26.09.2016 04:41

Luzerner KantonalbankLaien schlagen die Börsenprofis

Bei einem Fonds der Luzerner Kantonalbank können alle mitentscheiden, auf welche Titel die Bank setzt. Die Laien erzielten nun erstmals eine bessere Performance als die Experten.

von
kwo
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Teilnehmer der Plattform Crowders können Empfehlungen für Aktientitel abgeben.

Teilnehmer der Plattform Crowders können Empfehlungen für Aktientitel abgeben.

20M
Einmal im Monat werden die Prognosen mit der tatsächlichen Kursentwicklung abgeglichen.

Einmal im Monat werden die Prognosen mit der tatsächlichen Kursentwicklung abgeglichen.

Keystone/Ennio Leanza
Dabei zeigt sich, wer die Kursentwicklung besser vorausgesagt hat: die Hobby-Prognostiker ...

Dabei zeigt sich, wer die Kursentwicklung besser vorausgesagt hat: die Hobby-Prognostiker ...

Keystone/Walter Bieri

Wer kann die Entwicklung von Aktienkursen besser voraussagen: Laien oder Anlageprofis? Die Luzerner Kantonalbank versucht seit Juni, mit der Online-Plattform Crowders eine Antwort auf diese Frage zu finden. Die Teilnehmer geben dabei einmal im Monat eine Empfehlung für die 30 liquidesten und grössten Schweizer Aktientitel des Swiss Leader Index (SLI) ab.

Wie steht der Laien-Fonds im Vergleich zur direkten Konkurrenz nach vier Monaten da? Zu Beginn lief es eher mässig. Der Fonds hinkte der aktiv gemanagten Konkurrenz hinterher, wie eine dem Portal Cash.ch von Crowders bereitgestellte Gegenüberstellung der Performance gegenüber dem Durchschnitt der aktiv gemanagten SLI-Fonds in der Schweiz zeigt.

Publikums- vs. Telefonjoker

Im August wendete sich das Blatt: Die Masse überholte erstmals die etablierten Akteure. Der Crowd-Fonds erzielte eine Performance von 3,08 Prozent, wobei die Management- und Verwaltungsgebühren 0,89 Prozent betragen. Die Performance der Profi-Fonds betrug im gleichen Zeitraum hingegen nur 2,93 Prozent.

Ist der Erfolg überraschend? Zumindest in der Wissenschaft ist die Annahme, dass eine grosse Gruppe von Menschen bessere Prognosen macht als einzelne Experten, gut dokumentiert. Bekannt gemacht wurde sie durch das Buch «Wisdom of Crowds» des US-Journalisten James Surowiecki. «Ein bekanntes Beispiel ist der Publikumsjoker bei ‹Wer wird Millionär?›. Er ist normalerweise zuverlässiger als der Telefonjoker, wo nur ein Experte befragt wird», erklärt Klaus Theiler, Leiter Asset Management bei der Luzerner Kantonalbank.

Wer gut tippt, erhält Geld

Allerdings gibt es einige Faktoren, die zu besseren Entscheiden der Gruppe beitragen können: etwa, dass einzelne Personen unabhängig voneinander entscheiden oder dass eine möglichst grosse und vielfältige Gruppe Voraussagen trifft. Laut Theiler hat bisher eine hohe dreistellige Zahl an Prognostikern bei Crowders die Aktienkurse bewertet. Mitmachen kann jeder. Benötigt wird nur eine E-Mail-Adresse.

Um die Weisheit der Vielen für ihren Fonds nutzen zu können, lockt die Luzerner Kantonalbank die Hobby-Prognostiker mit monatlichen Prämien. Jeden Monat will die Bank rund 2500 Franken an jene Teilnehmer ausschütten, die die Performance am besten voraussagten. Wer über das ganze Jahr gesehen am besten abschneidet, erhält eine zusätzliche Prämie.

Punkte für richtige Tipps

Grundlage dafür ist eine Rangliste, wobei jeder richtige Tipp mit einem Punkt bewertet wird. Die Teilnehmer können die Monats- und Jahresrangliste auch online ansehen, um sich mit den anderen zu vergleichen. Zudem publiziert die Bank jeden Monat einen sogenannten Crowd Performance Report, der aufzeigt, ob der Schwarm oder die Profis im vergangenen Monat die genauere Vorhersage gemacht haben.

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