Deborah James: «Lasst euren Stuhl checken!» – Tipp ist gut, aber nicht der beste

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Tipp vom Sterbebett«Lasst euren Stuhl checken!» – Deborah James’ Rat ist gut, aber nicht der beste

Kurz bevor sie an Darmkrebs starb, gab die BBC-Journalistin Deborah James ihren Fans noch Wichtiges auf den Weg: Sie sollen im Sinne der Vorsorge Fachleute einen Blick auf den Stuhl werfen lassen. Doch ihr Tipp ist ausbaufähig.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Am Dienstag, 28. Juni 2022, verlor Deborah James den Kampf gegen den Darmkrebs.

Am Dienstag, 28. Juni 2022, verlor Deborah James den Kampf gegen den Darmkrebs.

Instagram/bowelbabe
Ihre Familie veröffentlichte auf Instagram einen emotionalen Post. Dieser enthielt auch einen letzten Rat an ihre Followerinnen und Follower: «Lasst euren Stuhlgang checken – es könnte euer Leben retten.» 

Ihre Familie veröffentlichte auf Instagram einen emotionalen Post. Dieser enthielt auch einen letzten Rat an ihre Followerinnen und Follower: «Lasst euren Stuhlgang checken – es könnte euer Leben retten.» 

Instagram/bowelbabe
Dieser Tipp sei wichtig, doch noch besser als eine regelmässige Stuhlkontrolle seien Darmspiegelungen, so Christoph Schlag, Leitender Arzt der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie am Unispital Zürich.

Dieser Tipp sei wichtig, doch noch besser als eine regelmässige Stuhlkontrolle seien Darmspiegelungen, so Christoph Schlag, Leitender Arzt der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie am Unispital Zürich.

USZ

Darum gehts

  • Mit ihren letzten Worten rief die verstorbene BBC-Journalistin Deborah James zur Darmkrebsvorsorge auf. 

  • Ihr Rat ist laut eines Schweizer Darmspezialisten wertvoll. 

  • Es gibt jedoch noch einen besseren: die Darmspiegelung. 

  • Diese sei weniger unangenehm als oft behauptet. 

«Lasst euren Stuhl checken – es könnte euer Leben retten.» Diesen Rat gab Deborah James ihren Fans und Followern nach ihrem Tod noch mit auf den Weg. Die BBC-Journalistin war am 28. Juni 40-jährig an den Folgen ihrer Darmkrebserkrankung gestorben. Ein Schicksal, vor dem sie andere Menschen bewahren wollte.

Dass Darmkrebsvorsorge wichtig ist und mitunter über Leben und Tod entscheiden kann, bestätigt auch Christoph Schlag, Leitender Arzt der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie am Unispital Zürich. «Pro Jahr sterben im Schnitt 1700 Menschen in der Schweiz an der Erkrankung.» Dabei liessen sich viele dieser Fälle verhindern.

«Stuhltest ist besser als wenn man gar nichts macht»

Anders als die verstorbene James empfiehlt Schlag Darmspiegelungen als Vorsorge für Dickdarm- und Enddarmkrebs. «Die sind der Goldstandard heute.» Denn dabei liessen sich nicht nur bereits erste Vorstufen von Darmkrebs – sogenannte Polypen – entdecken. «Im Falle eines Falles kann man sie auch gleich entfernen, das ist ein grosser Vorteil!» Denn früh erkannt und entfernt sei Darmkrebs heilbar.

Der Stuhlprobentest schlage dagegen erst Alarm, wenn der Krebs weiter fortgeschritten sei und bereits Blut im Stuhl ist. «Dann ist der Polyp aber schon relativ gross», erklärt Schlag. Und eine Darmspiegelung umgehen könne man damit nicht unbedingt: «Bei einem positiven Testergebnis muss dann eine Darmspiegelung erfolgen.» Abraten möchte er von Stuhltests aber nicht. «Das ist besser als wenn man gar nichts macht.» Durchgeführt werden sollten solche etwa alle zwei Jahre. 

