Auffanglager: Lampedusa streikt gegen Berlusconi
Aktualisiert

AuffanglagerLampedusa streikt gegen Berlusconi

Mit einem «Generalstreik», an dem sich alle Bewohner der Insel beteiligt haben, hat Lampedusa gegen Berlusconis Migrationspolitik protestiert. Die Proteste richteten sich vor allem gegen die geplante Errichtung eines zweiten Auffanglagers.

Rund 1500 Personen marschierten vor den Gemeinderat, um gegen die von der Regierung geplante Errichtung eines zweiten Auffanglagers zur Identifizierung der Flüchtlinge zu protestieren. Die neue Einrichtung soll neben dem bereits bestehenden und chronisch überlasteten Auffanglager etabliert werden.

Die Regierung Berlusconi will, dass von jetzt an alle auf Lampedusa ankommenden Einwanderer dort bleiben, um all jene dann direkt wieder nach Nordafrika abschieben zu können, denen kein Asylrecht in Italien gewährt wird.

Bisher wurden die auf Lampedusa eingetroffenen Migranten in Auffanglagern auf Sizilien oder in anderen italienischen Regionen gebracht.

«Keine Strafanstalt»

Die Demonstration gegen die Regierung wurde vom Bürgermeister der Insel, Bernardino De Rubeis, angeführt. «Wir wollen nicht, dass Lampedusa zu einer Strafanstalt wird. Lampedusa soll eine freie Insel bleiben», so der Bürgermeister.

Über 1000 Flüchtlinge befinden sich derzeit im Auffanglager der Insel. Dutzende von Polizisten wurden auf die 20 Quadratkilometer grosse Insel zwischen Sizilien und Tunesien entsendet.

Die italienische Regierung befürchtet Revolten im Auffanglager der Insel. Am Samstag hatten rund 650 Flüchtlinge die Öffnung der Lagertore erzwungen und waren protestierend zum Stadtzentrum gegangen.

Sie marschierten zum Gemeindeamt auf dem Hauptplatz und skandierten Slogans wie «Freiheit!» und «Helft uns!». Die Flüchtlinge wurden von den Bewohnern der Insel mit Applaus begrüsst.

Der italienische Innenminister Roberto Maroni reiste am Dienstag nach Tunesien, um die Verfahren zur Abschiebung tunesischer Flüchtlinge zu beschleunigen, die sich auf Lampedusa befinden. Die italienische Regierung bemüht sich um den Abschluss bilateraler Abkommen mit den Ländern, aus denen die meisten Immigranten stammen.

Treffen mit UNHCR gefordert

Das Problem der Flüchtlinge betrifft nicht nur Lampedusa. Am Montag endete eine Flüchtlingsdemonstration in der toskanischen Ortschaft Marina di Massa in Handgreiflichkeiten.

Rund 50 Migranten aus Somalia und Eritrea, die sich seit August in einem Flüchtlingslager des Roten Kreuzes befanden, demonstrierten in Marina di Massa, um die Behörden zur Überprüfung ihres Asylantrags zu bewegen.

Die Demonstranten begannen einen Hungerstreik, um ihrer Forderung nach einem Treffen mit einem Delegierten des UNO- Flüchtlingshochkommissariats UNHCR Nachdruck zu verleihen.

Die Polizei forderte die Demonstranten auf, die Kundgebung aufzulösen, da sie nicht bewilligt war. Die Flüchtlinge legten sich aus Protest auf den Boden. Dadurch entstanden Krawalle, bei denen sowohl Migranten als auch einige Polizisten verletzt wurden.

Die Vizebürgermeisterin Martina Nardi versuchte zu vermitteln. Die Migranten verlangen Garantien für ihr Asyl in Italien, da in ihren Ländern Krieg herrscht.

(sda)

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