Hohe Auflagen : Lärmschutz verhindert günstige Wohnungen
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Hohe Auflagen Lärmschutz verhindert günstige Wohnungen

Preiswerte Wohnungen sind in Zürich ein rares Gut: Nicht zuletzt, weil hohe Auflagen an den Lärmschutz das Bauen verteuern oder gar verunmöglichen.

Im Quartier Friesenberg entstehen derzeit günstige Wohnungen.

Im Quartier Friesenberg entstehen derzeit günstige Wohnungen.

Screenshot fgzzh.ch

Im Stadtzürcher Quartier Friesenberg baut die Familienheim-Genossenschaft Zürich zurzeit eine Überbauung mit über 100 gemeinnützigen Wohnungen. Die Nachfrage ist gross. Ärgerlich ist es deshalb laut der NZZ für die Verantwortlichen, dass auf dem Areal acht zusätzlich geplante Wohnungen nicht als solche erstellt werden konnten.

Der Grund: Auf einer Seite wären die Eckwohnungen direkt auf die vielbefahrene Schweighofstrasse ausgerichtet gewesen – Fenster zum ruhigen Innenhof gab es an dieser Lage nicht. Gemäss Lärmschutzverordnung werden damit die Immissionsgrenzwerte überschritten. Trotzdem findet es Alfons Sonderegger schade, dass die Behörden bei den acht Wohnungen keine Konzessionen machen wollten. Wie der ehemalige Präsident der Genossenschaft zur Zeitung sagt, gebe es nun stattdessen acht Büros: Dabei seien Wohnungen Mangelware, während es Büros zur Genüge gebe.

Aufwand lohnt sich für den Vermieter nicht

Sonderegger glaubt, dass sich trotz der etwas höheren Lärmbelastung bestimmt Mieter hätten finden lassen. Zumal der der Bau gut gedämmt sei und alle Wohnungen mit einem modernen Lüftungssystem ausgestattet seien. Ziemlich merkwürdig findet er, dass die entscheidenden Lärmmessungen dann aber bei geöffneten Fenstern durchgeführt würden.

Ein ähnlicher Fall gab es im Seefeld. Dort wollte eine private Hauseigentümerin relativ preiswerte 1,5-Zimmer-Wohnungen mit modernen Standard für 1500 Monatsmiete erstellen. Doch auch hier wurden die Lärmgrenzen überschritten und es hätten wegen den Auflagen nur noch sieben statt zehn Wohnungen erstellt werden können. Weil sich für die Vermieterin der Aufwand nicht lohnte, verzichtete sie auf den Umbau.

Viele ähnliche Fälle

Albert Leiser, Direktor des Zürcher Hauseigentümerverbands, kennt mache solcher Fälle. Der FDP-Gemeinderat sagt zur Zeitung, dass die Praxis viele Bauprojekte verteuere oder gar verhindere. Er fordert deshalb, dass die heutigen Grenz- und Alarmwerte auf Bundesebene überprüft und allenfalls erhöht werden. Zudem müssen die Mess- und Berechnungsmethoden laut Leiser geändert werden.

Thomas Gastberger, Leiter Lärmbekämpfung und Vorsorge von der kantonalen Fachstelle Lärmschutz, betont hingegen, dass zu viel Lärm der Gesundheit schade und der Lärmschutz deswegen ein starkes Gewicht brauche. Er gibt zwar zu, dass dieser gewisse Bauprojekte verteuere. Letztlich führe dies aber oft zu besseren Lösungen. Nur weil momentan Wohnungen gefragt seien, könne nicht über bestehende Regeln hinweggesehen werden. Generell zeigten sich die Lärmschutzbehörden von Kanton und Stadt aber schon kompromissbereit, so Gastberger. (20 Minuten)

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