Heiliger Bimbam!: Langnau ist «Weihnachts-Meister»
Aktualisiert

Heiliger Bimbam!Langnau ist «Weihnachts-Meister»

Das klare Schlusslicht Langnau ist das beste Team der letzten Wochen. Die bange Frage bei den SCL Tigers: Geht Torhüter Thomas Bäumle (27) am 24. Dezember zur Post?

von
Klaus Zaugg

Der Tabellenletzte ist «Weihnachts-Meister»: Die SCL Tigers sind das beste Team der Meisterschaft zwischen der Nationalmannschafts- und Weihnachtspause 2012 und damit «Weihnachts-Meister». Der erste Titel in der NLA seit dem Gewinn der Meisterschaft im Frühjahr 1976.

Die Langnauer haben alle drei Partien der «Weihnachts-Meisterschaft» gewonnen: 4:0 gegen Ambri, 2:1 in Bern und zuletzt auch noch 3:0 gegen die ZSC Lions. Sie haben zuletzt in 24 Stunden beide Playoff-Finalisten gebodigt. Und das mit lediglich zwei Ausländern (Pascal Pelletier, Kurtis McLean) – Mark Popovic ist nach wie vor verletzt (Gehirnerschütterung) und ob und wann und in welcher körperlichen und geistigen Verfassung die beiden NHL-Schillerfalter Jared Spurgeon und Tyler Ennis zurückkommen, ist ungewiss: Sportchef Jakob Kölliker sagt, die beiden seien in Therapie und Aufbautraining daheim in Amerika. Ob im Kraftraum oder an Weihnachtspartys wisse er allerdings nicht. Spurgeon stehe vielleicht Anfang Januar wieder zur Verfügung. Ennis wohl erst Mitte Januar.

111 von 112 Schüssen gehalten

Die Partie gegen den Meister war ähnlich intensiv, umstritten und schnell wie jene am Vorabend gegen den SCB. Die frühe Führung (2:0 nach 3:51 Min.) sorgte für die nötige Energie. Die ZSC Lions hatten die Langnauer nicht unterschätzt. Sie scheiterten nicht an grundsätzlichen spielerischen oder taktischen Mängeln. Sondern an Kleinigkeiten und sie hatten das Pech, dass Langnaus Torhüter Thomas Bäumle in der Form seines Lebens spielt. Er hat während den drei Partien der «Weihnachts-Meisterschaft» (oder seit dem Trainerwechsel) 111 von 112 Schüssen gehalten und lediglich einen Treffer zugelassen.

Bäumle-Entscheidung fällt am 24. Dezember

Keine Frage: Die Langnauer möchten Bäumle auch nächste Saison im Tor haben. Eine Entscheidung fällt am 24. Dezember. Bis zu diesem Datum (der Poststempel zählt) muss Bäumle seinen Vertrag kündigen – sonst läuft er eine weitere Saison bis ins Frühjahr 2014. Und umgekehrt kann Langnau bis zu diesem Datum die Kündigung schreiben. Doch das ist natürlich kein Thema mehr.

Die Frage deshalb an Thomas Bäumle: Gehen Sie am 24. Dezember noch zur Post um die Kündigung fristgerecht abzuschicken? Er sagt diplomatisch: «Ich könnte die Kündigung ja auch persönlich übergeben.» Er werde mit Sportchef Jakob Kölliker noch ein Gespräch führen. Er hat sich inzwischen von seinem Agenten Jaro Tuma getrennt und macht die Verträge selber. Wie ist die Tendenz? Eher kein Gang zum Postamt und damit keine Kündigung? Oder vielleicht doch eine Kündigung um freie Hand für einen rassigen Vertragspoker zu haben? Biels Trainer Kevin Schläpfer sagte kürzlich gegenüber 20 Minuten Online, er könne sich sehr wohl vorstellen, dass Thomas Bäumle ein Thema wird, wenn Reto Berra nicht in Biel bleiben sollte. Aber Bäumle lässt sich nicht aus der Reserve locken und sagt lediglich: «Es sieht für Langnau nicht schlecht aus.»

Lukas Meili als Ersatz?

Sportchef Jakob Kölliker nimmt die Situation mit der für ihn typischen Gelassenheit. Er hat als U20-Nationaltrainer gut zehn Jahre lang eine ganze Spielergeneration kennen gelernt. «Es ist wie es ist. Sollten wir Bäumle verlieren, werden wir einem jungen Torhüter wie Lukas Meili eine Chance geben.»

Lukas Meili? Das 20-jährige Jahrzehnttalent ist doch bei den Kloten Flyers bis 2015, also auch für nächste Saison unter Vertrag? Ja, offiziell stimmt das. Aber inoffiziell eben nicht: Wenn Lukas Meili nächste Saison in Kloten nicht die Nummer 1 wird, dann kann er gehen. Diese schlaue Vertragsklausel macht Sinn: Wenn er eine grosse Karriere machen will, muss er spielen können. Schon Benjamin Conz (21) liess sich seinerzeit diese Klausel bei Servette in den Vertrag schreiben und Chris McSorley musste ihn an die Konkurrenz ausleihen (SCL Tigers, Lugano) damit er spielen konnte. Heute ist Conz eine Schlüsselfigur bei Tabellenführer Fribourg. Und die Langnauer haben die einzigen NLA-Playoffs nicht mit Kulttorhüter Martin Gerber erreicht. Sondern mit dem Junior Benjamin Conz.

Wird Meili zur Rolex?

Wenn Ronnie Rüeger (39) in Kloten eine Vertragsverlängerung bekommt, dann könnte Lukas Meili auf einmal zur Rolex auf dem Torhüter-Transferwühltisch werden. Wenn nicht in Langnau (falls Thomas Bäumle bleibt), dann in Biel (wenn Reto Berra ins Ausland wechselt) oder gar in Zug (wenn Martin Gerber nicht kommt).

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