Blut als Symptom

Nicht jede Art von Blut bedeutet gleich Darmkrebs. «Ein bisschen Frischblut am Toilettenpapier ist sicher kein Problem», erklärt Schlag. Dieses könnte auch auf Hämorrhoiden oder Verletzungen im After zurückzuführen sein. Sollte sich aber sichtbar Blut im Stuhl finden, ist es ratsam, eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen.

Klare Empfehlungen

Empfohlen werden die Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchungen ab dem Alter von 50 Jahren, «auch wenn keine Beschwerden vorliegen», so Schlag. Zu einem früheren Zeitpunkt werde zu Darmspiegelungen nur dann geraten, wenn die Person familiär vorbelastet ist. «Bei ihnen sollte die erste Spiegelung zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des Verwandten stattfinden.» Bei einem negativen Befund müsse man dann erst nach zehn Jahren wieder zur Darmspiegelung.

«Bei einem positiven – je nach Anzahl und Grösse der Polypen – nach rund drei Jahren wieder.» Anders sieht es bei Personen aus, die an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung oder erblichem Darmkrebs leiden. «Sie sollten sich früher und öfter testen lassen», erklärt der Experte. «Wir empfehlen ein Intervall von einem Jahr.» 

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Deborah James teilte ihr Leben mit Krebserkrankung mit ihren Followern – in ihrem Podcast «You, Me and the Big C» auf BBC Radio 5 Live, auf ihrer Webseite und auf Social Media. 

Deborah James teilte ihr Leben mit Krebserkrankung mit ihren Followern – in ihrem Podcast «You, Me and the Big C» auf BBC Radio 5 Live, auf ihrer Webseite und auf Social Media. 

Instagram/bowelbabe
Dieses Bild ist das letzte auf Debora James’ Insta-Seite. Dazu teilte ihre Familie in einem emotionalen Posting ihren Tod mit. 

Dieses Bild ist das letzte auf Debora James’ Insta-Seite. Dazu teilte ihre Familie in einem emotionalen Posting ihren Tod mit. 

Instagram/ Bowelbabe
Prinz William ernannte die 40-Jährige zur «Dame» und besuchte sie persönlich bei ihr zu Hause. Die Queen erhob die Moderatorin in den Adelsstand.

Prinz William ernannte die 40-Jährige zur «Dame» und besuchte sie persönlich bei ihr zu Hause. Die Queen erhob die Moderatorin in den Adelsstand.

Instagram/bowelbabe

Stuhl wie Kamillentee ist das Ziel

So schlimm, wie sich viele Menschen Darmspiegelungen vorstellen, seien diese gar nicht, erklärt Schlag. Während der rund 30-minütigen Untersuchungszeit schlafe man. «Nur die Vorbereitung – die Darmreinigung – kann etwas unangenehm sein.» Zwar gebe es die Abführlösung heute in verschiedenen Geschmacksrichtungen, wirklich schmecken würde diese aber nicht, räumt Schlag ein.

Zudem müsse man vermehrt aufs WC. «Am Ende sollte das, was ausgeschieden wird, wie Kamillentee aussehen.» Denn nur wenn der Darm wirklich sauber ist, können Ärztinnen und Ärzte etwas erkennen. Deshalb raten Experten wie Schlag auch dazu, zwei bis drei Tage vor dem Termin keine Körner oder Salate zu essen. Die würden nämlich im Darm kleben bleiben. «Natürlich können wir auch während der Untersuchung spülen, aber das geht nur bis zu einer gewissen Masse.»

Dritthäufigste Krebsart in der Schweiz

Mit laut Krebsliga.ch etwa 4500 Fällen pro Jahr ist Darmkrebs die dritthäufigste Krebsart in der Schweiz. Am häufigsten ist die Altersgruppe der über Fünfzigjährigen betroffen, und Männer etwas häufiger als Frauen. In den vergangenen Jahrzehnten ist die Sterblichkeit dank Früherkennung und verbesserter Therapien stetig zurückgegangen.

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