Kombinationstherapie: Länger leben - trotz HIV-Infektion
Aktualisiert

KombinationstherapieLänger leben - trotz HIV-Infektion

Die Kombinationstherapie trägt deutlich zur Verlängerung der Lebenserwartung von HIV-Infizierten bei. Dies ergab die Auswertung mehrerer Studien in Europa und den USA.

Sie nahm von 1996 bis 2005 in den Industrieländern um 13 Jahre zu, wie kanadische und britische Aids-Experten schreiben.

Die Forscher werteten 14 Studien aus Europa und Nordamerika aus. Demnach hat ein 20-Jähriger, der zwischen 2003 und 2005 eine Behandlung mit den antiretroviralen Medikamenten begonnen hat, im Mittel noch fast 50 Jahre zu leben, wie es im britischen Medizinjournal «The Lancet» heisst.

Die Fortschritte zeigten, dass sich Aids von einer tödlichen zu einer chronischen Krankheit entwickelt habe. Trotz dieser positiven Entwicklung erreichten die Infizierten aber noch nicht die normale Lebenserwartung.

Ausserdem gebe es grosse Unterschiede unter den Patienten. So stürben HIV-infizierte Drogenabhängige der Statistik zufolge oft deutlich früher.

Kritik an Kommission für Aidsfragen

In derselben «Lancet»-Ausgabe üben australische Aids-Experten scharfe Kritik an Kollegen aus der Schweiz. Diese hatten erklärt, sie hielten Sex ohne Kondome unter gewissen Umständen für vertretbar.

So ist ungeschützter Geschlechtsverkehr nach Ansicht der Eidgenössischen Kommission für Aidsfragen bei jenen Patienten zu verantworten, die mit einer Kombinationstherapie behandelt werden, in deren Blut über längere Zeit keine Viren mehr nachgewiesen worden sind und die unter keiner weiteren sexuell übertragbaren Krankheit leiden.

Höheres Risiko berechnet

Die australischen Forscher halten diese Empfehlung für viel zu gefährlich. Sie errechneten das Risiko für Partner, die nach den Empfehlungen der Schweizer ungeschützt Sex miteinander haben dürfen.

Das Ergebnis: Bei Homosexuellen steigt das Infektionsrisiko um das Vierfache an im Vergleich zu Paaren, die Kondome benutzen. Auch bei Heterosexuellen gebe es eine geringe Ansteckungsgefahr.

(sda)

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