Einen Lamborghini Miura erkennt man sofort. Dieser ist auch noch in der Farbe «Blu Miura» lackiert. Welches Auto hat schon eine Farbe mit eigenem Namen?
Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
02.10.2020 19:00

Lamborghini Miura P400 – ein Traum in Blau

Es gibt nur wenige Autos, die es mit dem Ikonenstatus des Lamborghini Miura aufnehmen können. Seine Entstehungsgeschichte ist mehr als abenteuerlich.

von
Bruno von Rotz
2.10.2020

Die Geschichte, wie der Lamborghini Miura entstand, ist heute fast noch weniger zu glauben als damals. Drei begabte Jung-Ingenieure beim damals noch sehr jungen Sportwagenbauer Lamborghini – Dallara, Stanzani und Wallace – machten sich nach Feierabend daran, einen Mittelmotorrennwagen zu bauen.

Natürlich bekam auch Firmenchef Ferruccio Lamborghini Wind von der Sache und motivierte die drei dazu, mehr in Richtung Höchstgeschwindigkeits-Granturismo zu denken statt in Richtung Rennsport.

Bereits am Turiner Autosalon im November 1965 präsentierte Lamborghini das ungewöhnliche Fahrgestell des Mittelmotorsportwagens, ein paar Monate später dann in Genf den fertigen Sportwagen, der nun nach einen aggressiven Kampfstier «Miura» hiess.

Nur gerade 1,05 Meter hoch ist der Miura. Er bietet zwei Personen Platz, sogar etwas Gepäck kann man mitnehmen.

Nur gerade 1,05 Meter hoch ist der Miura. Er bietet zwei Personen Platz, sogar etwas Gepäck kann man mitnehmen.

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Damals wurden über 300 km/h versprochen, aber über 280 km/h kam wohl kein Miura-Besitzer. Mehr als genug war dies trotzdem.

Damals wurden über 300 km/h versprochen, aber über 280 km/h kam wohl kein Miura-Besitzer. Mehr als genug war dies trotzdem.

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Die Form kreierte der damals noch nicht einmal 30-jährige Marcello Gandini.

Die Form kreierte der damals noch nicht einmal 30-jährige Marcello Gandini.

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Konkurrenz im Schatten

Die atemberaubende Form hatte Marcello Gandini auf Papier geworfen. Und das Design beeindruckt auch heute noch, wie eindrücklich muss es erst 1966 gewesen sein? Der in Genf präsentierte Lamborghini Miura, erste Bestellungen waren schon nach der Präsentation des Chassis in Turin notiert worden, stellte die gesamte kommerziell verfügbare Sportwagen-Elite in den Schatten.

Mit einem versprochenen Leistungsgewicht von 2,8 kg pro PS bewegte man sich auf Rennwagenniveau. Auch war der Miura 11 cm niedriger als der Maserati Ghibli und der Ferrari 275 GTB/4 überragte den Lambo sogar um 15 cm. Und natürlich hatte die Konkurrenz den Motor vorne und nicht in der Mitte. Auch Einzelradaufhängungen mit Trapezdreieckslenkern rundum waren keineswegs Standard Mitte der 1960er-Jahre. Optisch wirkte die Miura-Karosserie mit den aufklappbaren Enden vorne und hinten sowieso wie ein Konzeptfahrzeug und kaum wie ein Seriensportwagen.

Schön …

«Blu Miura» heisst die blaue Farbe, in der der Lamborghini Miura P400 im Juli 1968 für netto 58’000 Franken an den ersten Kunden ging. Und blau ist er auch heute noch. Der geduckt dastehende Miura beeindruckt aus jeder Perspektive, lässt mit seinem aus heutiger Sicht zierlichen Ausmassen (Länge x Breite x Höhe: 436 cm x 176 cm x 105 cm) andere Autos riesig erscheinen.

Ob man da als Durchschnittseuropäer überhaupt Platz hat? Arg viel grösser als 1,8 Meter sollte man schon nicht sein, will man noch etwas Kopffreiheit haben im Lamborghini Miura. Der Einstieg allerdings ist deutlich einfacher als bei manchem anderen Sportwagen, und schnell findet man sich im umfangreich instrumentierten Cockpit wieder.

… und klangstark

Die Sicht nach vorne ist trotz der tiefen Sitz-/Liegeposition gut, nach schräg hinten und zum Heck hin aber deutlich eingeschränkt. Der Motor wird per Zündschlüssel links von der Schaltkulisse gestartet. Sofort setzt ein melodisches Konzert von Ansaugzischen, Verbrennungstakten und mechanischen Geräuschen ein, dem man sich kaum entziehen kann, auch deshalb nicht, weil nur eine Plexiglasscheibe zwischen der Besatzung und dem Motor für Trennung sorgt.

Damals wurde kritisiert, dass Gespräche oder Radiohören ab 120 km/h schwierig seien, heute kann man sich kaum vorstellen, warum man sich beim Geniessen des Zwölfzylinders von einem krächzenden UKW-Radio stören lassen möchte.

Ein gut sortierter Miura lässt sich überraschend zivil fahren. Natürlich helfen trainierte Waden beim Kuppeln und das Getriebe verlangt nach einer kundigen Hand und je nach Situation gezielten Zwischengas-Stössen oder Doppelkuppeln. Aber wenn man sich an den Supersportler gewöhnt hat, sind eigentlich keine besonderen Vorkehrungen nötig, um den Wagen flüssig zu bewegen.

Weitere Informationen, viele Bilder, Verkaufsprospekt und ein Tonmuster gibt es auf Zwischengas.com.

Zwischengas.com ist die umfangreichste Online-Plattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

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27 Kommentare
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Geniesser

04.10.2020, 01:00

Sicher ein natürlich und herrlicher sound was da am Heck rauskommt. Ohne Klappen und Elektrik. Einfach ehrlich und real. Danke für den Beitrag.

Das schönste Auto der Welt

03.10.2020, 23:57

Dies bleibt der immer noch für mich, dies seit ca. fünfzig Jahren.

Friedrich Hostetter

03.10.2020, 23:44

Für die damalige Zeit sicher ok. Heute nur noch für das Museum interessant. Mit der beschränkten Technik von früher war es extrem schwierig bis unmöglich so elegante Autos wie heute herzustellen. Das Leistungsgewicht von 2,8 kg lässt den Kenner heute auch nur noch gähnen. Heutige Autos wie der Koenigsegg One:1 haben ein über 2.5 fach besseres Verhältnis.