Aktualisiert 31.03.2010 13:55

OS X 10.6

Lahmer Leopard

Apple bringt morgen sein neues Betriebssystem für Macs auf den Markt. Im Kurztest hat 20 Minuten Online ausprobiert, für wen sich der Umstieg lohnt.

von
Henning Steier

Apple ist seit Jahren bekannt für seine Geheimniskrämerei. Jahrelang spekulierte beispielsweise die Web-Gemeinde über ein Handy des IT-Konzerns aus Cupertino, ehe er dann seine Jünger mit dem iPhone erlöste. Auch vor aufgebohrten Betriebssystemen der Kalifornier brodelt in der Regel die Gerüchteküche. Im Fall von «Snow Leopard», dem neuen OS, blieben grosse Erwartungen allerdings von Anfang aus. Denn Apple-Boss Steve Jobs hatte frühzeitig klar gemacht, dass es zwar einen Versions-, aber keinen Riesensprung des Leoparden geben würde. Morgen kommt Version 10.6 des Apfel-Betriebssystems nun in die Läden. 20 Minuten Online hat im Kurztest ausprobiert, ob sich die Investition von 39 Franken für ein Update von OS X Leopard lohnt.

Auf unserem Testsystem, einem iMac mit einem 2,66 GHz Intel Core 2 Duo-Prozessor, vier Gigabyte RAM und 640 Gigabyte Festplattenspeicher, klappte die Installation tadellos. In seiner Medienmitteilung hatte Apple versprochen, dass bis zu sieben Gigabyte Festplattenspeicher durch das Update freigeräumt werden. Damit hat das Unternehmen einerseits recht, andererseits aber zu hohe Erwartungen geweckt. Denn zumindest auf unserem Rechner wurden nur rund 5,5 Gigabyte Speicher frei, was sich angesichts der zuvor erwähnten Festplattengrösse natürlich verschmerzen lässt. Apple hatte überdies angekündigt, dass sich ein Backup mit dem Tool «Time Machine» nun maximal 80 Prozent schneller erledigen lassen soll. Und hier hat Apple Recht. Im Test ergab sich eine Zeitersparnis von exakt 78 Prozent.

Mac wird attraktiver für Geschäftskunden

Eine der wichtigsten neuen Funktion des Schneeleoparden ist neben der Unterstützung von 64-Bit-Prozessoren der Support von «Microsoft Exchange Server». Damit können Mac-Nutzer endlich auch ihre Firmen-E-Mails, -Adressbücher und -Termine nutzen. Im Test gelang dies problemlos, weil die Einrichtung selbst erklärend ist. Damit kommt Apple endlich einer Forderung nach, die seit Jahren von seinen Jüngern erhoben wurde.

Generell soll «Snow Leopard» - wie jedes neue Betriebssystem - deutlich schneller laufen als sein Vorgänger. Auf unserem Testrechner ergab sich ein Speed-Vorteil von etwa zehn Prozent bei Standardaufgaben Textverarbeitung und Bildretusche. Fürs Herunterfahren brauchte der Rechner nur noch die Hälfte der Zeit. Diese Werte geht in Ordnung, sind aber alles andere als bahnbrechend. Geärgert haben wir uns allerdings, dass das neue OS Probleme bei der Erkennung des Druckers und Scanners hatte. Wenigstens wurden nach der Installation alle Einstellungen beibehalten und sämtliche Programme funktionierten nach wie vor tadellos.

«Quick Time» aufgebohrt

Apples vorinstallierte Version des «Quick Time Players» konnte bislang mit Gratis-Tools wie dem «VLC media player» nicht mithalten. Nun haben die Kalifornier ihr Programm aber mit interessanten neuen Funktionen ausgestattet. So kann man jetzt so genannte Screencasts erstellen, also beispielsweise den Bildschirm abfilmen, wenn man ein Programm entdeckt hat und anderen zeigen möchte, wie es funktioniert. Die Schnittfunktion erinnert dabei an die ebenfalls ab Werk auf dem Mac zu findende Software iMovie und taugt daher nur für den Amateurbereich. Von der Einfachheit ihrer Bedienung kann sie aber durchaus überzeugen und dürfte damit auch für ungeübte Anwender interessant sein. Auch die neue Miniatur-Vorschaufunktion und die entschlackte Benutzeroberfläche des «Quick Time Players» wussten zu gefallen.

Von Apple angepriesene Neuerungen wie «Grand Central Dispatch» und «Open CL» sind nur für Entwickler interessant, weil sie - grob verkürzt - es ihnen erlauben sollen, leichter Programme für das Betriebssystem zu schreiben. Der Nutzer dürfte sich hingegen über Kleinigkeiten wie die automatische Einstellung der Uhrzeit in einer neuen Zeitzone und die praktische Vorschaufunktion «Dock Exposé» freuen, welche im Test tatsächlich grossen Spass machte: Denn nun kann man das Exposé endlich direkt übers Dock nutzen. Dazu drückt man die Maustaste, wenn sich der Cursor über einem Programm-Icon in der Leiste befindet. Es lässt sich aber auch verwenden, wenn ein Programm läuft, um die angeklickte Datei in ein anderes Fenster zu verschieben. Einzelne Fenster lassen im Exposé auch per «Quick Look» betrachten.

Fazit

Wer keine grossen Erwartungen weckt, muss sich auch nicht erfüllen. Insofern hat Apple alles richtig gemacht. Mac-Jünger dürfen sich also die nächste Version des Betriebssystems freuen, die hoffentlich wieder mit spannenderen Neuerungen aufwarten kann. Zu empfehlen ist der Umstieg nur Mac-Besitzern, die ihren Rechner beruflich nutzen, weil sich nun ihre Firmen-Postfächer samt Kalendern und Kontakten leicht nutzen lassen.

Weitere Informationen sind im eBook «Mac OS X Snow Leopard - Das Praxisbuch» von eload24 zu finden, welches Sie sich hier anschauen können.

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