Verwirrung um Impfempfehlung - «Lasse mich wegen Zertifikatspflicht trotz Schwangerschaft impfen»
Aktualisiert

Verwirrung um Impfempfehlung«Lasse mich wegen Zertifikatspflicht trotz Schwangerschaft impfen»

Das Bundesamt für Gesundheit sieht momentan von einer generellen Impfempfehlung für Schwangere ab. Bei betroffenen Frauen ist die Unsicherheit angesichts der Ausweitung der Zertifikatspflicht gross.

von
Daniel Krähenbühl
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«Das BAG rät Schwangeren nicht zur Impfung, verlangt von ihnen aber trotzdem ein Zertifikat. Die Situation ist extrem unklar», sagt Eris G. (31).

«Das BAG rät Schwangeren nicht zur Impfung, verlangt von ihnen aber trotzdem ein Zertifikat. Die Situation ist extrem unklar», sagt Eris G. (31).

Pexels/Leah Kelley
Eine weitere angehende Mutter*, die anonym bleiben möchte, weist ebenfalls auf die mit der Ausweitung der Zertifikatspflicht verbundenen Kosten hin: «Keiner geht auf die Minderheiten ein, die sich nicht impfen lassen können, die aber auf einmal für ein normales Leben alle drei Tage einen Test für 50 bis 150 Franken machen sollen.»

Eine weitere angehende Mutter*, die anonym bleiben möchte, weist ebenfalls auf die mit der Ausweitung der Zertifikatspflicht verbundenen Kosten hin: «Keiner geht auf die Minderheiten ein, die sich nicht impfen lassen können, die aber auf einmal für ein normales Leben alle drei Tage einen Test für 50 bis 150 Franken machen sollen.»

20min/Taddeo Cerletti
Gerade für Schwangere, für die sportliche Betätigung relevant für die Gesundheit sei, sei das eine finanzielle Zumutung.

Gerade für Schwangere, für die sportliche Betätigung relevant für die Gesundheit sei, sei das eine finanzielle Zumutung.

Unsplash/Logan Weaver

Darum gehts

  • Das Bundesamt für Gesundheit spricht momentan keine generelle Impfempfehlung für Schwangere aus. Impfwilligen schwangeren Frauen soll die Impfung nach ärztlicher Konsultation aber ermöglicht werden.

  • Weil der Bund die Zertifikatspflicht ab Montag ausweitet, sorgen sich Schwangere, vom öffentlichen Leben ausgeschlossen zu werden.

  • Da die Testkosten nur bis Ende September vom Bund übernommen werden, stellen sich auch finanzielle Fragen.

  • Das BAG und Christoph Berger, Präsident der Impfkommission, kündigen eine baldige Anpassung der Impfempfehlung an.

Von der Ausweitung der Zertifikatspflicht ab Montag sind auch Schwangere betroffen. Doch die Unsicherheit unter schwangeren Frauen ist gross. Grund dafür ist, dass das Bundesamt für Gesundheit (BAG) bei Schwangeren von einer generellen Impfempfehlung gegen Covid-19 absieht. In der Rubrik «Häufig gestellte Fragen» teilt das BAG mit, dass man eine generelle Impfung von schwangeren Frauen vorerst noch nicht empfiehlt – unter anderem, weil noch nicht viele Daten zur Covid-19-Impfung in der Schwangerschaft vorliegen würden (siehe Box).

Bei schwangeren Frauen ist die Verwirrung gross: «Das BAG rät Schwangeren nicht zur Impfung, verlangt von ihnen aber trotzdem ein Zertifikat. Die Situation ist extrem unklar», sagt Eris G. (31).* Da die Tests nur noch bis Ende September vom Bund übernommen werden, stelle sich jetzt die Frage, ob sich Schwangere trotz allem impfen lassen müssen. «Sonst zahle ich für jeden Ausflug in den Zoo oder zu einem Indoorspielplatz mit meinen beiden Kinder viel Geld. Das kann ich mir nicht leisten», sagt G. «Ich kenne viele schwangere Mamis, die genauso besorgt sind wie ich.»

Trotz Skepsis für Impfung angemeldet

Eine weitere angehende Mutter*, die anonym bleiben möchte, weist ebenfalls auf die mit der Ausweitung der Zertifikatspflicht verbundenen Kosten hin: «Keiner geht auf die Minderheiten ein, die sich nicht impfen lassen können, die aber auf einmal für ein normales Leben alle drei Tage einen Test für 50 bis 150 Franken machen sollen.» Gerade für Schwangere, für die sportliche Betätigung relevant für die Gesundheit sei, sei das eine finanzielle Zumutung.

Sie habe sich jetzt trotz aller Skepsis für eine Impfung angemeldet, so die Frau. «Ich hoffe, dass alles gut kommt. Eigentlich funktioniert unser Gesundheitssystem sehr gut – auch wenn es sich im Moment so anfühlt, als ob ich mir die Freiheit erkaufe – möglicherweise auf Kosten der langfristigen Gesundheit eines Kindes.»

Anpassung der Impfempfehlung

Dass bei schwangeren Frauen in Bezug auf die Impfung momentan Unklarheit herrscht, sei nachzuvollziehen, sagt Christoph Berger, Facharzt für Pädiatrie und Infektiologie und Präsident der Eidgenössischen Impfkommission EKIF. «Es ist so, dass wir vorerst nicht von einer generellen Impfung für schwangere Frauen sprechen, es steht aber allen Schwangeren ab dem zweiten Trimester frei, sich nach ärztlicher Konsultation zu impfen.»

Da es keine Hinweise darauf gebe, dass bei der Impfung von schwangeren Frauen zu irgendeinem Zeitpunkt in der Schwangerschaft Probleme auftreten könnten, sei er zuversichtlich, dass die Impfempfehlung bald angepasst wird, sagt Berger. «Ich bin optimistisch, dass das passiert, noch bevor man die Testkosten selbst übernehmen muss.»

Auch das BAG kündigt eine baldige Anpassung an: «Sobald die Impfempfehlung angepasst worden ist – was bald der Fall sein sollte – werden auch alle Online-Informationen aktualisiert», so eine BAG-Sprecherin. Die Testkostenfrage werde zu gegebener Zeit neu geprüft.

*Namen der Redaktion bekannt.

Impfung gegen Covid-19 in der Schwangerschaft

In der aktuellsten Impfempfehlung vom 26. August schreibt das BAG und die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF), dass die Covid-19-Impfung aufgrund der Einschätzung verschiedener internationaler Expertengruppen und der nun verfügbaren Daten zur Impfung in der Schwangerschaft allen impfwilligen schwangeren Frauen ermöglicht werden könne. Voraussetzung für die Impfung ab dem zweiten Trimester sei eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung, eine ärztliche Aufklärung und Verordnung sowie die schriftliche Einwilligung der schwangeren Frau.

Auch die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe teilte bereits Ende Mai mit, dass – basierend auf erweiterten Studiendaten – allen Schwangeren eine Covid-19-Impfung ermöglicht werden soll. In den USA seien bis Ende Mai weit über 200’000 schwangere Frauen mit den mRNA-Impfstoffen gegen Covid-19 geimpft worden, ohne dass es Hinweise auf unerwartete Nebenwirkungen auf Mutter und Kind gegeben habe. Zudem habe eine Ende April 2021 publizierte Studie an über 35’000 geimpften Schwangeren keine Hinweise auf direkte oder indirekte schädliche Wirkungen der Impfung in Bezug auf Schwangerschaft, embryonale/fötale Entwicklung, Geburt oder postnatale Entwicklung gezeigt.

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