Neue Strategie: Lässt Nestlé nun seine Kitkat-Riegel fallen?
Aktualisiert

Neue StrategieLässt Nestlé nun seine Kitkat-Riegel fallen?

Süsswaren verkaufen sich immer weniger. Der Nahrungsmittelriese Nestlé will deshalb stärker auf Medikamente setzen.

von
Isabel Strassheim
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Nestlé will einen Teil seines Süsswarengeschäfts verkaufen....

Nestlé will einen Teil seines Süsswarengeschäfts verkaufen....

Stevan Bukvic/Custom Images
.... betroffen sind US-Schokoladenmarken. Seinen weltweit bekannten Kitkat-Schoggiriegel wird Nestlé behalten, denn mit dem hat der Konzern in Schwellenländern Erfolg.

.... betroffen sind US-Schokoladenmarken. Seinen weltweit bekannten Kitkat-Schoggiriegel wird Nestlé behalten, denn mit dem hat der Konzern in Schwellenländern Erfolg.

Dominic Lipinski
Die Schweizer Traditionsschoggi Cailler will Nestlé behalten.

Die Schweizer Traditionsschoggi Cailler will Nestlé behalten.

Keystone/Jean-christophe Bott

Nestlé ist der grösste Nahrungsmittelkonzern weltweit. Das Motto des Riesen: die Welt zu «einem besseren Ort machen und zu einer gesünderen Zukunft beitragen». Statt mit Maggisuppen, Babymilch oder Kitkat dürfte das nun verstärkt auch mit rezeptfreien Medikamenten passieren. Der Umbau des Konzerns soll nun weiter forciert werden.

Nestlé steht unter Druck – nicht nur weil diese Woche der US-Hedgefonds Third Point eingestiegen ist, der eine höhere Rendite verlangt. Sondern auch, weil sich die Märkte verschieben: Süsswaren waren vergangenes Jahr mit einem Wachstum von 1,8 Prozent nach Milchprodukten und Eiscreme die Sparte mit dem geringsten Wachstum. «Es gibt Produkte, die nicht mehr in die Nestlé-Strategie passen, und die dürfte der Konzern verkaufen», sagt Finanzanalyst Jean-Philippe Bertschy von der Bank Vontobel zu 20 Minuten.

Verkauf von Butterfinger

In den USA dürfte Nestlé seine Schokoladenmarken wie Butterfinger oder BabyRuth noch dieses Jahr verkaufen. Der Konzern hatte dies Mitte Juni in Aussicht gestellt. «Auch das US- Eiscremegeschäft oder Tiefkühl-Pizza könnten abgestossen werden», so Bertschy.

Nestlés Weltmarke Kitkat droht jedoch kein Verkauf. Sie rettet, dass sie vor allem in den Schwellenländern noch stark wächst. Mit dem fast überall bekannten Schokoriegel lassen sich die neuen Märkte besser erobern als mit nur kleinen, lokalen Schoggimarken.

Cailler dürfte bleiben

Das bedeutet nicht, dass wie in den USA allen lokalen Nestlé-Süsswaren der Verkauf bevorsteht: Bei den kleinen Schweizer Konzern-Marken wie Cailler rechnet Bertschy nicht damit, dass sich der Konzern von ihnen trennt. Auch Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank geht davon aus, dass Nestlés Produktpalette breiter bleibt als von manchen Investoren erwartet.

Zukäufe dürften dagegen zu erwarten sein. Auch wenn der neue Nestlé-Chef Mark Schneider Ende April noch sagte, es sei ihm damit noch zu früh, weil er erst mit dem Unternehmen vertraut werden müsse. Am Dienstag kündigte Nestlé zudem ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 20 Milliarden Franken bis 2020 an, betonte jedoch, dass es wegen grösserer Zukäufe auch kleiner ausfallen könnte.

Nur Hundefutter wirft mehr Gewinn ab

Dabei peilt Nestlé neu auch Investitionen in Ländern mit hohem Wachstum, in Babynahrung sowie in Consumer Health an. Mit Consumer Health könnte der Konzern sein Geschäft mit frei verkäuflichen Medikamenten noch ausweiten. Bislang ist Nestlé mit Hautmedizin und Klinik-Spezialnahrung vertreten. «Ich rechne damit, dass Consumer Health bald weiter ausgebaut wird», sagt Analyst Bertschy. Die Betriebsgewinnmargen von Consumer Health und Babynahrung gehören mit knapp 20 Prozent zu den höchsten des Konzerns. Nur mit Haustierfutter verdient Nestlé mehr: Bei Hunde- und Katzennahrung mit seiner Marke Purina kommt er auf 21 Prozent.

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