Maritime Muskelspiele: Lässt China den Konflikt eskalieren?
Aktualisiert

Maritime MuskelspieleLässt China den Konflikt eskalieren?

Als Peking mit Manila einen ähnlichen Streit wie jetzt mit Tokio hatte, setzte sich China dank Drohgebärden und List durch. Auch heute setzt es mit elf entsandten Schiffen auf Konfrontation.

von
phi

Im Ringen zwischen Japan und China um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer hat China schwere Geschütze aufgefahren. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP hätten elf chinesische Schiffe in dem fraglichen Gebiet Stellung bezogen, die auf eine Flotte japanischer Fischerboote treffen werden.

Dass mit dem Reich der Mitte in solchen Fragen nicht gut Kirschen essen ist, mussten im vergangenen Jahr die Philippinen erfahren. Im April 2011 sandte Manila eine Fregatte zum Scarborough-Riff, weil acht chinesische Fischerboote in der Korallen-Lagune ankerten, die 230 Kilometer vor der philippinische Küste liegt. Peking antwortete, indem es zwei Marine-Schiffe zwischen der Fregatte und den Trawlern platzierte.

Manila setzte auf Deeskalation und ersetzte die Fregatte durch einen Kutter der Küstenwache, während Peking zwischenzeitlich bis zu acht Marine-Einheiten aufbot. Gleichzeitig erschwerte das Land die Einfuhr philippinischer Früchte. Anfang Juli 2011 einigten sich die Parteien auf den Abzug ihrer Schiffe, doch nur die Philippinen hielten sich auch daran. China hat die Lagune dagegen für andere Fischer gesperrt und patrouilliert seither in dem Gebiet. Kein Staat protestierte dagegen, auch die USA blieben still.

Handels- und Propagandakrieg

Das Land verfolgt eine Politik der «Einschüchterung kleinerer Nachbarn, damit diese seine Territorialansprüche anerkennen», fasst «Foreign Policy» zusammen. China erkennt weder den Internationalen Gerichtshof in Den Haag noch den Internationalen Seegerichtshof in Hamburg an. Im Südchinesischen Meer, durch das über die Hälfte des Schiffsverkehrs (in Bruttoregistertonnen) fliesst, gibt es nicht nur zwischen Peking und Manila oder Tokio offene Ansprüche, sondern auch Unklarheiten mit Taiwan, Indonesien, Vietnam und Malaysia. Das Signal an diese Staaten und nach innen vor dem kommenden Parteitag der KP: Kommt dem Riesen nicht in die Quere.

Zumal China nicht nur auch militärische Muskelspielchen, sondern auch auf Handelskrieg setzt, wie zuletzt Norwegen zu spüren bekam. Obwohl das Land mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Dissidenten Liu Xiabo 2011 nichts zu tun hat, legte Peking laufende Wirtschaftskonsultationen auf Eis und führte strenge Veterinärkontrollen für Lachs ein. 2011 brach der chinesische Absatz der Norweger deshalb um 60 Prozent ein, obwohl der Markt für den Fisch um 30 Prozent wuchs.

Proteste in China und Japan

In der Hauptstadt entlädt sich derweil die Wut der Menschen über die japanische Politik. Tausende Demonstranten zogen am Dienstag, den 18. September, aus Protest zur japanischen Botschaft in Peking und riefen antijapanische Parolen. Die japanische Küstenwache erklärte unterdessen, zwei Japaner seien auf einer der Inseln an Land gegangen.

Die Demonstranten riefen vor dem Botschaftsgebäude patriotische Parolen und forderten einen Boykott japanischer Waren. An die chinesische Regierung appellierten sie, an ihrem Anspruch auf die umstrittenen Inseln, die in Japan Senkaku-Inseln und in China Diaoyu-Inseln genannt werden, festzuhalten.

«Die Japaner sind zu böse»

Die Polizei errichtete Barrikaden, um das Gebäude zu sichern. Die chinesische Regierung hatte am Vortag ein hartes Durchgreifen gegen gewaltsame antijapanische Proteste angekündigt. In zahlreichen weiteren Städten in China kam es zu ähnlichen Protesten, jedoch mit deutlich weniger Teilnehmern. «Ich bin hergekommen, damit unsere Inseln nicht von Japan überfallen werden», sagte Wang Guoming, ein 38-jähriger Demonstrant. «Wir denken, wir sollten Japan den Krieg erklären, denn die Japaner sind zu böse. Nieder mit Klein-Japan», rief er.

Der rege Zulauf zu den Protesten wurde vom 81. Jahrestag der japanischen Invasion in China verstärkt. Der 18. September ist der Jahrestag eines Anschlags, der 1931 zur Mandschurei-Krise geführt hatte. Japan besetzte damals die Provinz im Nordosten Chinas. Die Spannungen zwischen Japan und China wegen der Inselgruppe im Ostchinesischen Meer nehmen schon seit Wochen zu. Am Wochenende hatte sich der Streit in zum Teil massiven Protesten in zahlreichen chinesischen Städten entladen.

Am Dienstag landeten überdies nach Angaben der japanischen Küstenwache zwei Japaner auf einer der umstrittenen Inseln. Demnach war unklar, warum die zwei zu der Insel gefahren waren. Auslöser der aktuellen Proteste war der Kauf der umstrittenen Inseln durch die japanische Regierung von einem Unternehmer, was in China als Affront betrachtet wurde. Japan kontrolliert die Inseln seit 40 Jahren, nachdem sie von den USA, die sie im Zweiten Weltkrieg erobert hatten, aufgegeben worden waren. Beansprucht werden die Inseln aber auch von China und Taiwan. Sie sind von reichen Fischgründen umgeben.

Ein englischsprachiger TV-Bericht über das Eintreffen chinesischer Schiffe bei der Inselgruppe. Unten Bewegtbilder von den Anti-Japan-Protesten in China. Quellen: YouTube/MechanicalOscar und YouTube/LindasHouse

(phi/dapd/afp)

Deine Meinung