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3 mit Sex«Lars, wer ist bei euch der Mann in der Beziehung?»

Lars sei eine Mimose, findet eine Leserin, sonst würde er auf Schwulen-Sprüche und Klischees viel cooler reagieren. Ok, Deal, heute probiert er es.

von
Lars
Zora Schaad
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Lars geht auf das Klischee ein, dass es in schwulen Beziehungen «männliche» und «weibliche» Rollenbilder gibt. 

Lars geht auf das Klischee ein, dass es in schwulen Beziehungen «männliche» und «weibliche» Rollenbilder gibt.

Illu: Anna Deér
Sie ist Single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.
Ella

Sie ist Single mit wechselnden Liebschaften. Verliebt sich wahllos. Sucht Mr. Right und vertreibt sich die Zeit mit amourösen Fettnäpfchen und seltsamen Begegnungen zwischen feuchten Laken.

Illu: Anna Déer
Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, inner- und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.
Lars

Er ist ein schwuler Designer aus dem Aargau, WG-Mami und wilder Single, der gut mit Hammer und Nägeln umgehen kann. Insgeheim hat Lars aber genug davon, inner- und ausserhalb des Betts immer den aktiven Part zu übernehmen.

Illu: Anna Deér

Darum gehts

  • Lars wird von Leserin Katrin als Mimose bezeichnet.

  • Katrin findet: Nur wer es schaffe, auf grenzwertig homophobe Aussagen cool zu reagieren, entschärft diese.

  • Lars erinnert sich an seine Beziehung mit Simon zurück und bestätigt das Klischee, dass es in schwulen Beziehungen tatsächlich eine «weibliche» und «männliche» Rollenverteilung geben kann.

Danke, meine herzgeliebten Leserinnen und Leser für die vielen Hassmails, Komplimente, Nacktfotos, Telefonnummern und religiösen Ermahnungen auf meinen letzten Beitrag, in dem ich mir meinen Frust über homophobe Situationen im Alltag von der Seele geschrieben habe. Ich stelle fest: Wir sind nicht alle (m)einer Meinung.

Besonders spannend fand ich die Reaktion von Katrin. Katrin findet, ich sei eine Mimose. Denn: Nur wer es schaffe, auf grenzwertig homophobe Aussagen cool zu reagieren und sie nicht als Beleidigung wahrzunehmen, entschärft diese. Wer hingegen hinter jedem dummen Spruch Homophobie erkennt, stellt sich selber ins Offsides. «Wer ist bei euch der Mann in der Beziehung?», ist so ein Beispiel. Das hat mein Vater mich mal gefragt. «Wir sind beides Männer, Papi» habe ich versöhnlich – und vielleicht auch herablassend – geantwortet. Katrin ist sich sicher, dass es eine ernst gemeinte Frage war. Und obwohl ich dir das mit der Mimose übel nehme, Katrin: Ich denke, du hast recht. Was mein Vater mit seiner Frage wirklich wissen wollte, weiss ich nicht. Vielleicht wer von uns beim Analverkehr penetriert wird? Oder wer besser rückwärts einparkieren kann?

«Sein Penis war für mich tabu – sein Popo aber immer verfügbar»

Dass es in manchen schwulen Beziehungen tatsächlich als typisch weiblich oder männlich geltende Rollen geben kann, habe ich mit meinem Ex Simon (der mit den Raubtieraugen, remember?) selbst erlebt. Simon ist jünger und kleiner als ich. Ich habe ihn beim Tanzen im El Paso kennengelernt. Zum Beat der Musik hat er seinen Hintern an meiner Hüfte gerieben, genauso wie in diesen alten, peinlichen Musikvideos. An unserem ersten Date in einem Restaurant hat er mich gebeten, uns ein «schönes Plätzli» auszusuchen.

Als die Rechnung kam, hat er mich mit grossen Augen erwartungsvoll angeschaut. Ich bin sofort aufgesprungen und habe meine Kreditkarte gezückt. In unserer ersten gemeinsamen Nacht hat er sich auf den Bauch gelegt. Und von da an war das immer so. Sein Penis war als Geschlechtsorgan für mich tabu, sein Popo dafür immer verfügbar. Nach dem Sex legte Simon meistens seinen Kopf auf meine Brust und schlummerte selig ein. Simon hat also viele Rollen übernommen, die die breite Allgemeinheit einer Frau zuschreiben würde.

«Ich übernehme in einer Beziehung gern beide Rollen!»

Nach ein paar Monaten Beziehung war ich richtig gefrustet: «Du musst zu deinen ‹weiblichen› Bedürfnissen stehen, Lars! Sonst wirst du unzufrieden», ermunterte mich Ella. Also konfrontierte ich Simon: «Ich möchte auch mal eine starke Schulter zum Anlehnen haben oder von dir flachgelegt werden.» Es funktionierte nicht: «Lars, ich fühle mich einfach nicht auf diese Art zu dir hingezogen», war seine schlichte Antwort. «Und c’mon, wir haben das doch ganz am Anfang unserer Beziehung extra geklärt». Mein Einwand, dass sich Bedürfnisse ändern können, liess Simon nicht gelten. Kurze Zeit später trennten wir uns.

Aber: Meine Beziehung zu Simon ist nicht exemplarisch für Männerbeziehungen. Ich hatte auch schon eine Beziehung, in der wir uns beim Sex und beim Zahlen abgewechselt haben, das hat für mich besser funktioniert.

Um zurück zur Frage meines Vaters zu kommen: Ich übernehme in meinen Beziehung gerne beides, also «weibliche» und «männliche» Rollen, wenn man es denn so bezeichnen will. Und ich glaube nicht, dass es bei heterosexuellen Paaren anders läuft. Manchmal kann eben die Frau besser einparkieren. So what!

In welchen Bereichen seid ihr die Frau oder der Mann in eurer Beziehung? Schreibt mir wieder: onelove@20minuten.chP. S. Schreibt doch bitte auch Ella und Lars. Sie eifersüchteln, weil sie kaum Post erhalten. Diese Mimosen!

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Hier findest du Hilfe:

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Du-bist-du.ch, Beratung und Informationen

Lilli.ch, Informationen und Verzeichnis von Beratungsstellen

Milchjugend, Übersicht von Jugendgruppen

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Pro Juventute, Tel. 147

Sex-WG

3 mit Sex

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so, und auch einige Angaben sind geändert. Wahr ist aber, dass sie leidenschaftlich gern durch die Keller und Clubs der besten Stadt dieses Landes tanzen. Die drei Singles lieben Techno, Rührei und die stabilen Betten ihrer WG. Und sie wissen: Falls sie sich je zu dritt darin vergnügen, ist das das Ende von allem – oder der Beginn von etwas noch Grösserem. 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihren Abenteuern.

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