Ausländer-Debatte: «Lasse mich nicht von der SVP einspannen»
Aktualisiert

Ausländer-Debatte«Lasse mich nicht von der SVP einspannen»

Laut SVP wurde mit dem umstrittenen deutschen Buchautor Thilo Sarrazin bereits über einen Auftritt in der Schweiz verhandelt. Alles Bluff, so Sarrazin.

von
kub
Thilo Sarrazin wird auch in Deutschland von rechtskonservativen Kreisen beansprucht. Wie hier in Berlin von der "Bürgerbewegung pro Deutschland".

Thilo Sarrazin wird auch in Deutschland von rechtskonservativen Kreisen beansprucht. Wie hier in Berlin von der "Bürgerbewegung pro Deutschland".

Bestseller-Autor Thilo Sarrazin will sich nicht von der SVP vereinnahmen lassen. In einem Interview mit der Zeitung «Der Sonntag» kritisiert er den Berner SVP-Politiker Thomas Fuchs, der sagte, er stehe mit Sarrazin in Verhandlungen über einen Auftritt in der Schweiz. Sarrazin sagt, er habe sich gegenüber Fuchs noch gar nicht geäussert. «Das war ein Bluff, und ich bin nicht gern Objekt eines Bluffs. Da muss er (Fuchs) schon ein wenig seriöser mit mir umgehen. Ich lasse mich nicht vor den Karren der SVP spannen. Ich würde mich auch nie zur Ausschaffungsinitiative äussern», sagt Sarrazin im «Sonntag». Der Schweiz empfiehlt er, in der Immigrationspolitik mit «materiellen Anreizen» zu arbeiten. Wenn muslimische Schüler in der Schule nicht mitmachen, seien die Eltern verantwortlich. «Und wenn die Eltern ihre Verantwortung nicht wahrnehmen, sollte man ihnen die Sozialhilfe streichen oder - wenn sie arbeiten - empfindliche Geldbussen auferlegen.» Man wird staunen, wie integrationswillig diese Leute auf einmal werden. Jeder Mensch wird in hohem Mass auch von materiellen Anreizen gesteuert.

Für Deutsche keine Probleme

Die nächsten grossen Einwanderungsprobleme ortet Sarrazin bei den Immigranten aus Afrika. «Es gibt Politiker, die glauben, mit der Einwanderung von Afrikanern liessen sich die demografischen Probleme in Deutschland oder auch in der Schweiz lösen. Das wäre völlig falsch, denn es kommen dann schwarzafrikanische Wanderarbeiter - zu einem Teil muslimischen Glaubens.»

Kein Problem für die Schweiz seien die hoch qualifizierten Einwanderer aus Deutschland. Sarrazin im «Sonntag»: «Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt ist für den Einzelnen hart, für die Volkswirtschaft als Ganzes ist sie aber nur positiv.» Er ist gegen Ausländerquoten bei Uni-Professoren: «Dann würde das Niveau sinken. Es sollen doch die Besten unterrichten - davon profitieren die Studenten.»

Zur Schweizer Finanzpolitik

Weiter äussert sich Sarrazin, bis vor kurzem Mitglied im Vorstand der deutschen Bundesbank, zur Währungspolitik der Schweiz. Er rät der Nationalbank, den Franken- an den Euro-Kurs zu binden. «Wenn ich der Nationalbank einen Rat geben würde, dann diesen: Sie sollte eine Aufwertung des Frankens verhindern, indem sie den Kurs an den Euro bindet. Ein fixer Wechselkurs wäre ein einfaches Mittel, um die Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft und des Tourismus zu bewahren.» Den Franken zugunsten des Euros aufzugeben, wäre aber falsch. «Ich bin von der Konstruktion der Einheitswährung nicht vollends überzeugt - die Spannungen zwischen den nördlichen und den südlichen Euro-Ländern werden noch zunehmen.» Wo immer möglich, sollte die Schweiz «ihre Unabhängigkeit bewahren. Dazu gehört eine eigene Währung.» Der EU solle die Schweiz fern bleiben, so der Ökonom und Ex-SPD-Politiker. «Sie fährt besser, wenn sie ausserhalb der EU bleibt. Grosse Konstruktionen wie die EU sind ineffizienter als kleinere Länder.»

Deine Meinung