Aktualisiert 29.03.2016 16:00

Leichen auf der Rollbahn

Larnaca ist ein Hotspot für Flugzeug-Entführungen

Mit der erzwungenen Landung von Flug MS181 in Larnaca ist der Flughafen wegen einer Flugzeugentführung in den Fokus gerückt. Nicht zum ersten Mal.

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jcg/fee

Der Flughafen von Larnaca, einer Hafenstadt im Südosten der Mittelmeerinsel Zypern, hat in den vergangenen Jahrzehnten einen zweifelhaften Ruf als Drehscheibe für Flugzeugentführungen erhalten. Bereits mehrfach dienten die Rollbahnen des Larnaca International Airport als Zwischen- oder Endstation für entführte Flieger.

So spielte Larnaca eine Rolle bei der spektakulären Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut (siehe Bildstrecke). Die Boeing 737-200 wurde am 13. Oktober 1977 auf ihrem Flug von Palma de Mallorca nach Frankfurt am Main von einem aus zwei Männern und zwei Frauen bestehenden palästinensischen Terrorkommando gekidnappt. Bewaffnet waren sie mit zwei Pistolen, vier Handgranaten und etwa 500 Gramm Plastiksprengstoff. An Bord befanden sich neben den Terroristen 82 Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder.

Terrorübung am Flughafen Zürich

Zwischenhalt in Larnaca

Die Piloten mussten das Flugzeug über Rom, wo es aufgetankt wurde, nach Larnaca fliegen. Dort wollte ein Vertreter der PLO die mit der deutschen Roten Armee Fraktion verbandelten Terroristen zur Aufgabe bewegen – vergebens. Nach dem Auftanken hob die Maschine erneut ab.

Über mehrere weitere Stationen erreichte die Landshut schliesslich die somalische Hauptstadt Mogadiscio. Dort verlangten die Entführer ultimativ die Freilassung von elf RAF-Terroristen in Deutschland. Am 18. Oktober befreite dann die deutsche Spezialtruppe GSG 9 die Geiseln. Drei Terroristen wurden dabei getötet.

Passagiere mit Eigeninitiative

Am 26. September 1981 war Larnaca erneut das Ziel einer Flugzeugentführung. Drei Entführer brachten eine Boeing 727 der jugoslawischen JAT in ihre Gewalt. Ursprünglich sollte die Maschine von Titograd nach Belgrad fliegen, die Entführer wollten aber erst nach Brindisi in Italien und dann nach Tel Aviv. Nach einem Tankstopp in Athen wurde israelischer Luftraum erreicht.

Dort drohten israelische Kampfjets mit dem sofortigen Abschuss, worauf das Flugzeug umkehrte und in Larnaca landete. Im stehenden Flugzeug gelang es Passagieren, ein Feuer zu legen. Das verwirrte die Entführer so sehr, dass allen 85 Geiseln die Flucht gelang, worauf die Entführer verhaftet wurden.

Leichen auf der Rollbahn

Im April 1988 war Larnaca erneut Zwischenstation einer Flugzeugentführung. Damals wurde ein Jumbo der Kuwait Airways von Bangkok her kommend zur Landung im iranischen Mashhad gezwungen. Dort forderten die Terroristen von Kuwait die Freilassung von 17 schiitischen Kämpfern. Das Emirat ging nicht auf die Forderung ein und die Maschine flog weiter nach Larnaca.

Dort erschossen die Geiselnehmer zwei junge Kuwaiter und warfen deren Leichen auf das Rollfeld. Nach 16 Tagen endete die Entführung in Algier. Die Geiseln wurden freigelassen, doch auch die Entführer bekamen freies Geleit.

Blutige Schiesserei

Am 19. Februar 1978 war der Flughafen Schauplatz einer ägyptischen Kommandoaktion. Die ägyptische Antiterroreinheit Unit 777 lieferte sich dabei ein einstündiges Feuergefecht mit der zypriotischen Nationalgarde. Ziel der Aktion: Die Ägypter wollten zwei Terroristen stoppen, die in einer DC8 mit elf arabischen Geiseln Larnaca verlassen wollten. Gegen 20 Ägypter wurden im Feuergefecht getötet.

Später kam heraus, dass die Geiselnehmer zum Zeitpunkt der ägyptischen Intervention bereits aufgegeben hatten. Sie wurden von Zypern verhaftet und anschliessend an Ägypten ausgeliefert. Als Folge des Zwischenfalls kam es zu einer jahrelangen diplomatischen Eiszeit zwischen Zypern und Ägypten.

Eine Auswahl der bekanntesten Flugzeugentführungen finden Sie in der Bildstrecke (siehe oben).

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