Selbstversuch: Lässt es sich im Café wirklich besser arbeiten?

Aktualisiert

SelbstversuchLässt es sich im Café wirklich besser arbeiten?

Arbeiten im Café soll effektiver sein als im Büro. Wirklich? 20 Minuten hat es ausprobiert und verschiedene Cafés getestet.

von
Isabel Strassheim

Umfrage: Was sagen Serviceangestellte, andere Gäste und Geschäftsführer?

Laut Studien bieten Cafés die bessere Geräuschkulisse zum Arbeiten als ein Grossraumbüro. Auch die Flucht vor dem Chef soll Angestellte produktiver machen. 20 Minuten hat den Praxistest gemacht.

Wer mit Laptop, Handy und Ladekabeln vom Bürostuhl auf ein Cafésofa wechselt, merkt gleich, dass er die geschützte Zone verlassen hat: Sofort taucht er in eine Welt von ungewohnten Geräuschen und Gerüchen ein. Im Odeon, dem Jugendstil-Café in Zürich, scheppern die Tassen auf den Marmortischen am lautesten. Im Starbucks am Zürcher Rennweg knarren die Holzdielen leise und die Tassen klirren dezent.

Das konzentrierte Arbeiten im Kaffeehaus macht mich zum Wahrnehmungsmonster: Auch der Duft des Kaffees vom Tisch nebenan scheint hundertfach stärker zu sein, das Gekicher der Mädchengruppe ebenfalls. Wird die Schmerzschwelle dabei nicht überschritten, ist das durchaus angenehm und hilft tatsächlich bei der Konzentration.

Putzendes Servicepersonal schafft Arbeitsatmosphäre

«Ich bin jetzt im Starbucks», sagt die mit Laptop und Schulbüchern bewaffnete junge Frau neben mir in ihr Handy. Und jammert, sie müsse gerade Französisch lernen. Man trifft eine Vielzahl von Leidensgenossen: Schüler, Studenten oder Projektmanager. Jeder stiert in seinen Laptop oder in Bücher und Ordner. Je kleiner die Tische, desto schwieriger ist das. In der Zürcher Milchbar sind sie dafür am besten geeignet. Allerdings muss es auch Steckdosen in Kabelnähe zum Tisch geben und auch WLAN braucht es. Das Café Odeon verzichtet darauf: Es will kein Ersatzbüro sein und setzt weiter auf normale Cafégäste.

Das fleissige Servicepersonal soll zum Arbeiten anregen, heisst es in einer Studie. Die Caféangestellte ein paar Meter entfernt von mir wischt die Tische und auch die Holzvertäfelung an der Wand neben mir ab. Das schafft tatsächlich eine dezidierte Arbeitsatmosphäre. Ganz anders als im Homeoffice, wo ich mit der Zeit vereinsame und das Sofa immer in Reichweite steht.

Acht Stunden im Café sind unvorstellbar

Die Hackordnung des Büros spielt im Café keine Rolle mehr. Weder Sitzungen noch Chefs nerven. Stattdessen kommen und gehen Menschen aller Art: Ein Manager mit Krawatte und Bluetooth im Ohr genauso wie ein verliebtes Paar oder eine Gruppe von Teenagern. Lebendigkeit herrscht trotz Arbeit. Und das Gefühl, auch bei der Arbeit ich selbst zu sein, statt vor allem eine Funktion zu erfüllen.

Dennoch nervt mich die bunte Gästeschar nach einer gewissen Zeit: Im Odeon wechselt sie am häufigsten, und über Mittag wird es dort genauso wie in der Milchbar zu voll. Auch im Starbucks nerven irgendwann die Jugendgruppen. Volle acht Stunden im Kaffeehaus zu arbeiten ist für mich unvorstellbar.

Selbstversuch: Arbeiten im Starbucks

Redaktorin Isabel Strassheim hat einen halben Tag im Starbucks gearbeitet, um zu sehen ob sie das produktiver macht.

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