Aktualisiert 15.08.2013 14:36

Reisen nach ÄgyptenLässt das EDA Schweizer in der Wüste stehen?

Obwohl nun von Unruhen und Opfern im Badeort Hurghada berichtet wird, passt das EDA seine Empfehlungen nicht an. Schweizer vor Ort können dies nicht nachvollziehen – und fühlen sich im Stich gelassen.

von
sut

Exkursionen abgesagt, kreisende Kampfjets über den Badeorten, Ausgangssperren: Nun wird es auch in den Badedestinationen am Roten Meer ungemütlich. Dennoch raten weder das EDA noch die Reiseveranstalter von Ferien in der Region ab. «Reisen nach Ägypten sollten auf die Badeorte am Roten Meer beschränkt werden», heisst es auf der EDA-Website.

Die Schweizerin Kathrin K. (Name geändert) arbeitet seit Jahren in der Tourismusbranche in Hurghada und spricht Klartext: «Wer unbedingt nach Ägypten will, kann das tun. Sicher ist es derzeit aber nur an der Küste des Roten Meeres in den grossen Hotelkomplexen.» Die meisten grossen Hotels hätten schon vor vier Wochen, beim Sturz vom Präsident Mursi, alle Landausflüge gestrichen. Alle Wasseraktivitäten würden wie immer durchgeführt.

«Wir werden hängengelassen»

Auch Nadja M. (Name der Redaktion bekannt), die in einer Woche nach Hurghada fliegen wollte, ist genervt. «Weshalb sollte ich an einem Ort Ferien machen wollen, wenn ich nur in der Hotelanlage sein kann und um mich herum Krieg herrscht?» Sie findet es eine «Frechheit», dass Touristen dennoch in das Land gebracht werden und das EDA nicht reagiert. «Wir werden regelrecht hängengelassen», so M.

Denn ihre geplanten Ferien umbuchen kann sie nicht: «Ich müsste rund 2000 Franken Umbuchungsspesen bezahlen – was mir schlicht zu viel Geld ist.» Ihr bleibe nun nichts anderes übrig als abzuwarten und «zu hoffen, dass die Bestimmungen noch geändert werden – denn so habe sie sich ihre Ferien nicht vorgestellt.»

EDA «zutiefst besorgt»

Das EDA in Bern teilt am frühen Nachmittag auf Anfrage von 20 Minuten mit, dass man die Situation in Ägypten noch analysiere. Man wolle im Verlauf des Nachmittags informieren.

Das ist mittlerweile geschehen: «Das EDA ist über die Gewalteskalation in Ägypten mit zahlreichen Todesopfern und Verletzten zutiefst besorgt», teilt das Departement mit. Der ägyptische Botschafter in Bern sei heute ins Bundeshaus-West eingeladen wurden.

EDA verweist auf Reiseveranstalter – und umgekehrt

Weiter schreibt das EDA: «Die weitere Entwicklung der Lage bleibt ungewiss. Reisen nach Ägypten sollten auf die Badeorte am Roten Meer beschränkt werden. Von Touristen- und anderen nicht dringenden Reisen in die übrigen Landesteile wird abgeraten.»

Das EDA rät Ägypten-Reisenden: «Informieren Sie sich auch an den Bade- und Touristenorten über die Entwicklung der Lage. Befolgen Sie die Anweisungen der ägyptischen Sicherheitsbehörden (z.Bsp. Ausgangssperren) und meiden Sie Demonstrationen und Menschenansammlungen jeder Art.»

Und schliesslich noch dieser Tipp des Departements für Auswärtiges: «Bleiben Sie in Kontakt mit Ihrem Reiseveranstalter.» Doch eben hier liegt der Hund im Sand begraben: Das EDA verweist auf die Reiseveranstalter - und die wiederum auf das EDA: «Solange das EDA nicht auch von Badeferien am Roten Meer abrät, müssen wir keine Touristen nach Hause holen.»

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