Tattoo gegen Reanimation: Lassen Sie mich gefälligst sterben!

Aktualisiert

Tattoo gegen ReanimationLassen Sie mich gefälligst sterben!

Tätowierungen dienen nicht nur als Körperschmuck: Für viele Menschen in den USA sind sie vor allem Überbringer medizinischer Sonderwünsche.

von
Runa Reinecke
Ed Friedlander will im Falle eines Herzstillstands nicht wiederbelebt werden. (Bild: Keystone/AP)

Ed Friedlander will im Falle eines Herzstillstands nicht wiederbelebt werden. (Bild: Keystone/AP)

Ed Friedlander aus Kansas City im US-Bundesstaat Missouri hat ein Tattoo. Nichts Ungewöhnliches, sollte man meinen, doch die Tätowierung des Pathologen ist etwas Besonderes, denn sie besteht aus wenigen Buchstaben. «No CPR», zu Deutsch «keine Reanimation», steht auf seiner Brust in deutlich erkennbaren Lettern geschrieben.

Im Falle eines Herzstillstandes will er unter keinen Umständen wiederbelebt werden. Mit einer Halskette, auf der dieselbe Botschaft zu lesen ist, konnte sich der Mediziner nicht anfreunden.

Überlebenswichtige Informationen

Anderen wiederum soll eine Tätowierung im Ernstfall das Leben retten: Seit ein paar Monaten trägt Melissa Boyer aus Nashville (Michigan) ein ca. zehn Zentimeter grosses Tattoo auf ihrem linken Unterarm. Es identifiziert die 31-Jährige als Typ-1-Diabetikerin. Zudem finden sich dort Hinweise auf diverse Allergien.

Zuvor trug Boyer eine Halskette, auf der für sie überlebenswichtige Informationen zu lesen waren. «Ich hab jetzt schon seit 29 Jahren Diabetes», wird sie vom Nachrichtendienst AP zitiert. Dort erzählte sie, sie habe bereits zahlreiche solcher Halsketten getragen. Mit der langfristigen Lösung ist sie sehr zufrieden, wie sie sagt: «Die Tätowierung finde ich viel praktischer.»

Ein Trend? Nicht bei uns!

In der Schweiz ist dieser spezielle Tattoo-Trend noch nicht angekommen. «Uns ist noch kein solcher Fall bekannt», sagt Fabian Hegi von Schutz und Rettung Zürich auf Anfrage von 20 Minuten Online. Die meisten der von den Rettungssanitätern betreuten Patienten sind laut Hegi ansprechbar und könnten über Allergien befragt werden.

Bei bewusstlosen Personen habe ohnehin die Sicherung der Vitalfunktionen Priorität: «Die Sanitäter haben in dieser Phase gar nicht die Zeit, nach allfälligen Hinweisen zu suchen.»

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