Kulissen tobt ein erbitterter Kampf um Einfluss. «Das Rampenlicht interessiert mich nicht», sagte die EU-Aussenbeauftragte Catherine Ashton dem US-Magazin «Time» zu ihrer persönlichen 100-Tage-Bilanz.

Das ist ein bemerkenswerter Satz für jemanden, der die EU in der Welt sichtbarer machen soll. Ashton versteht sich nicht als Sprachrohr der EU, sondern als stille Diplomatin - so still, dass sie als «Lady Who» verspottet wird.

Kurz vor dem 54. Geburtstag der Baronin von Upholland am 20. März macht sich deshalb Unmut breit. Nach dem Erdbeben in Haiti machte Ashton zunächst durch Abwesenheit auf sich aufmerksam, bis sie doch noch in den Karibikstaat reiste. Auch beim Treffen der Verteidigungsminister auf Mallorca Ende Februar glänzte die Hohe Vertreterin für die Aussen- und Sicherheitspolitik durch Nichtteilnahme.

Angesichts des Chors der Kritiker fühlen sich der deutsche Aussenminister Guido Westerwelle und seine Amtskollegen in der Pflicht, Ashton Rückendeckung zu geben. «Ich finde, dass Lady Ashton es sehr gut macht», bekundete Westerwelle. Auch der luxemburgische Chefdiplomat Jean Asselborn sagte: «Ich glaube, dass man ihr eine Chance geben muss.»

Aussenminister «frustriert»

Kein Blatt vor den Mund nahm dagegen Österreichs Aussenminister Michael Spindelegger. In Córdoba hätten die Minister ihrer «Frustration über die Nichteinbeziehung der Mitgliedstaaten» in die Aussenpolitik Luft gemacht, sagte er. «Es ist klar geworden, dass es so nicht weitergeht».

Ashton ist seit Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags Anfang Dezember im Amt. Die Kritik entzündet sich vor allem an ihren Vorschlägen für den Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD), den sie aufbauen und leiten soll.

Die Britin soll die Grundzüge des Dienstes mit mehreren tausend Diplomaten bis Ende April präsentieren. In der EU bestehen aber grosse Zweifel, ob sie den Zeitplan einhalten kann.

Konkurrenzkampf untereinander und mit der Kommission

Vor allem aber ist ein Machtkampf um einflussreiche Posten entbrannt. Jeder Mitgliedstaat versuche, seine Schäfchen im EAD unterzubringen, berichtet ein Teilnehmer.

Brüskiert fühlen sich die Aussenminister über das Vorpreschen von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, als dessen Stellvertreterin Ashton dient. Barroso hatte einen portugiesischen Landsmann auf den Schlüsselposten des EU-Botschafters in Washington berufen.

Der britische Aussenminister David Miliband und der Schwede Carl Bildt warnten Ashton deshalb in einem Brief vor einem Streit zwischen den Institutionen.

«Herrenwitze» im Männerclub

Ein EU-Diplomat mutmasst, dass Ashton es auch deshalb schwer hat, weil sie eine Frau ist. Ein Teilnehmer in Córdoba berichtete von «Herrenwitzen», die über Ashton und ihr wenig telegenes Aussehen kursieren sollen. Bis auf die dänische Chefdiplomatin Lene Espersen ist der Aussenministerrat ein reiner Männerclub.

Mit welcher Missachtung Ashton behandelt wird, verdeutlichen auch zwei Fauxpas des spanischen Gastgebers in Córdoba. In seinem Einladungsschreiben schrieb Aussenminister Miguel Angel Moratinos den Vornamen seiner «lieben Freundin» Ashton durchweg falsch mit «K» statt mit «C». Und in der offiziellen Teilnehmerliste des Treffens tauchte die Britin erst gar nicht auf.

(sda)

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