Sri LankaLage für die Flüchtlinge immer verzweifelter
Die Lage von rund 50 000 Flüchtlingen in den Kampfgebieten im Norden von Sri Lanka wird offenbar immer schlimmer. Und niemand kann helfen: Nicht einmal das Rote Kreuz darf im Kampfgebiet Hilfe leisten.
Die von den Regierungstruppen eingeschlossenen Rebellen erklärten am Samstag, viele Menschen drohten zu verhungern, da es kaum noch etwas zu essen gebe. Offenbar wollen sie aber die Kampfhandlungen nicht einstellen und sich ergeben, wie es die UNO gefordert hatte.
«Konflikt jetzt beenden»
Die Aussenminister der G-8, der Gruppe von acht führenden Industrieländern, appellierten an beide Seiten, weitere Opfer unter den Zivilpersonen zu vermeiden. Bei den schweren Kämpfen zwischen Regierungstruppen und tamilischen Rebellen wurden nach UN-Angaben in den vergangenen drei Monaten fast 6500 Zivilpersonen getötet.
«Es ist an der Zeit, den Konflikt jetzt zu beenden», hiess es in einer Erklärung der G-8, die von Italien verbreitet wurde, dass derzeit in Vorsitz innehat. Die Minister zeigten sich tief besorgt angesichts der Lage der Menschen in dem umkämpften Gebiet. Sie warfen den Rebellen vor, die Flüchtlinge als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Den G-8 gehören die USA, Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, Kanada, Japan und Russland an.
Nicht einmal das Rote Kreuz darf helfen
Auch John Holmes, der UN-Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten, zeichnete ein düsteres Bild der Lage der Menschen in dem umkämpften Gebiet. Die Gefechte müssten eingestellt werden, damit die Menschen das Gebiet verlassen könnten. Es fehle dort an Essen, sauberem Wasser und Medikamenten.
Seit Montag sollen nach Regierungsangaben rund 100 000 Menschen aus dem Kampfgebiet geflohen sein. Eine unabhängige Bestätigung der Zahlen ist aber nicht möglich, da Journalisten und Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen nicht das Gebiet hinein dürfen. Der UN-Sicherheitsrat hat deshalb schon die Regierung in Colombo aufgefordert, Mitarbeitern des International Komitees vom Roten Kreuz Zugang zu gewähren.
Jahrzehntelanger Kampf
Die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) kämpfen seit mehr als 25 Jahren für einen tamilischen Staat im Norden der Insel Ceylon. In den vergangenen Monaten wurden sie jedoch auf einen kleinen Landstrich zurückgedrängt und von Regierungssoldaten immer stärker eingekreist. (dapd)