SVP-Nationalrätin Yvette Estermann kritisiert Isolation nach positivem PCR-Test
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Kritik an PCR-TestLanden zu viele positiv Getestete in der Isolation?

Eine Politikerin fordert, dass nur Personen mit nachgewiesener Corona-Ansteckungsgefahr in Isolation geschickt werden. Laut Experten würde dies jedoch den Rahmen sprengen.

von
Leo Hurni
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Sollen künftig nur noch die Personen in Isolation, die nicht nur positiv getestet wurden, sondern auch nachweislich infektiös sind?

Sollen künftig nur noch die Personen in Isolation, die nicht nur positiv getestet wurden, sondern auch nachweislich infektiös sind?

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Das fordert SVP-Nationalrätin Yvette Estermann. Grund für Estermanns Forderung: Ein PCR-Test gibt nicht an, ob man selbst auch infektiös ist. 

Das fordert SVP-Nationalrätin Yvette Estermann. Grund für Estermanns Forderung: Ein PCR-Test gibt nicht an, ob man selbst auch infektiös ist.

PARLAMENTSDIENSTE
«Für mich ist es widersprüchlich, dass ich zehn Tage zu Hause bleiben muss, obwohl ich vielleicht nicht mal andere Leute anstecken kann», so Estermann. 

«Für mich ist es widersprüchlich, dass ich zehn Tage zu Hause bleiben muss, obwohl ich vielleicht nicht mal andere Leute anstecken kann», so Estermann.

20min/Taddeo Cerletti

Darum gehts

  • Wer nur positiv auf Corona getestet ist, soll nicht in Isolation, fordert eine SVP-Nationalrätin.

  • Es müsse auch belegt sein, dass man andere Leute anstecken kann.

  • Ein Infektiologe sagt, dass das allerdings kaum umzusetzen wäre.

Bei Krankheitssymptomen testen: Daran appelliert das Bundesamt für Gesundheit (BAG) seit Monaten. Positiv Getestete müssen für mindestens zehn Tage in Isolation. «Nicht gerechtfertigt», findet SVP-Nationalrätin Yvette Estermann. Die Ärztin und Homöopathin hat diese Woche beim Bundesrat eine Motion eingereicht, die fordert, dass alleine ein positiver PCR-Test für die Isolation nicht genügt.

Estermann beruft sich dabei auf ein Papier des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz. Darin wird festgehalten, dass ein PCR-Test nicht nachweisen kann, ob der untersuchte Erreger infektiös ist oder nicht. «Das zeigt doch: Die PCR-Tests haben nicht die Aussagekraft, wie es das BAG behauptet. Für mich ist es widersprüchlich, dass ich zehn Tage zu Hause bleiben muss, obwohl ich vielleicht nicht mal andere Leute anstecken kann», so Estermann. Es könne nicht sein, dass Leute unnötig in Isolation seien, anstatt etwa normal arbeiten zu gehen. Laut Estermann müsse man mehr auf die Eigenverantwortung setzen. «Wenn ich krank bin, also nachweisbar infektiös, bleibe ich zu Hause. Dafür brauche ich keinen Test und keinen Zwang des BAG.»

Isolation bei Krankheitssymptomen

Sie fordert deshalb vom Bundesrat, schnellstens Massnahmen einzuleiten, damit keine Personen mehr nur aufgrund eines positiven PCR-Testresultats in Quarantäne geschickt werden. «Das darf nur dann geschehen, wenn durch zusätzliche Analysen im Labor eine aktive Ansteckungsgefahr durch diese Person nachgewiesen wird. Anzeichen von Krankheitssymptomen könnten ebenfalls darauf hinweisen.»

Infektiologen beurteilen die Forderung kritisch. «Es wäre natürlich schön, wenn das so einfach klappen würde. Mehrere Faktoren machen das aber leider nicht möglich», so Christian Garzoni vom Moncucco Spital. Ein Nachweis, dass man infektiös sei, koste viel Zeit und Aufwand. «In der Schweiz gibt es nur ein bis zwei Labore, die einen solchen Nachweis machen können. Ein Nachweis dauert mehrere Tage und ist teuer. Man wäre also sowieso bereits eine Woche in Isolation, bis man die Resultate hätte.»

«Am Schluss sind wir nur noch am Testen»

Auch Politikern geht die Motion zu weit. Über Lockerungen der Isolations- und Quarantäneregelungen sollte man erst diskutieren, wenn die impfwillige Bevölkerung auch geimpft ist», sagt SP-Nationalrätin Yvonne Feri. Estermanns Forderung hält sie für übertrieben. «Am Schluss sind wir nur noch am Testen, die Kapazitäten dafür haben wir nicht. Viel eher sollten wir uns jetzt auf die fortschreitende Impfung konzentrieren», so Feri.

Beim BAG zeigt man sich kritisch gegenüber Estermanns Vorschlag. «In den allermeisten Fällen ist eine Person, die positiv getestet wurde, ansteckend. Darum ist es entscheidend für die Pandemiebekämpfung, dass sich alle positiv getesteten Personen in Quarantäne begeben», so BAG Mediensprecher Jonas Montani. Den Vorschlag von Estermann sehe er daher als nicht sinnvoll.

Infektiosität

Zum PCR-Test schreibt das Labor Spiez: «Es kann nicht nachgewiesen werden, ob der Mikroorganismus infektiös (virulent, ‹lebendig›) ist oder nicht. Die Gen-Sequenz des Mikroorganismus muss bekannt sein.» Andreas Bucher, Mediensprecher des Labor Spiez, von wo das Papier des Bundesamts für Bevölkerungsschutz stammt, sagt, es sei bereits aufgrund fehlender Kapazitäten nicht möglich, bei jeder positiv getesteten Person auch zu testen, ob sie infektiös sei. «Für einen solchen Nachweis müsse man die Viren auf Zellkulturen anzüchten und das dauert mehrere Tage», so Bucher.

So funktioniert der PCR-Test

Mittels PCR Polymerase chain reaction (PCR) werden laut dem Bundesamt für Bevölkerungssschutz (BABS) bestimmte DNA-Abschnitte vervielfältigt. «Damit können kleinste, sonst unbestimmbare DNA-Mengen nachgewiesen werden.» Beim PCR-Test wird Erbgut, das meist mit einem Nasen-Rachen-Abstrich entnommen wird, untersucht und vervielfältigt. Dieses wird anschliessend mit einem sogenannten Fluoreszenz-Resonanz-Energie-Transfer sichtbar gemacht: Ist Virusmaterial vorhanden, fluoresziert es. Um fehlerhafte Nachweise zu verhindern, etwa weil manche Genabschnitte denen anderer Viren gleichen, wird nach mehreren Genabschnitten gesucht. In der Regel sind es zwei Abschnitte, mitunter aber auch drei. Grundsätzlich gilt: Je mehr Gensequenzen identifiziert werden, desto sicherer ist das Ergebnis.

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