Gerüchte um Börsengang: Lässt Glencore die Hüllen fallen?
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Gerüchte um BörsengangLässt Glencore die Hüllen fallen?

Der von Marc Rich gegründete Rohstoffriese Glencore braucht offenbar Geld und denkt über eine Publikumsöffnung nach. Lichtet sich nun der Nebel um das grösste Unternehmen der Schweiz?

Der verschwiegene Rohstoffhändler Glencore aus Zug denkt über eine Kotierung an der Börse nach. Der Konzern hat diesbezüglich erste Gespräche mit Banken geführt. Der Gang an die Börse wäre ein bedeutender – und überraschender Schritt. Als börsenkotierte Firma müsste Glencore alle relevanten Daten offenlegen und jedes Quartal die Finanzzahlen publizieren. Bisher gab das Unternehmen ausser Bilanzsumme und Umsatz keine weiteren Daten bekannt. Das in Zug ansässige Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 152,2 Milliarden Dollar. Gemessen an dieser Kennzahl ist der Rohstoffkonzern das grösste Unternehmen der Schweiz.

Grosses Beteiligungsnetz

Das 1974 von Marc Rich gegründete Unternehmen konzentrierte sich ursprünglich auf den physischen Handel mit Metallen, Mineralien und Erdöl. Durch diverse Akquisitionen und Kooperationen entwickelte sich das Unternehmen zu einem der weltweit führenden Rohstoffkonzernen. Glencore fördert und verarbeitet mittlerweile auch zahlreiche Produkte im Agrarbereich. Doch Rich bekam wegen seiner Geschäftspraktiken Schwierigkeiten. Er wurde in den USA in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt, die Marc Rich & Co. wurde mit einem Einfuhrstopp belegt. Unter Druck verkaufte Rich 1994 seine Anteile an das Management – der Konzern wurde anschliessend in Glencore umbenannt. Mittlerweile hält die Firma auch Beteiligungen an der britischen Minengesellschaft Xstrata, der amerikanischen Century Aluminium, der russischen Ölfirma Russneft und dem Aluminiumproduzenten Rusal sowie der australischen Minara Resources.

Tiefe Ratings

Ein Börsengang würde das Funktionieren der «Geldmaschine» Glencore offenlegen. Für die Preisgabe dieses Geheimnisses, kann es nur einen Grund geben: Die Gesellschaft braucht Geld und will sich das an der Börse beschaffen. Das gibt Gerüchten Auftrieb, die behaupten, die Firma sei vom Einbruch der Rohstoffpreise in den vergangenen Monaten überrascht worden und habe sich verspekuliert. Wegen des Mangels an Transparenz erhält Glencore von Rating-Agenturen wie Moody's und Standard & Poor's für seine Anleihen und Kredite tiefe Ratings. Zum Jahresende 2008 wurden die Ratings weiter reduziert und die Versicherungskosten für Kredite (Credit Defailt Swaps) von Glencore stiegen markant an.

Oft kritisiert

Im Jahr 2008 ging der „Public Eye Swiss Award", der Preis für den unverantwortlichsten Konzern der Globalisierungsgegner, an Glencore. Die Begründung: Die Rohstoffgruppe operiere so intransparent wie skrupellos. In Kolumbien verursachten Glencores Kohleminen massive Umweltverschmutzungen und Gesundheitsschäden bei der Bevölkerung. Der Schweizer Konzern verhalte sich zudem äusserst gewerkschaftsfeindlich.

(awp/scc/zac)

Very Rich

Der 1934 in Belgien geborene Marc Rich gründete 1974 die Marc Rich and Co Holding, welche später in Glencore unbenannt wurde. In die Schlagzeilen der Medien geriet Rich 1983, als er wegen Steuerhinterziehung und Falschaussage in den USA angeklagt wurde. Bis 2001, als Clinton ihn begnadigte und die Anklage fallengelassen wurde, war Rich auf der FBI-Liste der meistgesuchten Personen.. Es gab viele Gerüchte, Marc Rich habe sich die Amnestie erkauft. Seine Ex-Frau spendete während der Amtszeit von Clinton mehrfach grosse Beträge an die demokratische Partei. Auf 1500 Millionen Dollar schätzt das amerikanische Wirtschaftsmagazin Forbes das Vermögen von Rich.

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