Proteste: Landesweite Streiks in Griechenland
Aktualisiert

ProtesteLandesweite Streiks in Griechenland

Gewerkschaften und linksgerichtete Parteien haben in Griechenland ihre Proteste gegen den Sparkurs der Regierung ausgeweitet.

Die Kommunistische Partei Griechenlands brachte an symbolträchtigem Ort Transparente an.

Die Kommunistische Partei Griechenlands brachte an symbolträchtigem Ort Transparente an.

Die Griechen wollen gekürzte Löhne, massive Steuererhöhungen und Einstellungsstopps im Staatsdienst nicht so ohne weiteres hinnehmen. Ministerien, Steuerämter und alle anderen Behörden waren am Dienstag wegen Streiks und Protesten unterbesetzt.

Viele Schulen blieben mangels arbeitender Lehrer geschlossen. Rund 100 aufgebrachte Lehrkräfte versuchten nach der zunächst friedlich verlaufenen Demonstration Absperrungen zu durchbrechen und bis zum Eingang des Parlamentsgebäudes vorzudringen.

Sie bewarfen die Polizei mit Flaschen und Steinen. Die Beamten setzten Tränengas ein, um die Randalierer auseinander zu treiben, wie Augenzeugen berichteten. Die Lage beruhigte sich aber relativ rasch.

Protest auf der Akropolis

Dutzende Mitglieder der kommunistischen Gewerkschaft PAME hängten Dienstagmorgen auf der Akropolis - dem Wahrzeichen Athens - zwei grosse Transparente auf, auf denen auf griechisch und englisch stand: «Völker Europas erhebt Euch - Peoples of Europe rise up».

Zudem forderten sie den Internationalen Währungsfonds, der das Sparprogramm mitausgearbeitet hat, dazu auf, «aus dem Land zu verschwinden». Das soll erst der Anfang sein - für Mittwoch sind Massenproteste geplant.

Das Stadtzentrum Athens solle mit Demonstranten überflutet werden, hiess es bei den Gewerkschaften. Unter anderem wollen die Fluglotsen den Luftraum über Griechenland bis Mittwoch 23.00 Uhr komplett schliessen.

Die Gewerkschaft der Staatsbediensteten bekräftigte, dass das Sparprogramm die Löhne ihrer Mitglieder bis zum Jahresende um 30 Prozent kürze. «Deswegen streiken wir», hiess es.

EU: Gelder bis Mitte Mai

Während die Demonstranten in Griechenland gegen die Sparmassnahmen Sturm liefen, setzte die EU ihre Bemühungen unbeirrt fort: Die EU-Kommission erwartet eine baldige Bereitstellung der Hilfen, wie es in Brüssel hiess.

«Wir rechnen damit, dass die kritische Masse Mitte Mai bereitsteht», sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn. «Die Verfahren dafür werden aber in einigen Mitgliedstaaten länger dauern als in anderen.»

In den meisten Euro-Staaten müssen die jeweiligen Parlamente der beispiellosen Unterstützung zustimmen, die über drei Jahre hinweg insgesamt 80 Milliarden Euro erreichen soll.

Die Staats- und Regierungschefs des Eurogebiets wollen am Freitagabend bei einem Sondertreffen in Brüssel die Einigung ihrer obersten Kassenhüter vom vergangenen Wochenende bestätigen. (sda)

Französisches Unterhaus für Hilfe

Die milliardenschwere Hilfe für Griechenland hat in Frankreich die erste parlamentarische Hürde genommen. Die Abgeordneten des Unterhauses billigten am Dienstag die Freigabe des französischen Beitrages, um dem hoch verschuldeten Land einen Kredit zu gewähren. Dem Entwurf muss noch der Senat zustimmen. Zuvor hatte Finanzministerin Christine Lagarde an die Abgeordneten appelliert und das Gesetz als «moralischen Imperativ» bezeichnet. Damit werde der Euro stabilisiert. (sda)

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