Lamborghini Countach, Diablo und Aventador – wir sind alle gefahren

Drei Generationen V12-Lamborghini: Countach (silber), Aventador (blau/grau), Diablo (gold).

Drei Generationen V12-Lamborghini: Countach (silber), Aventador (blau/grau), Diablo (gold).

Giacomo Geroldi/Pirelli
Publiziert

3 V12-Generationen Lamborghini Countach, Diablo und Aventador – wir sind alle gefahren

Der Countach war das Traumauto der Generation X, der Diablo das Poster-Car der Generation Y. Und die Kids von heute werden dereinst  wohl vom Aventador schwärmen. Wir durften mit allen drei Lamborghini in Misano auf Probefahrt. 

von
Michael Lusk / A&W Verlag

In den 80ern begann meine Leidenschaft für Autos. Im Kinderzimmer hatte ich eine ganze Schachtel voll mit Spielzeugautos. Und natürlich spielte ich wie andere Jungs der Generation X auch mit Auto-Quartetts. Das prägendste Erlebnis war aber vermutlich, als ich zum ersten Mal einen Lamborghini Countach live sah. Wie jedes Jahr ging es mit der Familie im Auto an die Adria in die Badeferien. Und plötzlich stand an einer Raststätte auf der Autostrada ein schwarzer Countach vor mir. Damals stach er mit seiner keilförmigen Silhouette wie ein UFO aus der Masse der Fiats, Camper und Urlaubsautos heraus, die sonst noch auf dem Parkplatz einen Stopp einlegten. Ob ich aus Begeisterung wie die Piemonteser auch etwas wie «Countach» ausrief, was so viel wie «wow», «krass» oder «Wahnsinn» bedeutet, weiss ich nicht mehr. Auf jeden Fall ging mir die Begegnung bis heute nicht aus dem Kopf.

Countach: Ein Keil wie von einem anderen Stern

Bis heute! Mehr als 30 Jahre später gings mal wieder nach Bella Italia. Aber nicht, um in Rimini zu feiern oder in der Adria zu schwimmen, sondern um zum ersten Mal selbst Countach zu fahren. Mit seinen 455 PS (die der übrigens letzte jemals gebaute Countach, der sonst im Lamborghini-Museum steht, aus einem 5,2 Liter grossen Zwölfzylinder kitzelt) gehört der silberne Kampfstier auch im Jahr 2022 noch zu den schnellsten und faszinierendsten Strassenautos überhaupt. 295 km/h sind heute noch eine Ansage.


Das ist es auch, den Stier zu bewegen. Countach-Fahren im italienischen Hochsommer ist nämlich ein richtiges Work-out für Mensch und Maschine, vor allem bei 35 Grad. Die Kupplung trainiert die Wadenmuskeln bei jedem Gangwechsel, die servolose Lenkung die Oberarme. Dafür sorgen die 15 Zoll grossen Pirelli P Zero Reifen für erstaunlich viel Komfort. Eine Klimaanlage gabs im Countach noch nicht, die Fenster lassen sich gerade mal einen Spalt breit öffnen und auch die Sicht nach hinten ist bestenfalls eine ganz grobe Orientierung. Dennoch – oder gerade deshalb – geniesse ich das pure und unverfälschte Fahrvergnügen um so mehr, gebe dem Countach 25th Anniversary immer wieder die Sporen, dass sogar die Carabinieri beide Augen zudrücken müssen, und geniesse jeden Meter dieses Ausritts. Komplett durchgeschwitzt, aber mit einem breiten Grinsen steige ich nach der Testfahrt aus – und kann einen weiteren Punkt auf meiner Bucket List abhaken.

Noch heute wirken der von 1974 bis 1990 gebaute Lamborghini Countach und der von 1990 bis 2001 produzierte Lamborghini Diablo futuristisch.

Noch heute wirken der von 1974 bis 1990 gebaute Lamborghini Countach und der von 1990 bis 2001 produzierte Lamborghini Diablo futuristisch.

