Blaues Wunder: Laser macht aus braunen Augen blaue
Aktualisiert

Blaues WunderLaser macht aus braunen Augen blaue

Ein kalifornischer Augenmediziner entwickelte ein Verfahren, mit dessen Hilfe sich die Augenfarbe nachhaltig verändern lässt. Der Eingriff pro Auge dauert nicht länger als 20 Sekunden.

von
Runa Reinecke

Klingt blauäugig, soll aber bald Realität sein: Dr. Homer verändert die Augenfarbe mit Hilfe eines Lasers.
(Quelle: KTLA)

Für nahezu alle Makel haben Kosmetikindustrie und Schönheitschirurgie eine passende Lösung parat, selbst für solche, die gar keine sind – zum Beispiel die naturgegebene Augenfarbe. Dass selbst Braunäugige bald ihr blaues Wunder erleben dürfen, dafür will unter anderem er sorgen: Gregg Homer, ein in Los Angeles niedergelassener Augenarzt. Seine Operationsmethode, mit deren Hilfe warm strahlende Rehaugen schon bald in Ozeanblau funkeln sollen, befindet sich noch in der Testphase. Dennoch will der ambitionierte Mediziner die neue Technologie bereits in rund 18 Monaten ausserhalb der USA etabliert wissen.

«Die Augen sind die Fenster zur Seele», verkündete er im Interview mit «KTLA Morning News» und ergänzte: «In ein blaues Auge kann man tief hineinschauen, bei einem braunen Auge geht das nicht.»

Blauäugig in 20 Sekunden

Möglich ist der wundersame Farbwechsel, an dem Homer rund zehn Jahre arbeitete, aufgrund der Struktur der Iris: Diese besteht aus zwei Schichten, deren vordere – das Stroma – die Augenfarbe bestimmt. Ein hoher Pigmentanteil im Stroma färbt die Iris braun; sind weniger Pigmente eingelagert, erscheint die Regenbogenhaut blau, grün oder grau.

Diesen Umstand nutzt der findige Augenarzt. Während der nur 20 Sekunden dauernden Laser-Behandlung absorbiert das braune Pigment die Energie des gebündelten Lichtstrahls. Der Körper soll dann laut Homer das veränderte Gewebe innerhalb von rund drei Wochen abstossen; durch den nun niedrigeren Pigmentanteil im Stroma verändert sich die Augenfarbe. Umgerechnet etwas mehr als 2000 Franken soll der Spass pro Auge kosten.

Auf die Sicherheit der künstlich herbeigeführten Farbmetamorphose angesprochen, wiegelt Homer ab: «Wir haben das Verfahren bereits 15 Mal getestet, um sicherzugehen, dass das Augengewebe keinen Schaden nimmt. Alle Versuche verliefen ohne Probleme».

Doppelbilder und Blendungsphänomene

Alex P. Lange, Augenmediziner und Oberarzt der Vistaklinik in Zürich, zweifelt an der Sicherheit der Laserbehandlung, bei der die Pigmente der Iris irreversibel entfernt werden: «Es besteht dadurch die Gefahr, dass ein Loch in der Iris entsteht. Dies könnte einerseits zu störenden Doppelbildern führen und andererseits zu Blendungsphänomenen wie Lichtempfindlichkeit, beispielsweise nachts beim Autofahren durch das Gegenscheinwerferlicht», warnt der Mediziner, der zudem auf die Gefahr von Blutungen infolge getroffener Gefässe hinweist. Ausserdem könne eine «Pigmentausschwemmung zu einer Abflussstörung führen, die einen Druckanstieg im Auge und letztlich einen Grünen Star verursachen kann.»

Gregg Homer ist nicht der einzige, der riskante Eingriffe aus kosmetischen Beweggründen vornimmt: Im Dezember 2009 geriet der syrische Augenchirurg Mohamad Shoujah in seinem Land in die Kritik, weil er einer völlig gesunden Patientin mit braunen Augen operativ zu einer smaragdgrünen Optik verholfen hatte. Dazu ersetzte der Arzt die Iris mit einem grünen Implantat aus Fiberglas. «Bei bisherigen Operationsverfahren wurde die Iris überhaupt nicht oder nur teilweise entnommen. Meine Methode hingegen sieht ein vollständiges Entfernen und das Ersetzen durch ein Implantat vor», erläuterte Shoujah seine Operationstechnik während eines Kongresses in Damaskus. Seine Methode, so sagte er damals, könne auch Patienten helfen, denen aufgrund eines Tumors die natürliche Iris entnommen werden musste. Shoujahs brachiale Methode wurde allerdings von anderen Ärzten als zu riskant bewertet, da die Gefahr einer Beeinträchtigung des Sehvermögens viel zu hoch sei; der syrische Gesundheitsminister entzog ihm deswegen die Zulassung.

Um auf solche obskuren Operationspraktiken zu stossen, muss man gar nicht weit reisen: Eine Augenklinik in Genf bietet ein vergleichbares Verfahren an (20 Minuten Online berichtete).

Zumindest den Lasereingriff wird es in der Schweiz aufgrund der kaum abzuschätzenden Risiken in naher Zukunft nicht geben. Für alle, die mit ihrer naturgegebenen Augenfarbe unzufrieden sind, gibt es ohnehin eine viel bessere Lösung: Farbige Kontaktlinsen kann man sich so aussuchen, dass sie immer zu den Schuhen passen.

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