Aktualisiert 10.10.2005 14:01

«Länger leben, länger arbeiten»

Bei der Beschäftigungspolitik für die alternde Gesellschaft gibt die OECD der Schweiz gute Noten.

Sie propagiert jedoch eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Institutionen und mehr konkrete Unterstützung für ältere Erwerbstätige.

«Länger leben, länger arbeiten», unter diesem Slogan fasste die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihren am Montag in Brüssel veröffentlichten Bericht zusammen.

In einer Ära der älter werdenden Bevölkerung könne man es sich nicht leisten, die wertvollen Ressourcen zu verschwenden, die ältere Erwerbstätige den Unternehmen, der Wirtschaft und der Gesellschaft zu geben hätten.

Hohe Erwerbstätigkeit der Älteren

Die jüngste OECD-Statistik bestätigte, dass in der Schweiz überdurchschnittlich viele 50 - 64 Jährige arbeiten. Um dieses hohe effektive Rentenalter beizubehalten, warnt die OECD in ihrem Teilbericht zur Schweiz vor Anreizen durch Frühpensionierungen ohne Renteneinbussen.

Die Erhöhung des Rentenalters wird als «eine mögliche Herangehensweise» angesehen. Bei der Präsentation des Gesamtberichtes verwiesen die Verantwortlichen mehrfach auf die Vorteile von flexiblen Lösungen mit einzig einer Grenze für Frühpensionierungen.

Martine Durand, OECD-Vizedirektorin für Beschäftigung, Arbeit und Soziales, skizzierte Beispiele von Früh-, Teilzeit- oder Spätpension mit weniger oder mehr Rente. «Damit hat jeder die Wahl.»

Mehr Koordination Bund - Kantone

Die regelmässige Überprüfung zur Finanzierung der Sozialsysteme und die aktuellen Reformen der AHV und der Pensionskassen werden von der OECD begrüsst. Reformbedarf wird jedoch bei der Koordination der Institutionen geortet.

«Jede Institution - Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, AHV, Renten, Weiterbildung oder Invalidität - beschäftigt sich nur mit ihrem Spezialgebiet ohne viel Aufmerksamkeit für mögliche Nebeneffekte auf die anderen Bereiche», so die Kritik.

«Wünschenswert» sei auch eine bessere Koordination zwischen Bund und Kantonen. Aufgefallen ist den Fachleuten der OECD der «Karussell»-Effekt: Es gelte zu verhindern, dass eine erwerbslose Person in kantonale Beschäftigungsprogramme aufgenommen werde, damit sie danach wieder Arbeitslosenunterstützung erhält.

Lohnmodelle überdenken

Die regionalen Arbeitsvermittlungen sollten sich überdies der spezifischen Probleme, mit welchen eine ältere erwerbslose Person konfrontiert ist, stärker bewusst sein.

Gefordert sieht die OECD jedoch nicht nur die öffentliche Hand, sondern auch Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen. Die OECD wehrt sich gegen Altersdiskriminierung bei den Anstellungen. Auch sollten die Sozialpartner das Modell überdenken, dass Ältere oder Erfahrenere mehr Lohn erhalten. Mehr Gewicht sollten den Fähigkeiten und der Produktivität zukommen.

Vergleichsweise schlecht schneidet die Schweiz ab bei der Aus- und Weiterbildung. «Permanentes Lernen wird im Wesentlichen als individuelle Verantwortung angesehen», kritisiert der Bericht. Hier brauche es gerade in Bezug auf die älteren Beschäftigten ein Umdenken. (sda)

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