Zürich - «Lass die doch die Spritze nehmen, dann wird die Welt etwas besser»
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Zürich«Lass die doch die Spritze nehmen, dann wird die Welt etwas besser»

Massnahmen-Gegner rufen auf Telegram dazu auf, bei einer Impfaktion für Gehörlose zu erscheinen und Teilnehmende «aufzuklären». Einige antworten mit wüsten Kommentaren.

von
Daniel Krähenbühl
Georgia Chatzoudis
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In der Messe Zürich findet am Freitag eine Impfaktion für gehörlose, schwerhörige oder hörsehbehinderte Personen statt.

In der Messe Zürich findet am Freitag eine Impfaktion für gehörlose, schwerhörige oder hörsehbehinderte Personen statt.

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Auf der Social-Media-Plattform Telegram wurde dazu aufgerufen, bei der Impfaktion in Zürich zu erscheinen und Impfwillige «aufzuklären». 

Auf der Social-Media-Plattform Telegram wurde dazu aufgerufen, bei der Impfaktion in Zürich zu erscheinen und Impfwillige «aufzuklären».

Telegram
«Lass die doch die Spritze nehmen, dann wird die Welt etwas besser», antwortet ein Benutzer. 

«Lass die doch die Spritze nehmen, dann wird die Welt etwas besser», antwortet ein Benutzer.

Telegram

Darum gehts

  • Am Freitag fand in Zürich eine Impfaktion für alle gehörlosen, schwerhörigen oder hörsehbehinderten Personen statt.

  • Auf Telegram riefen Massnahmen-Gegner dazu auf, Impfwillige «aufzuklären». Es fallen auch einige wüste Kommentare.

«Ich, ein Teil der Menschheitsfamilie, bitte euch alle um Hilfe»: In einem Aufruf, der im Chat der «Corona Rebellen Schweiz» geteilt wurde, weist eine Person darauf hin, dass sie «aus erster Hand» davon erfahren habe, dass am Freitagnachmittag «ganz viele» Gehörlose und Mehrfachbehinderte in die Messehalle Zürich zum Impfen eingeladen worden seien. «Laut meiner Info sind diese Menschen eher einseitig aufgeklärt und somit können sie sich auch nicht frei entscheiden», behauptet die Person weiter. Um das zu ändern, soll man einen Schreibblock oder Handy mitnehmen, um sich auszutauschen.

In den Kommentaren werden anschliessend einige wüste Kommentare gepostet: «Natürliche Selektion. Lass die doch die Spritze nehmen, vielleicht wird die Welt dann etwas besser.» Andere stimmen ihm zu: «Brutal aber wahr.» Ein anderer User schreibt: «Das gehört zum Euthanasieprogramm der Freimaurer. Zuerst die Alten, Behinderten, psychisch Kranken und Krebskranken.»

Barrierefreier Zugang

Bei der Stiftung «Treffpunkt der Gehörlosen», die die Corona-Impfaktion in Zusammenarbeit mit der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich organisiert hat, stösst der Aufruf auf Verwunderung: «Wir haben die Impfaktion organisiert, um allen Menschen gleichberechtigten Zugang zur Impfung zu ermöglichen», sagt der Geschäftsführer von «Sichtbar Gehörlose Zürich», Andreas Janner. «Die Teilnehmenden haben sich freiwillig dafür entschieden, sich impfen zu lassen.» Es handle sich allesamt um erwachsene und mündige Personen, die eigene Entscheidungen treffen können. «Es geht uns nur darum, dass alle, die sich impfen lassen wollen, auch die nötigen Informationen und die Gelegenheit dazu erhalten.»

«Der auf gewissen Social-Media-Kanälen kursierende Aufruf ist uns seit gestern bekannt und ist für uns argumentativ nicht nachvollziehbar», sagt Claude Kaufmann von der Privatklinikgruppe Hirslanden, die das Impfzentrum in der Messe Zürich betreibt. «Die Stiftung Treffpunkt der Gehörlosen und ihre Geschäftsstelle ‹Sichtbar Gehörlose Zürich› haben die Spezialtermine für alle gehörlosen, schwerhörigen oder hörsehbehinderten Personen organisiert, die im Kanton Zürich wohnhaft und über 16 Jahre alt sind.»

Dadurch werde den besonderen Anforderungen an die Kommunikation mit dieser Personengruppe Rechnung getragen und ein barrierefreier Zugang zu einer Covid-19-Impfung ermöglicht. «Gebärdensprach-Dolmetscher gewährleisten eine umfassende Aufklärung und Kommunikation vor der freiwilligen Impfung.»

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