Aufschrei im Migrationsamt: Lange Pausen und Porno-Bilder

Aktualisiert

Aufschrei im MigrationsamtLange Pausen und Porno-Bilder

Der Chef des Zürcher Migrationsamtes hat am Montag unangenehme Post erhalten: Via Rechtsanwalt beschweren sich mehrere Mitarbeiter über ihre Chefs und deren Arbeitsmoral.

Das kantonale Amt für Migration in Zürich.

Das kantonale Amt für Migration in Zürich.

Die Teamchefs des Migrationsamtes des Kantons Zürich und auch deren Vorgesetzte würden die Arbeitszeiten nur selten einhalten, schreibt der Zürcher Anwalt Ueli Vogel-Etienne im Namen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es sei üblich, dass sie sich grosszügige Pausen gönnten und private Besorgungen während der Arbeitszeit erledigten, hiess es in dem Brief an Amtschef Adrian Baumann,welcher «Radio 24» zugespielt wurde.

Die Teamchefs würden zudem seit Jahren «hemmungslos pornographische Bilder versenden», schreibt der Anwalt weiter.

Grosse Willkür bei Asyl-Dossiers

Dossiers im Asylbereich würden zudem «mit grosser Willkür» bearbeitet oder bewusst liegen gelassen. Ebenso willkürlich würden Lohnerhöhungen und Arbeitsentlastungen für einzelne Mitarbeter ausgesprochen.

Auch die Polizei sei mit dem Migrationsamt unzufrieden, da verantwortliche Personen jeweils nur schwierig zu erreichen seien. Er könne die Vorwürfe mit Bundesordnern voller Dokumente belegen, sagte Anwalt Vogel-Etienne auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Bevor er diese offenlege, wolle er dem Chef des Migrationsamtes aber Gelegenheit geben, sich zu den Vorwürfen zu äussern.

Hollenstein: «Happige Vorwürfe»

Regierungsrat Hans Hollenstein (CVP), der für das Migrationsamt verantwortlich ist, hörte am Montag zum ersten Mal von den Vorwürfen. Diese seien «happig», sagte er gegenüber «Radio 24». Er werde sie nun prüfen, dabei aber auch die Gegenseite anhören.

Auch Heinrich Wuhrmann, Präsident der Geschäftsprüfungskommission des Kantonsrates, wurde bereits über den Brief informiert. Man werde diese Vorwürfe garantiert auf die Traktandenliste setzen. «Zuerst müssen aber noch Fakten gesammelt werden.»

Übermässig lange Wartezeiten

Das Zürcher Migrationsamt stand schon mehrmals in der Kritik, letztmals im Juli 2009, weil Anträge für Ausländerausweise falsch, doppelt oder gar nicht bearbeitet wurden. Grund für die Fehleranfälligkeit war das neue System, das wegen des Schengen- Beitritts eingeführt werden musste.

Von den Beschwerden, die beim kantonalen Ombudsmann eingehen, betraf im letzten Jahr gut jede achte (13,4 Prozent) das Zürcher Migrationsamt. Meist ging es dabei um übermässig lange Wartezeiten.

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«Dieser Brief war eine grosse Überraschung für uns»

Jolanda van de Graaf, Sprecherin der Sicherheitsdirektion, über den Fall:

Gab es schon einmal ähnliche Vorwürfe?

2008 gab es einen parlamentarischen Vorstoss wegen Verzögerung bei der Bearbeitung von Migrationsfällen, dies nach einer Beanstandung beim Ombudsmann. Zudem befasste sich die GPK des Kantonsrates mit dem Migrationsamt. Der Brief des Anwalts enthält teils aber auch völlig neue Vorwürfe.

Wie sieht nun der Arbeitsalltag für die Mitarbeitenden aus?

Solche Vorwürfe sind unangenehm. Deshalb will ihnen auch unser Direktionsvorsteher rasch nachgehen. Gleichzeitig wird er auch dafür sorgen, dass die Mitarbeiter des Migrationsamtes ihrer Aufgabe weiterhin effizient nachgehen können.

Gab es Anzeichen für Missstände?

Das Schreiben des Anwalts war eine grosse Überraschung für die Sicherheitsdirektion.

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