10.09.2020 14:53

Michael Steiner über «Switzerländers»«Lasst uns alle gemeinsam ein Experiment wagen»

Im Frühling 2020 kommt ein Film über die Schweiz in die Kinos, der von uns allen gedreht wird. Creative Director Michael Steiner erklärt das Konzept.

von
Geraldine Schläpfer / Julia Panknin

Bist du bereit für das grösste Filmexperiment der Schweiz? Star-Regisseur Michi Steiner erklärt dir, worum es bei «Switzerländers» geht.

Michael Steiner, worum geht es bei «Switzerländers»?

Ich übergebe meine beiden Kernkompetenzen als Regisseur, nämlich Dramaturgie und Schauspielführung, komplett in die Hände der Schweizerinnen und Schweizer. Dazu sollen so viele

Menschen wie möglich Videos einsenden, die sie und ihr Leben in der Schweiz zeigen.Daraus entsteht dann ein Kinofilm von 90–120 Minuten über unser Land.

Als Regisseur verfilmst du normalerweise ein Drehbuch Seite für Seite.Worin liegt die Herausforderung bei «Switzerländers»?

Die künstlerische Leitung des Filmes ist insofern interessant, als dass ich aus Material, das ich noch nicht kenne, eine dramaturgische Geschichte erzählen darf. Diese Geschichte könnte von morgens bis abends, von Stadt bis Land oder auch von Geburt bis Tod erzählt werden, je nachdem, welche Art Material wir erhalten. Die thematische Ordnung und Dramaturgie des Filmes erst im Nachhinein zu entwickeln, ist wahnsinnig herausfordernd und reizvoll.

Was würdest du bei den eingesendeten Videos gern sehen?

Ich hoffe, dass vom Alpaufzug über den Büro- und Schulalltag bis hin zu persönlichen Momenten wie Familienfesten und Geburten alles dabei sein wird. Liebesgeschichten, Glücksfälle, Unglücksfälle, Natureindrücke: Die Teilnehmenden dürfen alles zeigen, was sie bewegt und was die Schweiz für sie ausmacht, und zwar sowohl in ihrer Sprache als auch ohne Worte. Ich wünsche mir dabei, auch Minderheiten vertreten zu sehen. Ein Blick ins Asylheim interessiert mich genauso wie ein Besuch am Schwingerfest.

Wie wirst du nach Erhalt der Videos vorgehen?

Mein Team und ich werden eine Vorauswahl treffen aus allen Clips und diese thematisch ordnen. Danach schreiben mein Cutter Hans Kaufmann und ich eine Art Drehbuch, ein Transkript, um die verschiedenen Geschichtsstränge ineinanderfliessen zu lassen und zu einem grossen Ganzen zusammenzubringen, das wir dann auf die Leinwand bringen können.

Wie wichtig wird die Rolle von Musik und Schnitt sein?

Bei einem Film, der Hunderte verschiedene Kameraführungen und Perspektiven vereint, ist die Rolle des Cutters essenziell. Auch die Musik ist sehr wichtig, um die Emotionen rüberzubringen und ein Gefühl von Zusammengehörigkeit zu erzeugen.

User-generated Content gibt es wie Sand am Meer. Braucht es so einen Film in Zeiten von Social Media überhaupt?

Davon bin ich überzeugt. Wir alle geben ständig ein Idealbild auf Instagram, Facebook und Co. ab. Diese polierte Seite der Leute interessiert mich weniger. Ich will die wahren, ungefilterten Geschichten sehen. Es ist ein gesellschaftliches Experiment, das wir hier wagen, und ich hoffe, dass wir unser Land am

Schluss so wunderschön und facettenreich, wie es ist, darstellen können. Es soll ein Zeitdokument werden, das die wahre, echte Schweiz zeigt.

Quasi eine moderne Version eines Heimatfilms à la «Ueli der Knecht»?

Ich denke eher an eine neue Version von «Koyaanisqatsi» (1982), der im Gegensatz zu einem klassischen Drehbuch-Film wie «Ueli der Knecht» auf aneinandermontierten Bildsequenzen basiert, die fast zufällig wirken, aber doch zusammengehören.

Wir alle haben mit unserem Smartphone ständig eine Kamera zur Hand. Braucht es in Zukunft überhaupt noch Regisseure?

Das Aufnehmen von Bewegtbild wird tatsächlich immer einfacher. Eine richtige Geschichte zu erzählen, ist und bleibt aber ein Handwerk. Dank unserer Technologien sind wir aber die erste Generation, für die das Erschaffen eines solchen Filmes überhaupt möglich ist.

Das Filmkonzept wurde auch schon in anderen Ländern adaptiert. Was wird die Schweiz besser machen?

Da zähle ich auf die Einsendungen unserer Mitbürger und bin voller Vertrauen, dass wir es mit Deutschland, England oder Indien locker aufnehmen können.

Wirst du selber auch einen Clip von dir einbauen?

Das verrate ich nicht.

Mehr Infos zum Projekt sowie Details dazu, wie du mitmachen kannst, erfährst du hier: switzerlanders.20min.ch

Michael Steiner erklärt dir kurz, wie du am besten filmst:

So filmst du richtig!

Michi Steiner erklärt dir, wie du deinen «Switzerländers» Beitrag am besten filmst.

«Switzerländers» ist ein Kulturprojekt von Tamedia.

So kannst du mitmachen!

Du willst mit uns den Kinofilm «Switzerländers» erschaffen? Dann nimm dein Handy oder eine Kamera in die Hand und teile deine ganz persönliche Sicht auf unser Land, dein Leben, deine Abenteuer, deine Gefühle und Gedanken in einem oder mehreren Videos mit uns. Die Aufnahmen können unbeschränkt lange sein, sollten aber unbedingt im Querformat gefilmt sein. Der Drehtag, der stellvertretend für einen ganz normalen Tag in der Schweiz stehen wird, ist der 21. Juni. Mehr Infos zum Projekt sowie Details dazu, wie du mitmachen kannst, erfährst du auf switzerlanders.20min.ch.

Über Michael Steiner

Mit «Grounding», «Mein Name ist Eugen» und «Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse» füllte der Regisseur Michael Steiner (49) die Kinos. Mit seinem nächsten Filmprojekt «Switzerländers» übergibt der in Rapperswil (SG) aufgewachsene Steiner die Regie seinen Zuschauern: Der Film wird komplett auf user-generiertem Inhalt aufbauen.

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