19.11.2020 04:56

Cannabisvergiftung erlittenLandete Mädchen (1) wegen Joint auf Intensivstation?

Ein einjähriges Mädchen aus Wetzikon kam mit einer Cannabisvergiftung ins Spital. Laut der Mutter hat es wohl bei einem Spielplatz den Teil eines Joints gegessen.

von
Thomas Mathis
Lynn Sachs

Darum gehts

  • Ein Kleinkind kam auf die Intensivstation im Kinderspital – wegen einer Cannabisvergiftung.

  • Die Mutter vermutet, dass ihre Tochter den Stoff auf einem Spielplatz zu sich genommen hat.

  • Experten sagen, dass Cannabis bei Kleinkindern schwere Symptome auslösen kann.

Mit Blaulicht wurde die einjährige M.* am vergangenen Donnerstag ins Spital eingeliefert. «Sie hat erbrochen, später reagierte sie nicht mehr und verkrampfte sich», erzählt ihre 40-jährige Mutter A.K.* Sofort habe sie die Rettungskräfte alarmiert. Die Kleine landete auf der Intensivstation.

Doch was der Kleinen fehlt, blieb lange im Dunkeln. «Es war die Hölle für mich», sagt die Mutter. Erst am Samstag seien die Ärzte mit einem überraschenden Befund zu ihr gekommen. Im Urin ihrer Tochter wurden Cannabisrückstände nachgewiesen. «Sie fragten mich, ob ich Gras rauche.» Das sei aber nicht der Fall. Bei ihr Zuhause habe es kein Cannabis. Die spätere Blutanalyse ergab, dass das Mädchen Cannabis über den Mund aufgenommen hat und so eine Vergiftung erlitt.

«Es war wohl ein Joint»

«Ich konnte mir nicht erklären, wie das passieren konnte.» Doch dann sei ihr in den Sinn gekommen, dass ihre Tochter am Donnerstagnachmittag auf dem Tödi-Spielplatz im Jörg-Schneider-Park in Wetzikon etwas im Mund hatte. «Ich hatte es rausgenommen, ohne es genau anzuschauen.» Nun vermutet sie, dass Cannabis darin war. «Das müssen Reste eines Joints gewesen sein. Sie hat wohl einen Teil davon verschluckt.»

Mittlerweile wurde das Mädchen aus dem Kinderspital entlassen. «Es geht ihr so weit gut.» Auf Facebook hat die Mutter einen Warnhinweis gepostet. Sie möchte, dass so etwas niemand anderem passiert, und appelliert an die Eltern, gut zu schauen, wenn das Kind etwas Unbekanntes im Mund hat. Zudem will sie die Jugendlichen sensibilisieren. «Es ist deren Entscheid, zu kiffen oder nicht. Aber es ist unverantwortlich, das Cannabis rumliegen zu lassen.»

Polizei erhöht Präsenz im Park

Die Stadtpolizei Wetzikon bestätigt, über den Vorfall informiert worden zu sein. Der Park sei nicht nur für Familien mit Kindern ein beliebter Treffpunkt, sondern auch für andere Nutzer. «Dass dort vereinzelt Betäubungsmittel konsumiert werden, ist bekannt», sagt Kommandant Matthias Widmer. Die Stadtpolizei kontrolliere den Park regelmässig im Rahmen der Patrouillentätigkeit. «Aufgrund des Vorfalls werden wir unsere Präsenz erhöhen.»

Das Kinderspital kann sich wegen des Patientenschutzes nicht zum Einzelfall äussern. «Eine Cannabisvergiftung kommt immer mal wieder vor, da der Konsum bei Erwachsenen nicht selten ist», sagt Chefarzt Georg Staubli. Ein- bis fünfjährige Kleinkinder würden fast alles in den Mund nehmen. Entsprechend wichtig sei es, dass Medikamente, Putzmittel, aber eben auch Raucherwaren wie Tabak oder Cannabis nicht in die Nähe von Kindern kommt. Die Einnahme von Cannabis sei jedoch meist ungefährlich. «Bei kleinen Kindern kann es selten auch zu Atemnot, Krampfanfällen und Bewusstlosigkeit kommen.»

«Cannabis kann schwere Symptome auslösen»

Sowohl bei Tox Info Suisse als auch in der Literatur sind ähnliche Fälle beschrieben. «Man weiss, dass Cannabis bei Kleinkindern schwere Symptome auslösen kann», sagt die leitende Ärztin Cornelia Reichert. Dazu zählen epileptische Krampfanfälle, starke Unruhe und auch Bewusstlosigkeit. Es brauche nicht viel Cannabis, um bei Kleinkindern solche Symptome auszulösen. «Wie viel, ist aber schwierig zu sagen.» Es sei wichtig, dass ein Kleinkind in diesem Fall sofort in ärztliche Behandlung komme. Bleibende Schäden seien nicht zu erwarten, bei schweren Symptomen ohne ärztliche Überwachung aber nicht völlig auszuschliessen. Gefährlicher als Cannabis seien Opioide wie Heroin oder Methadon. «Da kann es schnell zu einem Atemstillstand kommen.»

Hast du Vergiftungssymptome?

Hier findest du Hilfe:

Tox Info Suisse, Tel. 145

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