Eurozone: «Lage ist äusserst gefährlich»
Aktualisiert

Eurozone«Lage ist äusserst gefährlich»

Der Zürcher Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann warnt, angesichts der neusten Entwicklungen in Italien und Griechenland könnte die Schuldenkrise innert Tagen eskalieren.

von
Elisabeth Rizzi
Experte Tobias Straumann. (Keystone)

Experte Tobias Straumann. (Keystone)

Herr Straumann, in den Problemländern der EU eskaliert die Lage – wieso kommt es häufig im Herbst zu Wirtschafts­krisen?

Tobias Straumann: Das Krisenmanagement ruht während der Sommerferien, obwohl die kritische Lage Sofortmassnahmen erfordern würde. Dadurch verstärkt sich die Unsicherheit.

So wie dieses Jahr?

In der Eurozone war das der Fall: Die Krise schwelt seit mehr als einem Jahr. Im August verabschiedeten sich alle in die ­Ferien. Inzwischen sind sogar die französischen Banken von der Krise angesteckt.

Was droht also diesen Herbst?

Die Lage in der Eurozone halte ich für äusserst gefährlich.

Warum?

Der Wille Deutschlands, den Euro mit allen Mitteln zu verteidigen, scheint nachzulassen. Die Kreditwürdigkeit Italiens ist erneut herabgestuft worden. In Griechenland spitzt sich die politische Lage zu. Es kann innerhalb von wenigen Tagen zu einer Eskalation an den Finanzmärkten kommen.

Was ist die grösste Gefahr?

Die europäischen Banken sind sehr verwundbar, wenn ein Zahlungsausfall Griechenlands einen Domino-Effekt auslösen würde.

Was heisst das für den Franken als sicheren Hafen?

Ob die Nachfrage tatsächlich so gross ist, wissen wir nicht. Es ist durchaus möglich, dass die Grenze noch nicht ernsthaft getestet worden ist.

Ist die aktuelle Lage bloss ein Börsen-Schnupfen oder eine nachhaltige Krise?

Nein, das ist keine vorübergehende Börsenbaisse. Eine Bankenkrise in der Eurozone wäre sogar eine grosse Krise.

Meist kommt es an den Börsen Ende Jahr zu einer Rallye. Bleibt also noch Hoffnung?

2008 gab es keine Rallye gegen Ende Jahr. Und auch 1929 gab es nur eine kurze Beruhigung.

Deine Meinung