Aktualisiert 28.08.2018 15:28

Hohe Bussen möglich

Lassen Spanner Drohnen über Badis steigen?

In mehreren Fällen filmten Drohnen Badegäste. Werden Spanner erwischt, müssen sie mit einer empfindlichen Busse rechnen.

von
nzy
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Manuela Schläpfer vom Sportamt der Stadt Zürich bestätigt mehrere Drohnen-Vorfälle im Flussbad Oberer Letten. Die Polizei sei alarmiert worden, wenn ein Einsatz nötig gewesen sei.

Manuela Schläpfer vom Sportamt der Stadt Zürich bestätigt mehrere Drohnen-Vorfälle im Flussbad Oberer Letten. Die Polizei sei alarmiert worden, wenn ein Einsatz nötig gewesen sei.

Keystone/Patrick B. Kraemer
Ähnliches hat eine junge Frau vergangene Woche im Frauenbereich des Seebads Enge in Zürich erlebt.

Ähnliches hat eine junge Frau vergangene Woche im Frauenbereich des Seebads Enge in Zürich erlebt.

Keystone/Gaetan Bally
Bereits zum zweiten Mal näherte sich eine Drohne den Badenden

Bereits zum zweiten Mal näherte sich eine Drohne den Badenden

Keystone/Alessandro Della Bella

L. K.* planschte am vorletzten Samstag im Thermalbad & Spa in Zürich. Plötzlich kreiste eine Drohne über dem Becken: «Die Kinder neben uns winkten zur Kamera. Ich zeigte mit einer Geste, dass die Drohne wegfliegen sollte», sagt K., der das Bad mit seiner Freundin besuchte. Die Drohne sei rund zehn Meter über dem Wasser geflogen und nach einigen Sekunden wieder verschwunden. Für das Paar kein angenehmes Gefühl: «Wenn man nicht viele Kleider an hat und nicht weiss, was mit den Aufnahmen geschieht, fühlt man sich doch sehr unwohl.» Eine Mitarbeiterin des Bads bestätigte den Vorfall am Telefon.

Ähnliches haben auch Gäste im Frauenbereich des Seebads Enge in Zürich erlebt. Auch dort soll sich eine Drohne den Badenden genähert haben. Das privat geführte Seebad Enge wollte zu den Vorfällen keine Auskunft geben.

Mehrere Fälle

Es sind jedoch keine Einzelfälle. So bestätigt Manuela Schläpfer vom Sportamt der Stadt Zürich gegenüber 20 Minuten mehrere Vorfälle im Flussbad Oberer Letten. Die Polizei sei alarmiert worden, wenn ein Einsatz nötig gewesen sei.

Auch über dem Berner Marzili kreiste erst kürzlich eine Drohne. «Mehrere Frauen meldeten mir den Einsatz der Drohne, worauf ich die Piloten ausfindig machte. Es habe sich aber um ein Schulprojekt gehandelt», sagt Anlagechef Beat Wüthrich. Er befürchtet, dass es nicht der letzte Fall bleiben wird: «Die Drohne ist ein In-Produkt. Ich bin darum froh, gibt es gewisse Einschränkungen vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl). Tragisch ist, dass überhaupt welche gemacht werden müssen.»

Laut Merve Kutay, Leiterin Marketing & Kommunikation des Thermalbads & Spa Zürich, wurde die Polizei bislang noch nicht eingeschaltet. Klar sei: «Solche unbewilligten Aufnahmen sind nicht in unserem Sinne.»

Bussen möglich

Wer eine Drohne über eine Badi kreisen lässt, dürfte gegen das Luftfahrtgesetz verstossen. Der Grund: Flüge über Menschenansammlungen von über 24 Personen im Freien sind laut Bazl-Sprecher Urs Holderegger nicht erlaubt. Bei einem Verstoss drohen Bussen von mehreren 100 Franken. Wegen der Verletzung der Privatsphäre stellen sich auch Fragen des Datenschutzes.

Ohnehin gilt in vielen Badis ein Foto- und Filmaufnahmeverbot, auch das Starten von Drohnen ist in manchen Hausordnungen untersagt. In einzelnen Fällen kann eine Bewilligung eingeholt werden. In Zürich sind die Bademeister der Stadt angehalten, beim Auftauchen einer Drohne die Polizei zu informieren.

*Name der Redaktion geändert.

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