Läuse an Berner Schulen
Aktualisiert

Läuse an Berner Schulen

An Stadtberner Schulen treten vermehrt Kopfläuse auf. Der Kreis Brunnmatt geht bei der Bekämpfung neue Wege und schickt Schüler, die nach der Sportwoche mit Läusen erscheinen, sofort nach Hause. Bildungsdirektorin Olibet findets «hochproblematisch».

Die Brunnmatt-Familien erhalten dieser Tage einen Brief der Schullleitung. Darin werden sie aufgefordert, in den Sportferien zu kontrollieren, ob ihr Kind mit Läusen oder Nissen befallen ist. Falls ja, sei vor Schulbeginn zu Hause die notwendige Behandlung durchzuführen.

Am Montag nach den Ferien werden alle rund 300 Schüler durch ein Elternteam und einer Fachperson nachkontrolliert. Die Eltern befallener Kindern werden telefonisch benachrichtigt und müssen ihre Kinder «umgehend abholen und die Behandlung beginnen».

Wieder im Unterricht erscheinen, dürfen die Kinder nach der zweitägigen Behandlung zu Hause nur mit einem schulärztlichen Attest, der beim Gesundheitsdienst eingeholt werden muss.

Olibet: Gefahr der Stigmatisierung

Das Konzept wurde von der Schule initiiert und mit der Schulkommission, dem Gesundheitsdienst und dem Elternrat erarbeitet, wie Schulleiterin Esther Zahnd auf Anfrage sagte. Zahnds Vorgesetzte indessen billigen zwar die Massnahme «als Versuch», bringen aber Vorbehalte an.

«Kopfläuse sind ein Problem, das an den Nerven zehrt», räumt Bildungsdirektorin Edith Olibet ein. Ein Schulaussschluss sei jedoch «hochproblematisch». Fraglich sei, ob die Betreuung sichergestellt werden könne. Eine Stigmatisierung der Familien sei nicht ausgeschlossen. Rechtlich sei ein Schulausschluss zudem nur abgesichert, wenn Kinder wiederholt mit Läusen zur Schule kämen.

Die Schulkommission könne einen Auschluss jedoch autonom beschliessen. Als Bildungsdirektorin trete sie für den verstärkten Appell an die Eltern an, die Bekämpfungsprozedur wie vorgeschrieben durchzuführen.

«Enorme Zunahme»

Zahnd verweist auf die «enorme Zunahme» befallener Kinder. «Wir mussten handeln». Die Läuseplage belaste Eltern, Kinder und Lehrer, nicht nur wegen der zeitraubenen Kontrollen: Wegen der Läuse habe die Tagesschule ihr Spielangebot einschränken müssen, Kinder würden so «gestraft für eine Nachlässigkeit der Erwachsenen».

Zwischen allen Beteiligten könne so «ein Konfliktpotenzial entstehen, dem wir begegnen wollen». Eltern hätten bisher die zeitraubende Bekämpfungsprozedur durchgeführt, ohne Gewissheit, dass in der Schule alle Kinder gleichzeitig und damit wirksam nachkontrolliert würden. Dies sei nun der Fall.

Die Schulleitung gehe davon aus, dass die Eltern die Notwendigkeit der Massnahme einsähen und kooperierten. Dies zeige auch die Mitwirkung von Müttern bei der Nachkontrolle. «Auch wenn ein Kind krank ist, müssen sich die Eltern organisieren». Eine Stigmatisierung solle «gerade verhindert werden». Geplant sei, die Massnahme vorläufig nach jedem Ferientermin zu wiederholen.

«Wir haben die Initiative der Schule von Anfang an fachlich unterstützt, jedoch die erwähnten Vorbehalte angebracht», sagt die Leiterin des städtischen Gesundheitsdienstes Ursula Ackermann. Vom epidemiologischen Standpunkt sei das Ganze «einen Versuch wert».

Tatsächlich seien bisher wegen fehlender Ressourcen nicht ganze Schulhäuser gleichzeitig kontrolliert worden. Beim Thema Kopflaus dürfe aber buchstäblich «die Laus nicht zum Elefanten» gemacht werden»: Im Vergleich etwa zur Suchtproblematik es «kein vorrangiges Problem in den Berner Schulen».

Eine Ursache der Lausplage liege bei der mangelnden Kooperation von Eltern, die teils trotz Aufklärung «nicht willens oder nicht fähig» seien, die auf den abgegebenen Merkblättern empfohlene Behandlung korrekt vorzunehmen.

Dies könne mit mangelnder Lesefähigkeit zu tun haben, bei Ausländern und Schweizern. Teils habe zudem eine Skepsis gegen Nebenwirkungen von Lausshampoos Einzug gehalten, die mit verbreiteten Vorbehalten gegen Impfungen vergleichbar sei. Hier sei es schwierig, bei den Eltern Überzeugungsarbeit zu leisten. (sda)

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