Giacomo Geroldi/Pirelli
Der Lamborghini Countach setzte auf (für heutige Verhältnisse kleine 15 Zoll) P Zero Reifen von Pirelli.

Der Lamborghini Countach setzte auf (für heutige Verhältnisse kleine 15 Zoll) P Zero Reifen von Pirelli.

Giacomo Geroldi/Pirelli
Der Lamborghini Diablo hatte auch einen V12-Motor.

Der Lamborghini Diablo hatte auch einen V12-Motor.

Giacomo Geroldi/Pirelli

Diablo: Ein gewaltiger Sprung nach vorne

Als Nächstes steht ein Lamborghini Diablo bereit, das Poster-Car der Millenials oder Generation Y, die Mitte der 80er bis Anfang der 90er geboren wurde. Erneut haben Lamborghini und Pirelli das letzte jemals gebaute Exemplar, das sonst ebenfalls im Museum steht, bereitgestellt. 549 PS leitet der mittlerweile auf 6,0 Liter vergrösserte Motor. So befeuert gehts in unter vier Sekunden auf 100 km/h. Schluss ist erst bei 335 km/h. Damit der Stier auch dieses Tempo sicher absolvieren kann, hat der langjährige Reifenpartner Pirelli damals spezielle, 18 Zolle grosse und 345 Millimeter breite P Zero Reifen entwickelt.


Aber nicht nur den Reifen, sondern auch den Zwölfzylinder im Nacken des Fahrers haben Diablo und Countach gemeinsam. Und wie sein Vorgänger brüllt und kreischt der Diablo, als ob der Teufel persönlich die Strassen rund um Misano unsicher machen will. Ansonsten fährt sich der Kampfstier erstaunlich einfach. Die Gänge lassen sich noch präziser einlegen, eine Klimaanlage sorgt für angenehme Temperaturen und dank Servo flitzen wir noch schnell durch jeden Kreisel und um jede Kurve. Viel zu schnell geht auch der Ausritt im Diablo vorbei, noch steht aber der Schlussgang aus.

Aventador: Der letzte Sauger-V12

Nämlich im Aventador Ultimae. Ein Murcielago war leider nicht vor Ort, deshalb schliesst der seit 2011 gebaute Aventador den V12-Kreis. Zumindest, was frei saugende Motoren betrifft. Zwar wird Lamborghini im Nachfolger des Aventadors ab 2023 wieder einen V12 verbauen, aber mit Hybrid-Unterstützung. Und so lassen wir zum Abschied den letzten «echten», 780 PS starken und über 350 km/h schnellen Stier nochmals richtig fliegen. Längst sortiert eine Automatik die Gänge im Aventador, dennoch lasse ich es mir nicht nehmen, das mit den Schaltpaddels selbst vorzunehmen. Selbst auf schlechten Strassen liegt der Aventador perfekt auf dem Asphalt. Die mittlerweile 21 Zoll grossen Pirelli P Zero bringen die Kraft nach jeder Kurve souverän auf die Strasse.

Noch grösser als mein Grinsen ist aber am Ende das Lächeln eines kleinen italienischen Jungen, der im Countach Platz nehmen darf. Und wer weiss: Vielleicht wird auch er sich in 20, 30 oder 40 Jahren, wenn auch Lamborghini elektrisch fahren, noch an seine erste Begegnung mit dem Kampfstier erinnern. Und so lange von der ersten Fahrt in einem echten Lamborghini V12 träumen.

Hol dir den Auto-Push!

Heisse News aus der Auto- und Mobilitätswelt, die neusten Modelle im Test und Experten-Kolumnen zu  rechtlichen und technischen Fragen: All das erwartet dich, wenn du den Auto-Push abonnierst.


So gehts: Installiere die neuste Version der 20-Minuten-App. Tippe unten rechts auf «Cockpit», dann aufs «Einstellungen»-Zahnrad und schliesslich auf «Push-Mitteilungen». Beim Punkt «Themen» tippst du «Auto» an – schon läufts.

Deine Meinung

14 Kommentare