1800 Bootsflüchtlinge: Lampedusa wird zu Alcatraz
Aktualisiert

1800 BootsflüchtlingeLampedusa wird zu Alcatraz

Auf der süditalienischen Insel Lampedusa herrscht Aufruhr wegen des völlig überfüllten Flüchtlingslagers. Zahlreiche Menschen harrten vor dem Lager aus, um gegen die Zustände zu protestieren.

Sie setzten am Mittwoch ihren am Vortag begonnenen Protest fort. Mit der Ankunft von 700 neuen Bootsflüchtlingen war die Zahl der Menschen im Lager auf 1800 angestiegen. Das Lager ist für die Aufnahme von 800 Personen eingerichtet.

Im vergangenen Jahr waren gemäss den Behörden 30 657 Menschen auf der kleinen Insel gelandet, 2007 waren es noch 11 749 gewesen. Nicht nur im Lager, auch unter den Inselbewohnern wächst der Unmut über die Masseinimmigration.

Eine Gefängnisinsel

Aus Protest gegen die Flüchtlingswelle, die dem Ansehen der Insel als Touristenparadies stark schadet, sind am Mittwoch die Geschäfte gesperrt geblieben.

Die Regierung denke nur noch an die Flüchtlinge und vergesse die Inselbewohner total. Die Gefahr sei, dass Lampedusa zu einer Art Alcatraz werde, «voller Immigranten und Polizisten», protestierte Bürgermeister Bernardino De Rubeis. Auf Lampedusa leben rund 6000 Menschen.

Sollten Unruhen ausbrechen, befürchtet De Rubeis eine ernsthafte Gefahr nicht nur für die Lagerinsassen, sondern auch für die Polizisten und für die Inselbewohner.

«Wie viele müssen noch ankommen, bis wir Hilfe von der Regierung bekommen: 2000, 3000 oder gar 6000 - so viel wie die Insel Bewohner hat?», empörte er sich.

Nach einer vor kurzem erteilten Anweisung des italienischen Innenministers Roberto Maroni sollen alle illegalen Einwanderer auf der Insel bleiben, um sie dann von dort direkt wieder nach Nordafrika abzuschieben. Die Demonstranten kündigten an, ihre Proteste fortzusetzen, bis eine Lösung gefunden worden sei.

(sda)

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