Aktualisiert 18.09.2014 05:05

Bezirksgericht Zürich

Lärmige WG - Nachbar drohte mit Blutbad

Weil ihn der Lärm einer WG störte, drohte ein Familienvater in Zürich-Leimbach mit einem Blutbad und fuhr einen der Studenten fast über den Haufen. Nun muss er ins Gefängnis.

von
Attila Szenogrady
In einem Mehrfamilienhaus an der Sihlweidstrasse kam es zum Disput zwischen einem Familienvater und einer WG.

In einem Mehrfamilienhaus an der Sihlweidstrasse kam es zum Disput zwischen einem Familienvater und einer WG.

«Das war reiner Terror», beschwerte sich der heute 64-jährige Dolmetscher vor dem Bezirksgericht Zürich. Der Vater einer zur Tatzeit zweijährigen Tochter und Nachbar einer Studenten-WG konnte kaum mehr ein Auge zu tun. Die jungen Schweizer über ihm schlugen dauernd die Türen zu oder spielten sogar mitten in der Nacht Bowling in der Wohnung. «Mein Kind wachte immer wieder auf», beschwerte sich der in Gambia geborene Schweizer. Auch mehrere Einsätze der Polizei brachten keine Besserung.

Im Herbst 2011 kam es an der Sihlweidstrasse in Zürich zum ersten grossen Eklat. Als die Studenten wieder einmal eine wilde Party schmissen, platzte dem Beschuldigten der Kragen. Er stürmte nach oben und forderte zwei an der Türe erschienene Studenten auf, mit dem Lärm aufzuhören. Ansonsten gebe es ein Blutbad, erklärte er. Danach zog sich der Vater wieder zurück.

Mit Auto Studenten angefahren

Im April 2012 kam es noch schlimmer. Der Vater war inzwischen so entnervt, dass er an einem Morgen mit seinem Auto einem der Studenten auflauerte und an der Soodstrasse auf den Fussgänger absichtlich losfuhr. Dabei schlitterte er über das Trottoir direkt auf den Geschädigten zu. Als das beschleunigende Fahrzeug nur noch ein Meter von ihm entfernt war, sprang der Student geistesgegenwärtig auf eine ein Meter hohe Laderampe hinauf und konnte so womöglich sein Leben retten.

Als zwei Monate später die Ehefrau des Beschuldigten den Studenten erzählte, dass ihr Mann sie umbringen würde, zogen die Kommilitonen aus. Allerdings verzeigten sie ihren Nachbarn vorher bei der Polizei. Worauf der gebürtige Afrikaner für 22 Tage in der Untersuchungshaft verschwand.

Kaltblütiges Vorgehen: Vater verurteilt

Vor dem Bezirksgericht Zürich forderte der Vater einen vollen Freispruch und sah sich als Opfer einer Verschwörung. Auch der Verteidiger verlangte einen vollen Freispruch und warf der Anklage falsche Vermutungen und reine Spekulationen an. Allerdings ohne Erfolg. So glaubte das Gericht im Wesentlichen den Darstellungen der geschädigten Studenten und verurteilte den vorbestraften Übersetzer wegen Gefährdung des Lebens sowie versuchter Nötigung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten - sechs Monate davon unbedingt.

Das Gericht lastete dem Beschuldigten eine Racheaktion für die Lärmstörung an. Es sprach auch bei der Lebensgefährdung von einem kaltblütigen Vorgehen des Autolenkers. Der Verteidiger des Vaters kündigte noch im Gerichtssaal Berufung an.

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