Verschwörungstheorie: Lagern die USA in Fort Knox wirklich Gold?
Aktualisiert

VerschwörungstheorieLagern die USA in Fort Knox wirklich Gold?

Ein Kongressabgeordneter bezweifelt, dass die US-Regierung so viel Goldreserven besitzt, wie sie behauptet. Er verlangt, dass das sagenumwobene Depot in Kentucky geöffnet und überprüft wird.

von
kri

Ron Paul ist einer der letzten wahren Idealisten in Washington. Der langjährige republikanische Kongressabgeordnete aus Texas will 2012 Präsident werden, was er schon 1988 und 2008 vergeblich versuchte. Er gilt als das konservativste Mitglied der grossen Kammer und intellektueller Grossvater der Tea-Party-Bewegung. Aufgrund seiner libertären Ansichten eckt er aber nicht nur bei den Demokraten, sondern oft genug auch bei seiner eigenen Partei an. 2003 war er einer von sechs Republikanern, die gegen die Autorisierung des Irakkriegs (und damit 215 ihrer Parteikollegen) stimmten. Aktuell bemüht er sich darum, dass die Bundesregierung Cannabis-Konsumenten nicht mehr strafrechtlich verfolgt.

Am meisten Aufsehen erregt der 75-Jährige traditionell mit seinen Vorschlägen im Bereich der Finanz- und Wirtschaftspolitik. In der Vergangenheit hatte er sich für die Abschaffung der Nationalbank (Federal Reserve) und die Rückkehr zum Goldstandard ausgesprochen. Im selben Zusammenhang erneuerte er kürzlich seine Forderung, die Goldreserven der US-Regierung in Fort Knox zu überprüfen. Paul plagt ein schlimmer Verdacht: Vielleicht gibt es dort überhaupt kein Gold. Da der Öffentlichkeit und selbst Abgeordneten der Zugang verwehrt wird, könne er sich nicht sicher sein, sagte er Mitte Juni gegenüber «Bloomberg Businessweek».

Keine Besucher, keine Ausnahmen

Das US-Finanzministerium überprüft die Goldreserven jedes Jahr. Generalinspektor Eric Thorson tat dies zuletzt im September 2010. An einem von Paul anberaumten Kongress-Hearing vergangenen Donnerstag sagte Thorson, in Fort Knox sei alles in Ordnung. Doch Paul gab sich damit nicht zufrieden. Er will die knapp 370 000 Goldbarren im Wert von derzeit 185 Milliarden Franken per Gesetz von Hand auf ihre Reinheit überprüfen lassen. Das Finanzdepartement rechnete ihm vor, dass eine solche Übung mit 400 Angestellten sechs Monate dauern und mindestens 15 Millionen Dollar kosten würde. Eine Stichprobe würde ihm reichen, sagte Paul später. Ob es dazu kommt, ist ungewiss. Die meisten von ihm eingebrachten Gesetzesvorschläge schaffen es nie über die vorberatende Kommission hinaus.

Unterstützung bekommt Paul vielleicht von der Geschichte. Das Gerücht, dass Fort Knox leer ist, taucht seit seiner Eröffnung 1935 in regelmässigen Abständen auf. Paul räumt ein, verschiedene Verschwörungstheorien auf dem Internet seien mit ein Grund für seine Zweifel. In den 1970er Jahren kämpfte der republikanische Abgeordnete Philip Crane aus denselben Gründen für einen Tag der offenen Tür in Fort Knox – und setzte sich durch. Am 23. September 1974 konnten zum ersten und bis dato letzten Mal zwölf Abgeordnete und 100 Journalisten das Depot betreten und den Goldschatz mit eigenen Augen begutachten. Die Filmaufnahmen (siehe oben) bleiben bis heute die einzigen Bilddokumente des intimsten Innenlebens von Fort Knox.

Was wusste Strauss-Kahn?

Eine der Verschwörungstheorien, die Paul offenbar den Schlaf raubt, ist die Vorstellung, die US-Regierung habe angesichts des riesigen Haushaltsdefizits angefangen, heimlich ihre Goldreserven abzustossen. Nicht auszuschliessen ist, dass der Abgeordnete auch über eine andere Geschichte gestolpert ist. Sie ist ebenso unglaubwürdig wie spektakulär, eine perfekte Vorlage für einen Agententhriller.

Demnach soll der russische Geheimdienst FSB in einem Bericht zuhanden von Premierminister Wladimir Putin behaupten, der Ex-Chef des IWF Dominique Strauss-Kahn (DSK) habe kurz vor seiner Verhaftung am 14. Mai erfahren, dass Fort Knox tatsächlich leer ist. Ein CIA-Informant habe ihm die brisante Information gesteckt, nachdem DSK sich bei der US-Regierung über eine ausstehende Überweisung von 191,3 Tonnen Gold an den IWF beklagt hatte.

Der französische Auslandgeheimdienst DGSE habe ihm daraufhin geraten, New York umgehend zu verlassen. Sein Handy sollte er im Hotelzimmer zurücklassen, damit dessen Signal seinen Aufenthaltsort nicht verrate. Im Flugzeug nach Paris habe er schliesslich den fatalen Fehler begangen, das Hotel zu kontaktieren. Seine Bitte, ihm das Handy nachzuschicken, sei von den US-Geheimdiensten abgefangen worden, worauf ihn die Polizei am New Yorker Flughafen JFK in einer Maschine der Air France verhaften konnte. Dass die Sexgeschichte mit der Hotelangestellten eine Erfindung der US-Geheimdienste ist, versteht sich von selbst.

Was meinen Sie? Ist Fort Knox bis an den Rand mit Goldbarren gefüllt oder herrscht dort gähnende Leere? Diskutieren Sie mit.

Deine Meinung