Lassen sich E-Autos ganz normal abschleppen?

Dürfen Autos mit Elektromotor bei einer Panne bedenkenlos abgeschleppt werden? Der AGVS weiss Rat. 

Dürfen Autos mit Elektromotor bei einer Panne bedenkenlos abgeschleppt werden? Der AGVS weiss Rat. 

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AutopanneLassen sich E-Autos ganz normal abschleppen?

Auch Elektroautos können mal stehen bleiben. Doch darf man sie wie einen Verbrenner abschleppen oder richtet man damit Schaden an? Die AGVS-Experten erklären, worauf man achten sollte.

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AGVS-Expertenteam

Frage von Matthieu ans AGVS-Expertenteam:

Früher war man ja wie auf Nadeln unterwegs, wenn das Warnsignal fürs Tanken anging. Mit einem Elektroauto kann man ebenfalls mit leerer Batterie oder wegen einer Panne stehen bleiben. Meine Kollegen behaupten, man dürfe ein E-Auto nicht abschleppen. Stimmt das? Und was muss ich bei einer Panne sonst noch beachten?

Antwort:

Lieber Matthieu

Mit leerer Batterie liegen zu bleiben, kann dir natürlich auch bei einem E-Auto Ärger einbringen und wie bei einem Verbrenner ins Geld gehen. Beispielsweise hat das Bundesgericht 2020 einen Fahrer, der mit leerem Tank auf der Autobahn liegen blieb, wegen Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs und Verletzung der Verkehrsregeln mit satten 1500 Franken Busse bestraft. Daher lieber noch einmal etwas nachladen, statt mit zu leerer Batterie mitten auf einer Kreuzung oder gar Autobahn stehen zu bleiben.

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Wenn ein E-Auto nicht mehr fährt, muss das nicht an einer zu leeren Antriebsbatterie liegen. Letztere kann übrigens mit einer mobilen Ladestation wieder mit «Saft» für die Weiterfahrt zur Ladesäule versorgt werden. Wie beim Verbrenner kann aber auch bei einem E-Auto mal die Starterbatterie leer sein, während die Antriebsbatterie noch geladen ist. Da die Hochvoltbatterie über die Starterbatterie – meist konventionelle Blei-Säure-Batterien – aktiviert wird, kann das E-Fahrzeug im Falle einer leeren Starterbatterie auch überbrückt werden.

 

Das Abschleppen kann zu einer Erwärmung, zu ungenügender Schmierung im Getriebe sowie zu einer ungewollten Spannungserzeugung via Induktion im E-Motor und Hochvoltbauteilen führen.

AGVS-Expertenteam

Nun zum Abschleppen, falls nichts mehr geht – denn auch Elektroautos können ausser leeren Batterien eine «normale» Panne haben: Weil Elektroautos keine mechanische Kupplung haben, kann man sie beispielsweise nicht anschieben. Ein Elektrofahrzeug abzuschleppen, kann je nach Bauart des E-Antriebs heikel sein. Grund: Der drehende Teil des E-Motors (also der Rotor) ist bei vielen Elektroautos über das automatische Getriebe direkt mit den Antriebswellen und Rädern verbunden. Das Abschleppen kann daher zu einer Erwärmung führen, zu ungenügender Schmierung im Getriebe sowie zu einer ungewollten Spannungserzeugung via Induktion im E-Motor und Hochvoltbauteilen, was wegen teurer Folgeschäden unbedingt zu vermeiden ist.

Abschleppen wird von einigen Herstellern explizit verboten. Andere erlauben es mit Einschränkung.

AGVS-Expertenteam

Diese Spannungserzeugung wird im Normalfall und bei aktiviertem Hochvoltsystem beim Bremsen oder beim Bergabfahren in Form der Energierekuperation genutzt, aber nach einer Panne oder beim Abschleppen könnte sie eben für Schäden sorgen. Deshalb wird Abschleppen von einigen Herstellern explizit verboten. Andere erlauben es mit Einschränkung. Eine solche kann zum Beispiel lauten, dass ein E-Auto nur mit maximal Tempo 30 und höchstens 30 Kilometer weit abgeschleppt werden darf. Man sollte daher immer zuerst in der Bedienungsanleitung nachsehen, was der Hersteller empfiehlt oder vorschreibt.

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