Aktualisiert 04.09.2014 10:44

Kongress zu Nachtlärm

«Lärm entsteht im Kopf»

Kommunikation statt Gesetze: An der Städtekonferenz zu Nachtlärm und Nachbarschaft plädiert Kulturjournalistin Sieglinde Geisel für Aussprachen und Kompromisse.

Gesetze zur Regelung des Nachtlärms würden eine Stadt ersticken.

Gesetze zur Regelung des Nachtlärms würden eine Stadt ersticken.

Eine Stadt könne nur dann funktionieren, wenn sie auch Lärmzonen oder -zeiten zulasse. Dies sagte die Kulturjournalistin Sieglinde Geisel am Donnerstag am Kongress zur urbanen Sicherheit in Zürich. Im Gegenzug müsse es Zonen und Zeiten geben, in denen man vor Lärm «einigermassen sicher ist».

Lärm entstehe im Kopf, so Siegel, die für ein Buch über das Thema gründlich recherchiert hat. Aus diesem Grund sei es von Mensch zu Mensch unterschiedlich, welches Geräusch in welcher Lautstärke er als Lärm empfinde. Am schlimmsten sei es, wenn sich jemand dem jeweiligen störenden Geräusch ohnmächtig ausgeliefert fühle.

Kommunikation wichtiger als Gesetze

Geisel plädierte für Kommunikation. Sie sei manchmal wirkungsvoller als blosse Grenzwerte. Gerade bei Konflikten im Nachtleben sei es wichtig, die Anwohnerinnen und Anwohner anzuhören. So könne der Lärm seine Allmacht verlieren.

Schon nur angehört zu werden, wenn man leide, mache vieles erträglicher. Denn zum Phänomen Lärm gehörten immer zwei: einer, der das Geräusch verursache, und ein anderer, in dessen Kopf es zu Lärm verwandelt werde. Zur Lösung des Konflikts müssten beide einen Beitrag leisten.

Ein Kneipenviertel kann nicht beruhigt werden

Manche Städte unternähmen grosse Anstrengungen, des Problems Herr zu werden. Man müsse aber klar sehen: Ein Ausgehquartier oder ein Kneipenviertel lasse sich nun mal nicht in eine stille Dorfstrasse verwandeln. Würde man ein solches Ansinnen durchsetzen wollen, so würde man eine Stadt ersticken, sagte Geisel.

Der Kongress in Zürich wird von der Konferenz der Städtischen Sicherheitsdirektorinnen und -direktoren, der Schweizerischen Vereinigung der Polizeichefs und von Experten der urbanen Sicherheit organisiert. (sda)

Sieglinde Geisel schreibt in ihrem neuen Buch über Lärm und Geräusch.

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