Zu kalt, zu dunkel: Langer Winter verteuert das Gemüse
Aktualisiert

Zu kalt, zu dunkelLanger Winter verteuert das Gemüse

In den Gemüse-Auslagen wird das kalte Frühlingswetter sichtbar: Salat, Tomaten und Spargeln kommen noch immer aus dem Ausland. Die Preise steigen.

von
Sabina Sturzenegger
Gemüseauslage im Coop: Wegen des schlechten Wetters müssen dieses Jahr länger Import-Produkte verkauft werden.

Gemüseauslage im Coop: Wegen des schlechten Wetters müssen dieses Jahr länger Import-Produkte verkauft werden.

Der Frühling müsste längst da sein – doch die Vegetation in unseren Breitengraden verharrt noch im Winterschlaf. «In ganz Europa ist das kalte Wetter in der Gemüseproduktion spürbar», sagt Monika Weibel von der Migros.

Schweizer Gemüse wie Spinat, Radiesli und Salate wachsen derzeit nur langsam, die Produktion stockt. Gemäss dem Verband der Schweizer Gemüseproduzenten

dauert es länger, bis Salatköpfe die gewünschte Grösse erreicht haben. «Auch die Tomaten und Gurken leiden momentan unter dem fehlenden Sonnenlicht und wachsen viel langsamer als im letzten Jahr», sagt Sprecherin Moana Werschler. Die Ernte dürfte sich um zehn Tage verzögern.

Mehr Importprodukte

Um trotzdem genügend frisches Gemüse in der Auslage zu haben, sind die Grossverteiler Coop und Migros auf Importprodukte angewiesen. Salat und Spinat bezieht Migros zurzeit hauptsächlich aus Italien, wie Sprecherin Monika Weibel sagt. «Aus diesem Grund verzeichnen wir leichte Preiserhöhungen», erklärt Weibel. Um wieviel das Gemüse genau teurer wird, konnte die Sprecherin aber nicht sagen.

Den Pflanzen fehlt diesen Frühling aber nicht nur Wärme, sondern auch Sonnenlicht. Darunter leiden insbesondere die Spargeln – und mit ihnen die Produzenten dieser Delikatesse. Walter Pfister, Betriebsleiter auf dem Spargelhof Rafz, rechnet damit, dass sich der Saisonstart weiter verzögern wird. «Wir werden nicht vor dem 20. April ernten können», sagt Pfister. Im Vergleich zum Vorjahr sei man drei Wochen später dran, im langjährigen Schnitt sei es etwas weniger.

Rafzer Spargel wird nicht teurer

Bis dahin bleiben die Auslagen auf dem Spargelhof leer. «Keine Spargeln bedeutet keinen Umsatz und weniger Frequenz im Hofladen», so Pfister. Doch auf den Preis wird dies keinen Einfluss haben. «Für viele Kunden ist es schon schwer verständlich, dass es noch keine Spargeln gibt. Sie würden es noch weniger verstehen, wenn sie auch noch teurer wären.»

Bei den Mengen könne man zudem immer noch aufholen: «Wenn wir einmal warme Temperaturen haben, wachsen die Spargeln umso schneller», hofft der Betriebsleiter. Pfister ist überzeugt, dass die Schweizer Spargeln auch im Mai und Juni noch problemlos verkauft werden können.

Spargeln aus Mexiko, Peru und Holland

Coop und Migros setzen derweil auf wesentlich günstigere Importprodukte: Grüne Spargeln kommen derzeit aus Spanien, Mexiko und den USA, weisse aus Spanien, Peru und Marokko und im Offenverkauf teilweise aus Deutschland und den Niederlanden.

Doch auch bei den deutschen und den holländischen Spargeln fällt die Ernte aufgrund des miesen Wetters dieses Jahr kleiner aus. In den Niederlanden wurde im Vergleich mit 2011 bis jetzt 50 Prozent weniger des Stängel-Gemüses ausgegraben. Und sie dürften für Schweizer Konsumenten spürbar teurer sein: In den Auktionshallen im belgischen Mechelen wird das Kilo für 5,50 Euro versteigert. Letztes Jahr erhielten die Spargel-Anbauer nur rund drei Euro für ein Kilo.

Obst- und Früchteanbau nicht betroffen

Für die einheimischen Obst- und Gemüseproduzenten ist der kalte Frühling keine Tragödie – im Gegenteil: «Es hat noch kaum etwas geblüht, also kann auch nichts erfrieren», sagt Josef Christen vom Schweizer Obstverband. Für die Schweizer Obstbauern sei es besser, wenn die Bäume spät anfangen zu blühen, als wenn es nach einer warmen Periode im März zu einem Rückfall mit Frost komme.

In den südlichen Gefilden profitieren die Anbauer von Früchten gar direkt vom miesen Wetter hierzulande, sagt Coop-Sprecher Urs Meier: Zurzeit herrsche in der Schweiz eine grosse Nachfrage nach Zitrusfrüchten, verrät er. (egg)

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